Adam spricht es aus

was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

67 – Der alte Sack

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Liebe Frauen,

nein, auch wenn die heutige Kolumne „Der alte Sack“ heißt, werde ich nicht über graubehaarte Scrota alter Männer schreiben. Scrota? Ja, genau, Plural von Scrotum, der Hodensack. Stattdessen möchte ich über jene Männer schreiben, die glauben, sich zu den Besitzern eben jener Scrota zählen zu müssen, über die ich nicht schreibe.

Frauen müssen, geht es nach den gerade geltenden gesellschaftlichen Normen, jung, schön, schlank und jung sein. Wie geht der Spruch? Eine Frau über 30 wird eher von einer Atombombe getroffen, als dass sie noch einen Mann findet? Eben.

Männer aber sind wie gute Rotweine, sie werden nicht alt, sie werden reif. Jungs sind noch langweilig, aber Männer, denen man ansieht, dass sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, sind gerade durch die Falten, die die Frauen wegbotoxen, bis nichts mehr von ihrer Mimik übrig ist, interessant.

So hieß es zumindest bisher.

Aber dann fragt man sich, warum sich auch immer mehr die großen männlichen Schauspieler die Gesichtshaut zusammenziehen lassen, bis sich ihre Lippen im Nacken treffen. Was ist mit ihren Falten, die sie zu markanten Typen machen, zählen die nicht mehr?

Nein, denn längst herrscht Gleichberechtigung dort, wo man sie am wenigsten gebrauchen kann: beim Schönheitswahn. Statt dass man Frauen ihr Alter als solches annehmen lässt, passen sich die Männer, die Deppen, an und müssen nun auch jung und glatt und muskulös und jung sein.

Toll, danke aber auch.

Letztens war ich in einer Disko – nennt man das überhaupt noch so?, wahrscheinlich nicht – und in dieser Disko, dieser location, keine Ahnung, gab es genau einen Menschen, der älter war als ich, und das war mein Freund Franz, mit dem ich hingegangen bin. Um uns herum? Teenies. Picklige Jungs und grell geschminkte Mädels. Gut, ich muss zugeben, dass vielleicht auch die eine oder andere junge Frau, sprich knapp über 20, darunter war, und, ja, da schaut man schon auch mal gerne hin, wenn sie in ihren knappesten Outfits zu Hits hüpfen, die ich nicht einmal im Vollsuff auf Mallorca oder beim Après-Ski genannten Komasaufen länger als zehn Minuten aushalten würde, aber wie gesagt, nicht hinhören, hinschauen, wenn junge feste junge Brüste geshaked werden…

Tja, und da ging mir auf, was sich diese shakenden Brüste, ehm, nein, Frauen, aber auch die um sie herum tanzenden Möchtegernmänner über mich dachten: Alter Spanner, der sich unter uns junge Menschen mischt, um zu gaffen, weil er wohl selber keine mehr abbekommt, alt und abgewrackt, wie er ist, kriegt wohl nur mehr so einen hoch, ha ha.

Jaja, ich bin das, was ich selber vor 15 oder 20 Jahren als „alten Sack“ beschimpft habe, Mitte 30 überschritten und weder geliftet noch sonstwas in der Art. Und was tu ich? Ich trauere der Zeit nach, als Männer noch reifen durften, ehe sie entkorkt und genossen wurden. Heute trinkt man Alkopops. Und Prost.

Euer Adam

Bild: Currier & Ives

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© Raoul Biltgen

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