Adam spricht es aus

was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

8 – Die Schwanzlänge

| Keine Kommentare

Liebe Frauen,

Wie die Nase eines Mannes, so auch sein Johannes. So heißt es. Ich habe eine recht große Nase, hurra, also denken jetzt alle, ich habe auch einen großen Johannes, sprich Penis. Die Frage, die Ihr mir aber zurecht stellt, ist: Stimmt der Spruch?

Nun, eigentlich könntet Ihr, liebe Frauen, das viel eher beantworten, als ich, schließlich habt Ihr mit unseren Schwänzen zu tun, oder wie versteh ich das? Oder geht es weniger darum, zu ergründen, ob dieser Spruch den Tatsachen entspricht, als vielmehr darum, wie wir Männer mit unseren jeweiligen Ausstattungen in der Hose umgehen?

Es gibt ein Klischee des Mannes am Pissoir: Er lugt möglichst unauffällig rüber, um zu schauen, was der andere gerade aus der Hose hängen lässt, um dies mit dem eigenen Stück Fleisch, das er in dem Moment in den Fingern hält, zu vergleichen. Dieses Klischee entspricht nicht der Wahrheit. Natürlich vergleichen wir untereinander, aber nicht am Pissoir, denn um am Pissoir wirklich abschätzen zu können, was der Pinkelnachbar hat, muss dieser schon ein sehr großes Teil sein eigen nennen. Meistens aber verschwindet es hinter der Hand. Davon abgesehen finden wir den Anblick von aus fremden Penissen schießendem Urin in den meisten Fällen nicht so besonders interessant. Wenn man unbedingt vergleichen will, dann geht man in die Sauna. Das hat allerdings den Nachteil, dass man auch das herzeigen muss, was man selber so zu bieten hat. Und aus diesem Grund wird, wie so oft, im Internet nachgeschaut. Nein, nicht auf Pornoseiten, denn da schneiden die meisten normalen Männer schlecht ab, sondern etwa bei Wikipedia. Und da wird man auch gleich nicht besonders fündig. Da steht zwar etwas über Penisverlängerungen, aber keine Daten, an die man sich halten könnte, um abzuschätzen, ob man denn nun wirklich eine Penisverlängerung braucht. Man will schließlich Angaltspunkte. Auf gofeminin.de etwa wird von 15 Zentimetern gesprochen. Damit keine falschen Schlussfolgerungen gemacht werden: Durchschnitt im erigierten Zustand. Auf einer anderen Seite werden 11 bis 17 Zentimeter angeführt, das sind wir dann nur mehr bei 14 im Durchschnitt, sieben bis zehn Zentimeter wäre ein Penis im schlaffen Zustand lang.

Erstens: Können wir diese Zahlen glauben? Wie werden solche Statistiken erstellt? Wird nachgemessen? Wann und von wem? Oder wird nur gefragt? Wenn nur gefragt wird, ist klar: Die Statistiken sind falsch. Ist mein Penis im steifen Zustand zum Beispiel knapp über 14 Zentimeter lang, mach ich ganz sicher eine 15 draus. Ist er 18,5 Zentimeter lang, dann klingt zwanzig doch viel schöner. Liege ich unter zehn? Dann sind es zehn. Naja, dann sind es knapp über zehn, also 10,5. Also 11. Also… Ihr versteht, worauf ich hinaus will. Ihn aber im schlaffen Zustand zu messen, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Der ist nie gleich lang. Mal ist es zu kalt, mal ist es zu warm, mal ist man gut drauf, mal schlecht. Und das kann wirklich bis zu ein paar Zentimeter ausmachen: Ein wohltemperiertes Glied kann gut und gerne doppelt so lang sein wie der Spion, der aus der Kälte kam. Dazu kommt natürlich, dass zwar jeder Mann schon mal seinen Penis abgemessen hat (ja, jeder), aber die Frage ist: Wie? Wo beginnt der Penis? Und auch da ist schnell mal ein Maßband etwas tiefer an der Peniswurzel angelegt. Und sobald ein Mann irgendwelche Zahlen im Kopf hat, tut er alles, um über diesem vermeindlichen Durchschnitt zu liegen, damit er sagen kann: „Ich habe zwar nur 16 Zentimeter, aber damit habe ich mehr als die meisten anderen.“

Zweitens: Was haben wir davon? Eben, wir haben davon, dass wir mogeln. Wir runden immer schön brav auf, frei nach dem Motto: „Darf’s a bisserl mehr sein?“ Ja, es darf. Es darf immer. Es gibt nur sehr sehr wenige Männer, die wirklich zufrieden sind mit der Länge ihres Gemächts. Denn wenn wir annehmen, dass die Statistiken leicht nach oben verfälscht sind, liegen die meisten Männer unter diesem Durchschnitt. Und so haben wir uns alle selber ins Knie geschossen.

Drittens: Worauf kommt es denn an? Kommt es auf die Größe an? Liebe Frauen, kommt es auf die Größe an? Sagt es mir, ich weiß es nicht. Und auf welche Größe? Die des Steifen? Die zählt beim Geschlechtsakt wohl an erster Stelle, aber ich komme auf das Vergleichen zurück: Wir Männer kommen eher selten in die Verlegenheit, unseren Ständer mit dem eines anderen zu vergleichen, wir vergleichen immer nur den Hänger. Und der sagt noch viel weniger über die Ausmaße des Ständers aus, als die Nase des Mannes. Kleine Schwänze können plötzlich sehr groß werden, große Schwänze können es aber auch dabei belassen, sich aufzurichten, nehmen aber nicht an Umfang oder Länge zu. Was ist dann enttäuschender? Einer, der viel verspricht, aber es nicht hält, oder einer, den man eher belächelt, der dann aber zeigt, was wirklich in ihm steckt?

Oder, jetzt komm ich drauf, war die Frage gar nicht so gemeint, sondern wolltet Ihr einfach nur wissen, was ich ganz persönlich in der Hose hab? Achso, sagt das doch gleich, also…

Es ist mehr als der Durchschnitt ;-)

Euer Adam

Bild: Martin van Maele

Dir gefällt das? Dann sag's bitte weiter:

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*

Captcha Captcha Reload


 

© Raoul Biltgen

Top