Liebe Frauen,
hin und wieder gibt es sogar sowas wie Gerechtigkeit im Leben. Manchmal ist man der Neue und sieht sich der Horden an Exen gegenüberstehen, die eine Frau so hinter sich her schleppt (siehe „Adam spricht es aus: Der Ex (80)), manchmal ist man aber selber der Ex.

Und was ist daran bitteschön so furchtbar gerecht? Nunja, der Unterschied. Während sich die Exen ansammeln und eine immer stärker werdende Front bilden, bleiben die Neuen einzeln. Gut, mit jedem neuen Neuen gibt es wieder einen Ex mehr, aber es gibt (in der Regel) doch nur einen Neuen zu einem Zeitpunkt. Und je mehr verschiedene Neue es gab, desto weniger schlimm ist es.
Trotzdem, sagt Ihr. Und das sagt Ihr zurecht. Es ist vollkommen wurscht, wie lange man mit einer Frau zusammen war, wie man sich getrennt hat, wer sich von wem getrennt hat, wie man anschließend damit umgeht, irgendwann kommt der Moment, wo sie, die Frau, also Ihr einen Neuen habt. Und mit dem Neuen tut Ihr Dinge, die Ihr vorher mit uns getan habt. Ihr haltet Händchen, Ihr küsst Euch, Ihr nehmt Euch in den Arm, Ihr geht ins Kino, Ihr fickt… Und seltsamerweise gibt es eines, das wohl keiner einfach so abschütteln kann: Der Wunsch nach Exklusivität. Wir wollen nicht, dass da wer anderer all das und noch viel mehr mit der Frau tut, mit der wir es mal getan haben. Das wollen wir einfach nicht. Dass hat nichts damit zu tun, ob wir die Frau noch lieben oder nicht, ob wir noch was von ihr wollen, uns eine zweite Chance erhoffen, ganz im Gegenteil, oft ist sogar dieses Gefühl, dass nach uns niemand anderer mehr ran darf, noch viel stärker, wenn wir es waren, der die Beziehung beendet hat, wenn es im Streit auseinander gegangen ist. Warum? Weil wir uns unterlegen fühlen, wenn wir das Gefühl haben, ersetzt werden zu können. Einfach so. Oder scheinbar einfach so. Weil wir schauen uns den Neuen natürlich ganz genau an. Und bewerten ihn. Und vergleichen ihn. Mit uns. Und dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wir finden, der Neue stinkt im Vergleich zu uns so ziemlich ab, oder wir finden, der Neue ist viel besser, als wir es jemals waren. Welche dieser beiden Variante eintritt, hat aber nichts mit dem Neuen zu tun, oder nur selten, sondern nur mit uns und unserem Selbstbewusstsein, wie wir uns selber finden. Und ob wir in der Zwischenzeit eine Neue haben.
Aber. Keine der beiden Möglichkeiten ist gut. Finden wir, der Neue ist ein Lulli, ein Waschlappen, ein Nichts im Vergleich zu uns, regt uns das auf. Was?, die ersetzt uns durch so einen Loser? Also, das geht doch nicht, nach mir darf nur ein Superheld der Sonderklasse an diese Frau ran, Frechheit.
Ist der Neue dann aber ein Superheld der Sonderklasse in unseren Augen, heißt das, dass wir der Lulli, der Waschlappen, das Nichts waren. Und auch dann fühlen wir uns gedemütigt, ja, ist ja kein Wunder, dass sie jetzt so einen nimmt, ich hab halt nicht in ihrer Liga gespielt, wie hab ich jemals was von der wollen können, ich sollte mich mal ein paar Klassen tiefer umschauen.
Und deswegen wollen wir nicht, dass wer andere die Frau berührt, die wir berührt haben.
Na schön, das war die supertolle möchtegernpsychologische Erklärung.
Nun folgt das, was eigentlich der Fall ist: Wir wollen uns das nicht vorstellen, unter keinen Umständen, weil es uns dann kalt den Rücken runter läuft, weil wir das nicht wollen, weil wir doch unsere Brandmarke gesetzt haben und die kann man nicht mehr weg machen und was uns einmal gehört hat, das gehört für immer uns, auch wenn wir es gar nicht mehr wollen, und wenn ich nicht mit dem Spielzeugauto spielen darf, dann darf niemand das, dann schmeiß ich es in eine Kiste unterm Bett, wo es verstaubt und niemand anderer dran kommt und…
Und jetzt bitte noch einmal das lesen, was ich letzte Woche aus der Sicht des Neuen geschrieben habe, wenn er sich den Exen gegenüber sieht. Und klar wird: Es ist scheißegal, ob wir der Neue oder der Ex sind, wir fühlen uns immer irgendwie wie der Verlierer bei der ganzen Sache.
Habe ich jetzt etwa gerade ein Plädoyer auf die eine und einzige monogame Beziehung fürs Leben geschrieben? Ups, das war nicht meine Absicht.
Euer Adam
Bild: Pierre Auguste Cot
