Liebe Frauen,
Die einzig wahre und große und lebenslängliche Liebe ist ein Gerücht.
Oh, ich höre schon, wie Ihr jetzt laut aufschreit: Wie kann der nur sowas sagen, so gefühllos, so… typisch Mann.

Ja, vielleicht, aber es ist so.
Also, Ihr wollt mir weismachen, dass das Schicksal einen einzigen Menschen für einen einzigen anderen Menschen aus über sechs Millarden bestimmt? Und dass das Schicksal auch noch so clever ist, diese beiden einzigen Menschen nicht in Norwegen und Australien zu platzieren, sondern in einem Land, in einer Stadt? Dass sie sogar an der gleichen Arbeitsstelle sind, schließlich entstehen nach wie vor nachweislich die meisten Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz? Und dann finden sich diese beiden Menschen und erkennen: Das ist er, den ich schon mein Leben lang gesucht habe? Und sind glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende? In Hollywood, ja. Im richtigen Leben: Ha ha.
Nein, es ist so: Alle Menschen befinden sich irgendwann in einer Phase, in der sie sehr offen anderen Menschen gegenüber sind. Meistens, wenn sie single sind. Manchmal auch, wenn sie’s nicht sind. In dieser Phase ist jeder Mensch, der irgendwie attraktiv und nett rüber kommt, ein möglicher Partner. Und wenn man sich etwas kennengelernt hat, die Sympathie trotzdem bleibt oder sogar wächst, die Attraktivität auch auf den zweiten Blick noch da ist, und wenn’s in der Kiste klappt, dann passiert eine chemische Reaktion im Hirn, die dazu führt, was wir Menschen mit „sich verlieben“ umschreiben: Wir sind nicht mehr offen für alles und jeden, Hauptsache die Grundbedingungen passen irgendwie, sondern wir fokussieren uns auf diesen einen Menschen. Und wenn’s dann auch noch etwas länger andauert, nennen wir das Liebe. Und wenn es dann so richtig lange andauert, sind wir dazu geneigt, zu behaupten, wir hätten die einzig wahre und große und unumstößliche Liebe gefunden. Das Schicksal hat zugeschlagen.
Nein, der Zufall hat zugeschlagen. Wäre es in der offenen Phase nicht Mensch A, sondern B gewesen, oder C oder D oder E, dann hätten wir halt den etwas näher kennen gelernt. Und dann hätte auch aus dem die einzig wahre und blablabla Liebe werden können.
Ja, das klingt vielleicht kalt, aber es ist gut so, denn, ganz ehrlich, ich habe nicht so viel Vertrauen in das Schicksal, als dass ich mich darauf verlassen würde, dass es mich auf diese eine und einzige Frau für mich stoßen lässt.
Und ist es nicht gerade diese Anfangsphase, die so spannend ist? Wenn wir noch nicht wissen, was draus wird? Ob überhaupt was draus wird? Wenn wir Angst haben, es könnte sich doch herausstellen, dass dieser andere Mensch irgend ein dunkles Geheimnis hat, das uns ekelt und abstößt? In der Hoffnung, dass es nicht so kommt?
Eben. Aber jetzt stellt Euch mal vor, liebe Frauen, das Schicksal klingelt an der Tür, daneben steht ein Mann, und das Schicksal sagt: „Bitteschön, das ist er, und noch ein schönes Leben.“
Langweilig.
Euer Adam
Bild: Pierre Auguste Cot

11. Juli 2012 um 11:36 Uhr
seh ich auch so!