Liebe Frauen,
Jedes Jahr vor Weihnachten macht Hollywood Bescherung in Form von Romantikkomödien. Früher spielten da Julia Roberts und Meg Ryan mit, heute heißen die Frauen, die in diesen Streifen die Liebe ihres Lebens finden, anders, aber die Geschichten sind und bleiben doch dieselben. Mann trifft Frau oder Frau trifft Mann, dann gibt es ein paar
Hindernisse zu überwinden, etwa täglicher Gedächtnisverlust, der Mann ist auf den ersten Blick ein Arschloch, und die Frau muss erst herausfinden, dass er eigentlich supertoll ist, oder der Mann ist eigentlich ein Waschlappen und es kommt ein anderer Mann dazwischen, der gutgebaut und braungebrannt ist, doch der ist und bleibt ein Arschloch, und deswegen weiß die Frau erst zum Schluss des Films, dass der Waschlappen doch gar nicht mal so schlecht war, und dann gibt es ein Happyend und alle sind glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.
Dass Hollywood vor allem sich selber sehr viel Geld mit diesen Filmen in die Taschen beschert, möchte ich mal außen vor lassen, sondern mich eher der Frage widmen, warum Frauen in diese Filme rennen, die Männer aber die Krätze kriegen, wenn sie nur das Plakat sehen. Und hin und wieder doch mit rein gehen, wenn auch freiwillig gezwungen durch die Freundin oder die Frau, die vielleicht mal Freundin werden soll. Oder zumindest im Bett des Mannes landen könnte.
Das Problem ist, dass es einfach immer und unbedingt ein Happyend gibt. Und zwar immer und unbedingt zwischen den beiden Richtigen. Die blöde blonde Tussifreundin der Hauptdarstellerin, die ständig mit ihren Silikontitten herumwackelt und nur intrigiert, weil sie den Mann selber abbekommen will, bleibt am Ende allein. So auch der Machotyp, der dem netten Mann die falschen Tipps gibt oder der Frau die große Liebe vorgaukelt, nur um sie einmal ordentlich durchzubumsen und sie dann fallen zu lassen. Ha, wusste der Zuschauer doch von Anfang an. Und ha, jetzt sitzt er da, blöd und ohne Fick. Aber Happyend ist das, was wir Männer nicht auf der Leinwand sehen wollen, weil wir wissen, dass es das im richtigen Leben nicht gibt. Und tatsächlich hoffen wir sogar, dass es das im richtigen Leben nicht gibt, denn im Gegensatz zu den Frauen, die sich natürlich mit den Protagonistinnen identifizieren, sehen wir Männer das anders. Wir sehen uns weder als liebenswerte Waschlappen, noch als geläuterte Machos. Auch wenn wir genau das sind. Gut, die meisten von uns sind Waschlappen, aber nicht liebenswert, oder Machos, aber nicht geläutert, oder Waschlappen, die denken, sie seien Machos, oder Machos, die denken, sie seien liebenswert. Eigentlich wollen wir der Latin Lover sein. Oder der Actionheld, aber die kommen ja in Romantikkomödien nicht vor. Die Männer in Romantikkomödien sind ganz einfach nicht so, wie wir Männer uns selber sehen oder wünschen, sondern so, wie die Frauen uns Männer sehen oder wünschen. Und deshalb kriegt in unseren Augen immer der Falsche die Frau am Ende ab.
Und Ihr, liebe Frauen, Ihr wollt, nachdem Ihr in einer dieses Liebesschnulzetten ward, doch nichts anderes, als genau einen solchen Mann an Eurer Seite, oder etwa nicht? Und dann seht Ihr uns!
Deshalb mein Aufruf an alle Kinobetreiber dieser Welt: Lasst die Actionstreifen gleichzeitig mit den Romantikkomödien laufen und probiert es mal mit folgender Werbeaktion: Zu jedem Ticket für den einen Film, gibt es ein Ticket für den anderen zum halben Preis. Dann schauen sich Frauen und Männer zwar zur selber Zeit aber eben doch einen anderen Film an und nachher treffen sie sich und sind glücklich und zufrieden.
Nur das Fummeln im Kino fällt dann weg, geb ich zu. Aber wir sind ja auch keine Teenager mehr, oder?
Euer Adam
