Adam spricht es aus

was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

88 – Der Morgen danach

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Liebe Frauen,

Männern wird oft nachgesagt (und vorgeworfen), dass sie nach dem Geschlechtsverkehr mit einer Frau, die sie am gleichen Abend kennengelernt haben und mit der sie dementsprechend alles andere als zusammen sind, gerne schnell abhauen. Oder, ist es in ihrer Wohnung passiert, die Frau rausschmeißen. Kein nebeneinander Einschlummern, kein nebeneinander Aufwachen, am allerwenigsten ein gemeinsames Frühstücken. Böse, heißt es dann, die wollen nur ficken, aber ja nicht in Kontakt treten zu den Frauen, sie kennenlernen etwa, bäh, mit ihnen reden oder so.

Stimmt, das machen Männer tatsächlich immer mal wieder.

Aber: Frauen auch. Ist keine Behauptung, ist die Wiedergabe dessen, was mir letztens meine, nein, eine Freundin Anne erzählt hat. Kleiner Urlaubsflirt, kleiner Urlaubsfick, aber jede Nacht, sobald er neben ihr eingedöst war, hat sie ihre Klamotten eingesammelt und ist zurück in ihr Hotel.

Auf der anderen Seite hat sie mir davon vorgeschwärmt, wie es sich bei einem anderen Mann ganz anders ergeben hat. Vögeln, einschlafen, aufwachen, vögeln, wieder einschlafen, wieder aufwachen, wieder vögeln… ehm, Moment, worauf wollte ich hinaus? Ach ja, und irgendwann dann auch zusammen frühstücken, sich gegenüber sitzen, quatschen, Spaß haben, gut. Und dann vielleicht nochmal vögeln? Warum nicht.

Nein, das läuft jetzt in eine falsche Richtung, das hört sich jetzt so an, wie wenn das nebeneinader Einschlafen zum Vorteil hätte, dass man noch mehr Sex hat. Dabei geht es mir um das, was in den Momenten passiert, wenn man sich nicht geschlechtlich betätigt. Nein, es geht mir nicht einmal ums Reden danach, es geht mir im Grunde darum, dass man noch so sehr sich gegenseitig ablecken und –schlecken kann, ineinander versinken und so weiter, der intimste Moment ist der, wenn man einfach nur nebeneinander schläft. Das kriegt man nicht mit, sagt Ihr? Doch, tut man. Unbewusst. Zwei Körper liegen Seite an Seite und schalten ab. Und nach und nach passt sich die Atmung einander an, man spürt sich, da ist jemand, ja, da ist jemand, den ich grad in mir hatte/in dem ich grad war, und es zwirbelt sich aus den Träumen und der körperlichen Nähe ein ganz dünner seidener Faden zwischen den Menschen, der eine Verbindung herstellt, wie sie kein Sex der Welt herstellen kann. Man hat zusammen eine Nacht verbracht.

Und am Morgen danach wacht man auf, und man spürt, dass da dieser Faden ist. Noch etwas lose, kann bei der kleinsten Ungeschicktheit zerreißen, aber er ist da. Und man weiß es. Vielleicht nicht bewusst, aber doch.

Und, ganz ehlrich, ficken kann man mit jedem, aber zulassen, dass sich dieser Faden spinnt? Der einen in irgendeiner unverständlichen Weise an einen anderen Menschen bindet? Das will man vielleicht nicht unbedingt. Und schon gar nicht, wenn’s halt wirklich nur ums Ficken ging. Ist ja nichts Schlimmes dabei, oder? Ich mein, hallo, man lernt sich irgendwo auf einer Party oder in einem Lokal oder wo auch immer kennen, und hüpft gleich mal in die Kiste, da steht der Sex im Vordergrund, sonst nichts, da denkt der Mann mit dem Schwanz und die Frau mit der Möse, ist doch so.

Das Problem entsteht dann, wenn Mann es genau dabei belassen will, Frau aber nicht. Weil Mann vielleicht sogar Angst hat vor mehr, meinetwegen, Frau sich aber schwertut, Sex nur als Sex zu sehen, Befriedigung des Geschlechtstriebes.

Aber damit wären wir beim alten Thema, dass Männer und Frauen in dieser Hinsicht scheinbar verschieden ticken. Liebe und Sex, meingott, gehört es zusammen oder nicht?

Keine Ahnung, damit muss ich mich ein andermal beschäftigen.

Euer Adam

Bild: Peter Fendi

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© Raoul Biltgen

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