Liebe Frauen,
ich habe ein Problem. Dieses Problem ist diese Kolumne. Und die Frage danach, wie ich damit umgehen soll, dass ich auch noch gleich mal großkotzig angekündet habe, dass ich Euch, liebe Frauen, in dieser Kolumne so manches der bisher streng gehüteten Männer-Gehemnisse verrate. Sobald ich
irgendwo erwähne, dass ich diese Kolumne schreibe, gibt es zwei mögliche Reaktionen: Die männliche und die weibliche. Die männliche kann ich nachvollziehen: Nicken, Lippen zusammenpressen, Stille. Denn: Naja, wirklich männlich komm ich damit nicht rüber, und wenn ein Mann Männern gegenüber seine Männlichkeit einzubüßen droht, halten Männer sich zurück. Und das ist auch gut so. Da gibt es keine Ratschläge, keine Mutmaßungen, keine Anregungen. Da gibt es maximal den gut gemeinten (und gerne angenommenen) Themenwechsel: „Rapid hat ja mal wieder Scheiße gespielt“, „Der typisch österreichische Kompromiss beim Rauchergesetz ist super, denn wir können immer noch rauchen, wo wir wollen“, „Die Kellnerin soll mal ihren Knackarsch zu uns bewegen“.
Frauen aber legen gleich los: „Echt? Das machst du? Und was schreibst du da? Wo find ich das? Ist das lustig?“ Vor allem aber: „Wie ist denn das mit…?“ „Warum tun Männer immer …?“ „Wieso sind Männer ständig…?“ Ich glaube, Ihr wisst, was ich meine. So auch heute am Telefon mit meiner, nein, einer Freundin namens Anne: „Also, was ich immer schon mal wissen wollte: Ich habe letztens meinen Freund auf dem Klo beim Wichsen erwischt. Warum tut er das? Wir sind doch in einer glücklichen Beziehung. Wir haben doch regelmäßig Sex. Befriedige ich ihn nicht?“
Also schön, Frauen wollen was über Sex wissen, gut, hier kommt’s: Die Selbstbefriedigung.
Erstens: Ich habe keine Ahnung, ob eine Frau ihren Mann befriedigt oder nicht, denn das hat ganz einfach absolut gar nichts damit zu tun, ob man wichst oder nicht. Männer sind nun mal Wichser. Es ist so. Manche wichsen täglich, manche wöchentlich, manche nur monatlich, aber wir tun es alle, egal ob single oder in einer Beziehung. Wir nehmen unseren Schwanz in die Hand und rubbeln los. Und wenn’s vorbei ist, ist es vorbei, und wir denken nicht mehr dran. Mehr ist es nicht. Mehr verbinden wir nicht damit. Es ist wie richtig gut essen gehen und Fast Food. Manchmal geht man einfach zu McDonalds, weil man auf die Schnelle was in den Magen bekommen will, manchmal hat man sogar richtig Lust auf McDonalds. Aber das hat nicht damit zu tun, ob man gerne gut isst. Wichsen ist niemals Ersatz für guten Sex. Wichsen ist niemals Ersatz für Sex zu zweit. Wichsen will nicht bewertet sein, weil genau das das Schöne am Wichsen ist. Es ist, was es ist, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Woran wir beim Wichsen denken? Oder besser: An wen? An alles Mögliche. Ja, hin und wieder stellt man sich eine Frau vor, und das ist hin und wieder auch nicht die Frau, mit der man gerade in Beziehung ist. Na und? Wir denken nicht dabei: „Die ist viel geiler als meine.“ Weil wir nicht bewerten. Wir stellen es uns einfach kurz mal vor und dann, wie gesagt, vergessen wir es auch schon wieder.
Übrigens: Wenn Ihr wollt, dass Eure Männer beim Masturbieren an Euch denken: Holt ihm hin und wieder einfach mal spontan einen runter. Zeigt einfach, dass Ihr versteht, dass es dabei nicht darum geht, eine große Liebesnacht zu veranstalten, greift ihm in die Hose, wenn Ihr grad vor der Glotze sitzt, und fangt an. Am Anfang werden die meisten Männer das als eindeutige Aufforderung für mehr sehen. Gut, macht mit. Aber Ihr könnt ihm auch einfach Einhalt gebieten, weitermachen, bis er kommt, ihm ein Papiertaschentuch reichen, und wieder fernsehen, wie wenn nichts gewesen wär. Die Programmauswahl ist vollkommen egal. Und vor allem: Nicht drüber reden. Tut so, als sei es das Normalste der Welt. Wie ein Kuss im Vorübergehen. Ran an die Wurst, abbeißen, gut. Keine romantische Musik, kein Kerzenschein, kein Massageöl. Kein Gestöhne. Kein dirty talk. Und schon verbindet Euer Mann auch das Wichsen automatisch vor allem mit Eurer Hand. Und wenn er doch mal nicht an Euch denkt: Wisst Ihr es? Nein. Also macht Euch keine Gedanken drüber, denn die meisten Wichsvorgänge laufen rein mechanisch ab. Da gibt es gar keine Phantasien im Schädel, es ist einfach nur ein Stück Fleisch, das plötzlich und ohne besonderen Anlass bewegt werden will, bis was rauskommt, egal, was man dabei denkt.
Der einzige Gedanke, der dabei störend ist, das ist die Sache mit dem erwischt Werden. Wenn Ihr mal einen von uns erwischt, dann schließt nicht beschämt die Tür oder fangt ein großes Gezeter an. Fragt: „Kommst du klar oder darf ich einsteigen?“ Und meint es so. Ihr werdet Euren Mann glücklich machen.
Ach ja, das mit dem spontanen zur Hand Gehen gilt auch in anderen Situationen, etwa am Computer, wenn Euer Freund grad eine Text für eine Kolumne schreibt, etwa zum Thema Selbstbefriedigung…
Euer Adam
Bild: Édouard-Henri Avril
