Adam spricht es aus

was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

44 – Die Köche

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Liebe Frauen,

wenn man den Fernseher aufdreht, ist die Wahrscheinlichkeit, auf eine Kochsendung zu stoßen, groß. Da kochen Spitzenköche irgendwelche ausgefallenen Gerichte, Hobbyköche treten gegeneinander an, dicke Reporter reisen durch die Welt und testen die größten Schnitzel, die schärfsten Currywürste und die außergewöhnlichsten Pizzakreationen. Und dazwischen gibt es dann noch die Rekordversuche à la „der größte Schokoriegel der Welt“ oder „wer am meisten Chilischoten innerhalb einer Minute verputzt ohne zu kotzen oder im Krankenwagen abtransportiert werden zu müssen“. Und wer macht da mit? Die Männer.

Ja, es gibt auch zwei drei Spitzenköchinnen, Lea Linster und Sarah Wiener, aber doch sind es Männer, die die Sterne abräumen. Und wer ist Weltmeister im Hot Dog Essen? Wenn es nicht der fette Amerikaner ist, dann der dürre Japaner, aber: Männer. Dabei heißt es doch immer, die Küche sei die Domäne der Frau. Oder ist das nur Ausdruck der Emanzipation des männlichen Geschlechts, dass sie nun auch noch kochen?

Nein. Wenn man sich die ganz normalen Männer anschaut, kann man sie locker in zwei Kategorien einteilen: Entweder sie sind in einer Beziehung, dann kocht die Frau, oder sie sind single, dann leben sie von Fertigessen.

Frauen sind diejenigen, die kochen. Es ist so, trotz alle Emanzipation und weiß der Geier. Frauen kochen für ihre Männer, Frauen kochen für sich, Frauen stehen am Herd und hauen die Steaks in die Pfanne und machen den Salat an und geben sich Mühe und richten ihr Essen her und legen noch ein Sträußchen Petersilie daneben, damit es schöner aussieht. Männer essen. Aus. Da geht es ums Hungerstillen. Mehr nicht. Und das geht auch einfacher, als dass man sich selber Arbeit macht.

Dass es aber wiederum die Männer sind, die zu Sternenköchen werden oder die sich in irgendwelchen Kochsendungen beweisen müssen, liegt daran, dass es da eben nicht mehr ums Essen geht. Es geht um den Kampf. Es geht darum, zeigen zu können, dass man(n) besser ist. Vögel plustern sich auf, Hunde bellen, Hirsche rennen sich die Schädel mit ihren Geweihen ein. All das können menschliche Männchen nicht. Außer bellen, ja, das tun sie auch gern und ausdauernd, aber sonst? Ein Mann, der sich auf seine Hinterbeine stellt und brüllt und imponierend mit der Faust auf die Brust schlägt, ist einfach nur lächerlich. Er ist nun mal kein Gorilla. Also sollte er sich auch nicht so benehmen. Also wird nach anderen Möglichkeiten gesucht, sich zu präsentieren und den Weibchen zu imponieren. Manche fahren mit dicken Autos rum, andere hängen sich Goldkettchen um den Hals (haben sie sich auch bei den Frauen abgeschaut), und noch andere kochen. Aber eben nicht nur einfach so mal schnell, damit was Essbares auf dem Tisch steht, sondern richtig und gut und speziell und so, wie kein anderer Mann das kann.

Und damit haben sie zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen: Sie können ihre Männlichkeitsrituale weiterhin und sehr publikumswirksam durchführen, zugleich können sie behaupten, ein moderner Mann zu sein, der sich nicht davor scheut, etwas zu tun, was doch eigentlich „Frauenarbeit“ ist.

Lächerlich wird es dann, wenn in einer Sendung mit dem Titel „High Noon am Herd“ oder so ähnlich irgendwelche Jungstarköche die Kochkunst einer gestandenen Frau, die seit Jahrzehnten eine ganze Familie gut und gesund durchgefüttert hat, beurteilen und daran rummäkeln. Da sitz ich dann gerne davor und genieße die eigenhändig in den Topf geschmissenen Spaghetti mit Soße aus der Dose.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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