Adam spricht es aus

was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

47 – Das Kompliment

| 1 Kommentar

Liebe Frauen,

Je mehr ich mich als Mann darum bemühe, Euch, liebe Frauen, den Mann als solches näher zu bringen, desto mehr interessiert es mich natürlich auch, was denn Frauen ihren Geschlechtsgenossinnen so an Tipps und Tricks mit auf den Weg geben. So lese ich denn Frauenmagazine, die lauthals „Wie ich meinen Mann glücklich mache“ verkünden oder auch diverse Ratgeber im Netz oder in Buchform. Vor kurzem ist mir ein Büchlein in die Hände gefallen, in dem Folgendes geschrieben steht: „Schauen Sie den Menschen genau ins Gesicht, lächeln Sie, machen Sie Komplimente. Männern wie Frauen. Wenn Ihnen eine Krawatte gefällt, sagen Sie es. Wenn Sie finden, eine Frau sieht toll aus, raus damit. Seien Sie offen und großzügig mit Lob und üben Sie, Ihren Blick für die schönen Dinge um sie herum zu schulen.“ (aus „Besser Schlampe als gar kein Sex – Intimer Schriftverkehr“ von Barbara Balldini, erschienen bei Kyrene 2010).

Mein erster Gedanke war: Ja, genau so ist es, wie recht Frau Balldini doch hat. Was hat mensch davon, wenn hinter seinem Rücken gesagt wird, dass er gutaussehend, sexy, cool ist. Er will es hören! Das tut ihm gut, und das tut demjenigen gut, der es ausspricht, und wer weiß, wo so ein kleines nett gemeintes Kompliment noch hinführen kann?

Dann aber musste ich zurückdenken an ein Erlebnis, das ich selber vor vielen vielen Jahren, als ich noch jung und schüchtern war (jetzt bin ich nur mehr schüchtern), am eigenen Leib erfahren konnte. Es gab da eine Frau, die ich äußerst attraktiv gefunden habe, und mit der ich sehr gerne mehr erlebt hätte, als nur das, was wir in dem Moment miteinander hatten (uns treffen, etwas zusammen trinken, reden, ja sogar mal tanzen gehen). Um mir eine kleine Rutsche zu legen, um ihr zu sagen, dass ich, um es jetzt endlich auszusprechen, einfach nur geil auf sie war, meinte ich, dass es doch voll blöd wäre, dass man sich nicht traut, einem anderen Menschen zu sagen, wenn man ihn schön findet, dabei wäre das doch eigentlich kein Ding, und wenn es nur im Bus wäre, vollkommen unverfänglich. Und so weiter. Das hat leider nicht dazu geführt, dass ich endlich meinen dringlichsten Wunsch zur Sprache gebracht hätte, sondern zu einem Gespräch darüber, wie sehr sich die Menschen doch unnötig einschränken. Danke auch.

Vor allem aber hat es dazu geführt, dass sie mir nur zwei Tage später gestanden hat, dass sie sich noch viel darüber Gedanken gemacht hätte, und zum Schluss gekommen wäre, genau dies zu tun. Also hatte sie einem vollkommen fremden Mann im Bus (ja, im Bus!) gesagt, dass sie ihn schön fand. Und noch am gleichen Abend ist sie mit ihm im Bett gelandet und war dann mit ihm zusammen. Sie danke mir dafür.

Tja, und wer hat in die Röhre geschaut? Ich natürlich.

Und warum? Weil ich zu blöd war, meinem eigenen Rat zu folgen und stattdessen nur rumgedruckst habe.

Also, liebe Frauen: Hört nicht auf mich, sondern auf Frau Balldini, die scheint zu wissen, wovon sie spricht.

Euer Adam

Bild: Kyrene/Werner Branz

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Ein Kommentar

  1. Huhu, toller Artikel. Ich liebe dieses Themengebiet und warte gespannt auf weitere Artikel dieser Art.

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© Raoul Biltgen

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