Liebe Frauen,
man muss nicht in einer Fernbeziehung leben, um sich nur selten zu sehen.
Man muss auch nicht eine Wochenendbeziehung führen, um sich werktags aus dem Weg zu gehen.
Aber wenn man sich die Woche über nur selten sieht, weil beide Partner arbeiten, kaum Zeit haben, sonstigen Verpflichtungen nachgehen müssen, müde abends nach Hause kommen, kurz die obligate Fragen nach dem Verlauf des Tages stellen, aber nicht weil man’s wirklich wissen will, sondern weil es sich halt so gehört, weil man ja Interesse bekunden muss, dabei will man doch eigentlich nur ins Bett fallen, um zu schlafen, nicht miteinander, sondern nebeneinander, und wenn man Glück hat, frühstückt man am nächsten Morgen sogar zusammen, schnell, dabei die Zeitung lesend, im Stehen, bevor wieder ein Tag beginnt, an dem man sich nicht sieht, wenn’s hoch kommt in der Mittagpause eine SMS schickt, dann ist das Wochenende heilig, dann will man sein Wochenende zu zweit genießen, in vollen Zügen auskosten, sich keine einzige der wenigen kostbaren Minuten entgehen lassen, und jede Sekunde so sinnvoll und intensiv wie möglich nutzen.
Und genau darin liegt das Problem.
Weil natürlich beide Partner genau so denken, nehmen sich auch beide Partner unglaublich viel vor. Alle Hoffnungen, das nachzuholen, was man an den fünf Tagen zuvor verpasst hat, ballen sich und bilden alsbald einen riesigen Berg, den man zu erklimmen bereit ist. Selbst wenn man weiß, dass das Ziel so weit oben liegt, dass es eigentlich unmöglich ist, es jemals zu erreichen. Und jedes Wochenende schultert man aufs Neue einen Ruchksack vollbepackt mit Proviant und die Bergsteigerschuhe werden geschnürt und Pickel geschultert und Helm aufgesetzt.
Was muss man nicht alles schaffen: Zusammen essen, möglichst romantisch, bei Kerzenschein. In einem Restaurant. Was unternehmen, Kino, Theater, spazieren gehen, ein Wochenendtrip an einen schönen und einsamen See. Vielleicht die Geschäftsstraße Hand in Hand entlangbummeln, sich durch Tausende anderer Pärchen, die es genau so machen, hindurchkämpfend. Ausschlafen, in Löffelchenstellung. Miteinander schlafen, endlich, also oft, also gut, also befriedigend, also will man sich ja nicht selber zugestehen müssen, dass man immer seltener Sex hat, und die paar Mal, die noch vorkommen, sind dermaßen geplant und dadurch erzwungen, dass sie auch keinen Spaß mehr machen.
Und dann bestellt man sich eine Pizza, die man vorm Fernseher mampft, man bummelt nicht, sondern hetzt noch schnell zum Supermarkt, um Milch und Brot zu kaufen, man steht doch früh auf, weil man noch ein paar Emails checken muss, man ist zu müde, um zu ficken, weil man die ganze Woche über schon zu wenig Schlaf bekommen hat, oder man hat Kopfschmerzen oder die Tage oder ganz einfach keine Lust, es nur mal schnell hinter sich zu bringen.
Und obwohl man sich die ganze Woche über darauf gefreut hat, wird das Wochenende einfach nur langweilig.
Und, ganz ehrlich, so schlecht ist das gar nicht.
Wenn man es ganz einfach anders angeht.
Nehmt Euch nicht tausend Dinge vor. Plant nichts. Lasst Euch überraschen. Gemütlich vor dem Fernseher Pizza kauen kann unglaublich schön sein, denn auch das habt Ihr die Woche über nicht gehabt. Hämmert Euch nicht ständig ein, dass Ihr zu wenig Sex in der Beziehung habt, genießt den, der vorkommt. Und lasst ihn vorkommen. Und das geht auch an einem Mittwoch. Vielleicht wird es dann keine Stunden andauernde Genusssession, aber warum nicht mal kurz mit unter die Dusche springen, wenn Ihr Euch eh am Abend beide nichts sehnlicher wünscht?
Und manchmal reicht es, wenn man sich auch nur berührt, um einander zu zeigen, dass man eh auf der gleichen Wellenlänge ist, dass man eh eigentlich viel lieber ficken würde, als rumzulümmeln, aber es irgendiwe nicht schafft. Und wenn es bei Wetten Dass…? mal wieder, wie immer, nur stinkefad ist, und Ihr Euch trotzdem zu schlapp fühlt, das Programm zu wechseln oder Euch gar ins Schlafzimmer zu schleppen: Legt Eurem Mann die Hand in den Schritt, er wird nichts dagegen haben. Und wenn er es nicht tut: Legt Euch seine Hand auf Eure Brust, in Euren Schritt, um die Schulter, aufs Knie … Ohne mehr zu erwarten. Ohne mehr zu wollen. Einfach nur so. Und er wird es schon merken: Ja, wir gehören dann doch zusammen, es geht uns gleich, und auch das verbindet.
Und glaubt mir, genau das führt wesentlich öfter und wesentlich zufriedenstellender zum Sex, als jeder super toll ausgeklügelte Plan.
Euer Adam
Bild: Édouard-Henri Avril

29. November 2011 um 18:38 Uhr
Voll schön
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