Adam spricht es aus

was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

65 – Die Vorhaut

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Liebe Frauen,

ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich danach gefragt worden bin, wie denn das so ist mit der Vorhaut, oder, genauer gesagt, mit beschnitten oder nicht beschnitten.

Ich muss zugeben, das ist ein Thema, das mich bisher kaum interessiert hat. Ich bin, wie die meisten Männer in Mitteleuropa, nicht beschnitten. Kann ich also wissen, wie es ist, beschnitten zu sein? Nein. Wie kann ich dann über den Unterschied sprechen?

Also google ich mal ein wenig rum, und siehe da, das bringt mit genau nichts, denn entweder die Beschneidung erfolgt aus religiösen Traditionen, oder man ist Amerikaner. Ja, in Amerika wird gern beschnitten, und die Begründung folgt auf dem Fuß: Es ist hygienischer, gesünder, keine Ahnung. Ganz ehrlich, Hygiene hängt nicht davon ab, ob da ein Stückchen Haut über der Eichel ist oder nicht, entweder man wäscht sich, oder man verzichtet darauf. Im ersteren Fall ist die Hygiene gewährleistet, im zweiten stinkt man unten rum, ob mit oder ohne Vorhaut. Mit anderen Worten: Das Argument „Medizinisch“ kann ich schon mal getrost auf den Müll schmeißen.

Also: Ästhetisch. Was sieht schöner aus? Ich habe Frauen gefragt (die müssen schließlich entscheiden), und das Resultat: Den einen gefällt das eine, den anderen das andere, den meisten aber ist es im Grunde recht wurscht.

Hm, was bleibt dann noch? Und jetzt kommt’s: Das Gefühl. Ja, es wird behauptet, dass beschnittene Männer länger können, weil die Sensibilität ihrer Eichel im Laufe der Zeit nachgelassen hat, da sie ja ständig in Berührung mit der Unterhose ist. Muss man also seinen Körper verstümmeln (denn das stellt, jetzt mal objektiv gesehen, eine Beschneidung dar, immerhin wird da einfach ein Stück Haut abgeschnitten), um sexuellen Erwartungen gerecht werden zu können. Darauf kann man jetzt sagen: Hallo, das tun die Frauen doch schon lang, Brustvergrößerung, Analbleaching, Schamlippenverkleinerung… Meine treuen Leserinnen wissen aber, wie ich zu diesen Themen steh, dementsprechend gilt auch für Männer: Wenn das der einzige Grund ist, sich die Vorhaut absäbeln zu lassen, dann ist das nicht Grund genug. Wenn Ihr, liebe Männer, das Gefühl habt, zu früh zu kommen, gibt es auch noch andere Möglichkeiten, seinen (und ihren) Spaß zu haben.

Trotzdem hat mich dieser Punkt, ich gebe es zu, am meisten interessiert, und ich habe ein Experiment gewagt: Kommando: Vorhaut zurück!

Ja, das kann man als Mann, einfach seine Vorhaut zurückschieben. Es besteht zwar die Tendenz, dass sie sich ihren Weg wieder zurück zu ihrem angestammten Platz sucht, aber da kann man ja mit einem schnellen Griff in die Hose eingreifen. Die Frage, die ich erörtern wollte, war: Wie fühlt es sich an, ohne Vorhaut rumzulaufen?

Das erste spürbare Resultat war: Nicht schlecht, nicht schlecht. Denn die Eichel war durch die ungewohnte ständige Berührung mit Stoff gereizt, so dass sich ein Zustand einer andauernden anfänglichen Erektion einstellte. Nur gehe ich davon aus, dass der ausschlaggebende Punkt das Ungewohnte daran war. Hat sich die Haut mal dran gewöhnt, ist dieser Effekt wohl hinfällig.

Das zweite spürbare Resultat: Übersensibilität der Eichel. Anfangs noch ganz angenehm, steigerte sich die Reizung nach und nach in eine Schmerzempfindlichkeit, die nun nicht mehr so toll war.

Das dritte spürbare (und sichtbare) Resultat: Blasen. Nein, ich meine nicht die Sexualpraktik, ich meine jene schmerzhaften Beulen an der Haut, die man auch bei zu engem Schuhwerk bekommen kann. Oder bei Verbrennungen. Oder eben bei ständigem Reiben einer sehr empfindlichen Hautstelle wie etwa der Eichel. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mein Experiment abgebrochen und meinen malträtierten Schwanz in weiche Mullbinden gepackt.

Schlussfolgerung: Will man wissen, wie es ist, beschnitten zu sein, muss man sich beschneiden lassen. Gefällt es einem dann nicht… Muss man damit leben.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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