Liebe Frauen,
in einer übersexualisierten Gesellschaft, wie die, in der wir leben, gelten doch immer noch die alten Werte von Treue und Vertrauen und ewiger Liebe. Dementsprechend ist das Thema Seitensprung auch eines, das die Gemüter hochschnellen lässt. Wer fremd geht, ist
ein Arsch. Und aus. Dabei ist ein Seitensprung kein Scheidungsgrund mehr. Rechtlich gesehen. Der Partner, der fremd geht, trägt nicht unbedingt die Schuld daran, dass eine Ehe zerbricht. Vögeln darf man, so viel man will, erst wenn man zur neuen Partnerin/zum neuen Partner zieht, ist man der Gefickte. Im übertragenen Sinn. Naja, auch im eigentlichen, denn wenn man, im Gegensatz zum/zur Ex, gefickt wird, hat man dem/der Ex etwas voraus. Etwas Wesentliches. Und das geht natürlich nicht. Dann wird man bestraft. Dann muss man löhnen. Ha.
Aber, ehrlich gesagt, die rechtlichen Konsequenzen eines Seitensprungs interessieren mich nicht wirklich. Und auf der anderen Seite herrscht die allgemeine Meinung: Fremdgehen ist pfui, das macht man nicht, das gehört sich nicht, das ist schäbig und das Allerletzte, also wirklich.
Zugleich ist ein Seitensprung etwas, das halt schonmal vorkommen kann, das kann man ja nicht kontrollieren, es ist doch nur ein Zeichen, dass etwas Grundlegendes in der Beziehung nicht stimmt, meingott, es geht doch nur um Sex, das hat doch mit Liebe nichts zu tun.
Die eine Meinung, die erste, wird von den Freundinnen und Freunden der/des Betrogenen vertreten, ist klar. Die zweite Meinung von den Freundinnen und Freunden des Betrügers. Man muss sich also nur aussuchen, mit wem man spricht, je nachdem ob man sich wie das letzte Arschloch vorkommen soll, oder ob man sein Gewissen beruhigen will.
Und beide Parteien haben recht.
Und beide Parteien haben unrecht.
Und beide Parteien sollten uns egal sein, denn ein Seitensprung ist eine Sache, die sich lediglich zwischen zwei Menschen abspielt. Nein, nicht zwischen dem Seitenspringer und der/dem Geliebten, weit gefehlt, sondern zwischen dem Seitenspringer und dem/der Betrogenen.
Nein, es passiert nicht einfach mal so, auch nicht im Suff, es sei denn, man ist dermaßen blau, dass man nicht bemerkt, dass man gerade mit wem anderen als dem/der Angetrauten rummacht. Man stolpert nicht so leicht in einen anderen Menschen rein, ups, na das hab ich ja gar nicht bemerkt, dass mein Schwanz plötzlich in ihrer Muschi war, tja, komisch aber auch. Nein.
Wenn man mit wem zusammen ist, dann weiß man das.
Das heißt nicht, dass es nicht trotzdem mal Befürfnisse gibt, dass man nicht doch mal einen anderen Menschen aber sowas von geil findet, dass man an nichts anderes denkt, als diesen Menschen aber sowas von ordentlich… Die Frage aber ist: Tut man es? Gibt man dem nach? Will man dem nachgeben? Und was bedeutet es, wenn man dem nachgibt?
Es ist im Grunde ganz einfach: Man kann tun und lassen, was man will.
Oh, schön, Freibrief.
Wenn man die Konsequenzen in Kauf nimmt.
Mist.
Mit anderen Worten: Wenn man weiß, dass man mit Fremdficken den Partner/die Partnerin verletzt, will man es dann immer noch durchziehen? Oder heißt, jemanden lieben, nicht, dass man diesem Menschen unter keinen Umständen Leid zufügen will.
Und eines muss einem immer klar sein: Es kommt raus. Immer. Irgendwann. Da kann man noch so gut und fröhlich lügen, es kommt raus, versprochen. Und selbst wenn nicht: Heißt, jemanden lieben, nicht auch, dass man diesen Menschen nicht belügen will?
Und was passiert, wenn es rauskommt? Wie wird der Partner darauf reagieren? Ist es ihr/ihm wurscht? Na gut, dann los. Findet sie/er das auch noch gut? Super. Macht sie/er es eh genau so, ist es also das, was man eine offene Beziehung nennt? Dann ist es sowieso kein Seitensprung mehr.
Die meisten von uns wissen aber, dass ein aufgeflogener, selbst ein gebeichteter Seitensprung das Ende der Beziehung bedeutet. Und das ist die Konsequenz, der man sich stets bewusst sein muss. Ist es mir das wert? Nehme ich das Ende der Beziehung in Kauf, wenn ich fremdficke? Wenn ja: Viel Spaß. Wenn nein: Lass die Finger davon. Wägt es gegeneinander ab, was ist Eich wichtiger, das eine oder das andere? Denn in den meisten Beziehung ist es doch vollkommen klar, dass es nur das eine oder das andere geben kann. Und entscheidet Euch. Denn das Blödeste, das man nachher sagen kann, ist: Es tut mir leid, ich hab das nicht gewollt, es war ein Fehler, ich wollt’ ich könnt’s rückgängig machen.
Nein, kann man nicht, das muss man sich schon vorher überlegen.
Euer Adam
Bild: Achille Devéria
