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459 – Die Flucht ins Handy

21. Oktober 2018

2 Kommentare

  • Liebe

Liebe Frauen,

was tut Ihr, wenn Ihr U-Bahn fahrt?

Richtig, Ihr schaut ins Handy.

Wie mittlerweile die allermeisten Menschen, die öffentlich unterwegs sind. Ob in U-Bahn, Straßenbahn, Bus, überall wird nur mehr in die Telefone gestarrt.

Nur die Omas, die tun’s nicht. Die rümpfen lieber die Nase. Über all diese Zombies um sie herum, die nicht einmal mehr den anderen Menschen in die Augen schauen. Pah.

459 - die Flucht ins Handy | Adam sprichtWas man tut

Gottseidank gibt es diese vielen übers Handy wischenden Zombies, denn was würden die Omas sonst tun, wenn sie nicht ihre Nasen rümpfen könnten? Mit den anderen Menschen reden? Ist das so? Weil das vor dem Zeitalter des Handys immer so war? Da ist man in den Bus gestiegen, hat ein fröhliches „Hallo“ über die Sitzreihen geschmettert, hat sich nicht einen Platz für sich allein gesucht, sondern sich neben wen gesetzt, und schon ging es los, die Plauderei, übers Wetter, über die Kinder, über die Zombies …

War das so?

Nein, so war es nicht.

Und wenn sich eine Oma neben Euch gesetzt hat und über die Prostata ihres Mannes tratschen wollte, dann habt Ihr nicht hingehört, habt „Jaja“ und „Aha“ gemurmelt, wenn Ihr freundlich sein wolltet. Oder wenn Ihr am inneren Platz gesessen seid, weil sonst hättet Ihr natürlich die Flucht ergriffen, „Leider, ich muss raus“.

Man hat aus dem Fenster gestarrt. Und da war in der Regel auch nicht so viel los. Ich meine, Landschaft genießen, wenn man jeden Tag die gleiche Strecke durch die Stadt fährt? Wohl kaum.

Zeitung hat man gelesen, ja. Vielleicht auch Bücher.

Und das ist es doch, was die meisten auch jetzt tun. Nachrichten lesen. Vielleicht auch Ebooks.

Social Media

Oder sie sind auf Facebook unterwegs, auf Instagram, Whatsappen

Liebe Omas,

die meisten Menschen, die in Bus und Bahn in ihre Handys starren, starren nicht auf schwarze Bildschirme. Und ob sie die Zeitung nun analog oder digital lesen, dürfte recht wurscht sein. Oder? Doch, ist es. Und Facebook und Instagram, was heißt denn das?

Ja, klar, das wisst Ihr nicht, Ihr gebt Euch ja nicht ab mit diesem modernen Zeugs, das kein Mensch braucht.

Tatsächlich kommt man – bis zu einem gewissen Grad – auch darüber in Kommunikation mit anderen Menschen. Dochdoch. Auf Insta schaut man sich Bilder von anderen Menschen an. Auf Twitter liest man, was andere Menschen sich so denken. Ob die sich immer besonders intelligente Dinge denken, das ist eine andere Frage, aber vielleicht gibt es da ja ein paar, die über die Prostata ihrer Männer twittern, wer weiß? Übers Wetter auch. Aber auch über Politik. Zum Beispiel.

Oder sie lesen diesen Text.

Womit ich weiß, dass Ihr, liebe Omas, diesen Text wahrscheinlich nicht so sehr lest. Deswegen:

Das schlechte Gewissen

Liebe Frauen,

Lasst Euch nichts einreden, von wegen, es ist ganz ganz schlimm, wenn man in den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Handy schaut. Vor allem nicht, wenn Ihr Euch übers Handy ein ganz ganz gesellschaftskritisches Bildchen anschaut, auf dem eine Busladung voller Menschen zu sehen ist, die alle ins Handy schauen. Liebe Karikaturisten: Seid konsequent, veröffentlicht sowas nur noch analog.

Und dann sag ich den Kritikern noch was: Vielleicht gibt es auch ein paar Menschen unter diesen angeblichen Zombies, die sich mit Freunden austauschen.

Und dann gibt es vielleicht auch noch ein paar Menschen, die sich mit den Menschen austauschen, die sie lieben.

Und ist es nicht schön, wenn man dem geliebten Menschen ankündigt, dass man bald zuhause ist? Weil man sich drauf freut, dass man bald zuhause ist. Beim geliebten Menschen.

Weil auch das ist ein „Ich liebe dich“.

Euer Adam

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2 Kommentare zu "459 – Die Flucht ins Handy"

  • Das mag wohl alles gut und richtig sein was du da schreibst. Aber man kann schließlich jeder neue Technische Errungenschaften auch zu seinem Nachteil nutzen, missbrauchen, sich berieseln lassen und suechtig werden. Ich benutze das Smartphone such jeden Tag, auch zum WhatsAppen, um Mails zu checken oder ins Web zu gehen. Aber ich ziehe den persönlichen menschlicher Kontakt vor so oft es geht !

    • ich spreche ja auch von jenen Momenten, in denen de facto kein direkter persönlicher Kontakt stattfindet (auch wenn manche sich dies erträumen, dass man doch mit wildfremden Menschen reden sollte, tut man aber nicht, tat man auch nie), aber das Handy eben nicht der Grund ist dafür, sondern im Gegenteil zu mehr (wenn auch indirektem) menschlichem Kontakt führt.

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