Liebe Frauen,
 „Wir haben die ganze Nacht durch gevögelt.“ Den Satz schon mal gehört? Den Satz schon mal gesagt? Es tatsächlich getan? Und, wie war’s? Habt Ihr tatsächlich die ganze Nacht durch gevögelt?
Aber was heißt das dann? Ging’s am Abend irgendwann los, und dann wurden stundelang sämtliche Stellungen ausprobiert, und der Mann hatte stundenlang einen Ständer und ist erst gegen Morgengrauen gekommen? Ehrlich? Da sag ich nur: der arme Mann, dem muss der Schniedel doch geraucht haben. Davon abgesehen, dass er ihn wahrscheinlich so schnell nicht wieder einsatzfähig hinbekommt, wund wie der wohl gewesen sein muss.
Ach, Ihr sagt: Neinnein, der konnte gleich wieder? Glück gehabt.
Tatsächlich denke ich aber, dass mit „die Nacht durch gevögelt“ eher gemeint ist, dass man Sex hatte, dann eine Pause eingelegt hat, dann, wenn er ihn wieder hochbekommen hat, wurde von vorn begonnen, wieder eine Pause, und so weiter halt, ein paar Mal. Da kriegt man die Stunden schon hin.
Und jetzt der Grund, warum ich dieses Thema für diese Woche gewählt habe: Meine, nein, eine Freundin Anne hat mir erzählt, dass es ihr tatsächlich mal so passiert ist: Er hat getan und gemacht und ihn so rum rein und so rum raus und vielleicht noch mal umgedreht und pipapo. Stundenlang. So dass sie sich irgendwann dazu gezwungen sah, ihn zu fragen, ob er dann vielleicht auch endlich mal kommen könnte. (Sie hatte durchaus mehrere Orgasmen im Laufe der Zeit, hurra.)
Und sie hat mir gestanden, dass sie es doch eigentlich viel schöner findet, nicht einen Sexmarathon hinzulegen. Dann schon lieber mehrere Kurzstrecken. Hat sie mehr davon, hat er mehr davon. Und, ja, sie hat mich ausdrücklich gebeten, dies hier zu schreiben, weil sie davon ausgeht, dass erstens viele Frauen diese Variante von „die Nacht durch vögeln“ bevorzugen, zweitens auch Männer diese meine kleine Kolumne lesen und etwas lernen können.
Und deshalb:
Liebe Männer,
jaja, ich weiß, uns wird immer nur eingetrichtert, dass wir Durchhaltevermögen beweisen müssen, Standhaftigkeit, dass wir Langstreckenficker sein sollen und ja nicht zu früh kommen dürfen, dass mann also schon eine halbe Stunde, eine ganze Stunde, zwei Stunden aber sowas von locker und auf der linken Arschbacke absitzen können muss. Und was tun wir nicht alles, um diesen Anforderungen gerecht zu werden? Wir sitzen den ganzen Tag über vor dem Computer, im Auto, in Bus und Bahn und machen Beckenbodenmuskulaturübungen. Wir wichsen bis zum allerallerletzten Moment, bevor es kommt, und drücken es dann weg. Und das mehrfach hintereinander. Wir holen uns einen runter, bevor wir zu einer Frau gehen, um im Falle des Falles schon ein wenig ausgelaugt zu sein. Wir ziehen die Vorhaut zurück, sofern vorhanden, um die Eichel zu desensibilisieren. Oder wir überlegen uns, ob wie dieses blöde Ding Vorhaut überhaupt noch brauchen. Und das alles, um etwas hinzubekommen, was Frauen anscheinend gar nicht so dringend wollen.
Und dabei wissen wir doch längst: Marathon ist ungesund. Und Spaß macht es auch nicht. Ist es nicht viel schöner, innerhalb einer Nacht, mehrfach zu kommen? Und ist es nicht viel schöner, dazwischen einfach eine Pause einzulegen? Und viel wahrscheinlicher, dass wir das auch hinbekommen?
Bevor ich den Satz „Wir haben die ganze Nacht durch gevögelt“ sage, sage ich doch lieber „Wir haben heute Nacht fünf Mal gevögelt“, find ich irgendwie besser.
Euer Adam
Bild: Mihà ly Zichy
