Adam spricht es aus

was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

77 – Die Extremisten

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Liebe Frauen,

keine Angst, auch wenn ich meine heutige Kolumne „Die Extremisten“ nenne, so werde ich nicht politisch.

Na nochmal Glück gehabt.

Vielmehr möchte ich mich mit jenen Menschen beschäftigen, die diverse Vorlieben sexueller Natur haben, welche sie mit nur wenigen anderen teilen. Sexuelle Vorlieben, welche von eben jenen Menschen, die diese nicht teilen, als „extrem“ empfunden werden. Das Problem aber liegt in der Definition von „extrem“. Was ist überhaupt extrem? Wenn ich tagaus tagein nur Blümchensex praktiziere, dann ist sehr sehr vieles aus meiner Sicht extrem, das fängt schon bei Blasen an. Ja, viele finden Blasen nicht „normal“. Ist es aber. Ha.

Andere probieren alles aus, was ihnen unter die Finger kommt. Oder unter den Körper. Oder so. Für die ist kaum noch was extrem im Sinne von gewagt, außergewöhnlich, am Rande des guten Geschmacks (wessen?), am Rande des Vorstellbaren.

Die meisten Menschen aber tummeln sich so irgendwo in der Mitte, haben ihren Sex, wie sie ihn (hoffentlich) mögen, und erlauben sich dann und wann auch mal das eine oder andere Experiment, um ihren Sexalltag ein wenig aufzumotzen. Dann nehmen sie sich mal ein Sextoy zur Hand oder sie erkunden die Analgegend oder sie spielen Spielchen und verkleiden sich als Zimmermädchen oder Cowboy oder Polizist. Und dann könnte man doch vielleicht auch mal was aus Latex ausprobieren… Oder eine Peitsche… Oder Fesseln… Oder…

Oder einer der beiden Partner schiebt den Riegel vor und sagt: „Nein, das ist mir jetzt doch ein wenig zu extrem“.

Fetischisten müssen sich nicht mehr mit ihren Vorlieben verstecken, Swingerclubs boomen, obwohl sich kaum jemand zugibt, hinzugehen (ich kenne nur ein bekennendes Swingerpärchen). Piercing im Gesicht ist nichts, was die Gemüter noch bewegt, aber im Genitalbereich? Albert, Guiche und wie sie alle heißen? Ach, Ihr wisst nicht, was das ist? Sind zwei Piercingarten beim Mann. Dafür weiß ich grad nicht, wie man das nennt, wenn die Schamlippe oben, unten, seitlich, wo auch immer wie auch immer gepierct ist. Kommt auch nicht auf den Namen an, die meisten sagen (oder denken) eh nur „Autsch“, wenn sie sowas hören. SM, klar, wird in die Schublade mit der Aufschrift „extrem“ gesteckt, oder Natursekt (ja, das hat etwas mit Urin zu tun, weshalb es der Experte „Urophilie“ nennt). Meingott, ich weiß gar nicht, was sonst noch alles möglich ist, denn alles ist möglich.

Vor allem aber: Alles ist gut. Nein, nicht für jeden, aber grundsätzlich. Ich muss nicht Muscheln essen, wenn ich nicht mag. Aber dafür sind Muschelliebhaber keine abartigen Menschen. Oh, jetzt ist es mir passiert: Kaum schreib ich „Muschelliebhaber“ werdet Ihr denken: „Was ist denn das wieder für eine Perversion?“ Ich dachte tatsächlich nur an die Meeresfrüchte. Aber Kulinarik beiseite: So lange es allen Beteiligten Spaß macht, sie es freiwillig tun und so richtig abgehen dabei, gibt es keinen Grund, irgendwas „extrem“ zu finden. Außer natürlich, man steht drauf, dass man grad was „Extremes“ tut, dass allein die Tatsache, dass die eigene kleine Vorliebe ganz exklusiv und exquisit ist, einen geil macht, ja, dann ist auch „extrem“ wieder gut.

Übrigens: Extrem ist es wahrscheinlich auch aus der Sicht vieler Menschen, wenn man ganz einfach nur banalen Geschlechtsverkehr hat, ohne Spielchen und Aufmotzer und Zeug, denn, bitteschön, wer begnügt sich denn heute schon noch mit nullachtfünfzehn?

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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