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543 – Das Social Distancing der Männer

31. Mai 2020

4 Kommentare

  • Männer

Liebe Frauen,

wer weicht wem aus? Eine Frage, die früher gerne mit einer Art Eiertanz und entweder verlegenem Grinsen oder wütendem Funkeln aus dem Augenwinkel zu lösen versucht wurde.

Früher, also in den Zeiten vor Corona, passierte es zum Beispiel bei Eingängen in Gebäude oder Räume, dass zwei Menschen aufeinander zu gingen und nur durch eine beidseitige Vollbremsung den Zusammenstoß aufzuhalten imstande waren. Etwas, das Restaurants durch festgelegte Ein- und Ausgänge in die oder aus der Küche geregelt haben. Weil wenn das Essen fliegt, ist es zu spät. Wenn aber kein Essen im Spiel ist, kommt es nur auf die beiden Beteiligten an, ob beide auszuweichen versuchen, was, wenn es parallel geschieht, dazu führt, dass es zu nichts führt. Oder wenn einer der beiden sich im Recht sieht, seinen Weg ungeachtet der möglichen Absichten eines anderen Menschen fortzuführen.

Nun aber leben wir – befristet? – in einer Welt, in der wir angehalten sind, uns nicht zu nah zu kommen.

Die Enge der Trottoirs

Gehsteige, Bürgersteige, Trottoirs sind meistens nicht darauf ausgelegt, dass zwei Menschen aneinander vorbeigehen können, indem sie zwischen sich mindestens einen Meter Abstand halten. Oder in New Jersey einen umgelegten Springsteen, in Österreich einen Babyelefanten. Der eine drängt sich also gegen die Häuserwand, der andere gegen die Autos, man hält die Luft an und schiebt sich schnell schnell aneinander vorbei, sich wissend, ja, solidarisch anlächelnd.

Nicht immer.

Immer wieder beobachte ich, dass eben nicht alle bereit sind, sich schmal zu machen, um auf engem Raum die nötige Distanz zu ermöglichen. Manche gehen einfach weiter. Manche schauen auch noch verächtlich die andere, sich umso mehr verbiegende Person an. Manche, so scheint es, gehen ganz bewusst und provokatant in der Mitte des Gehsteigs, ist mir doch wurscht.

Und ich wär nicht ich, wenn ich mir dies nicht auch ein wenig geschlechtsspezifisch anschauen würde.

Und ich stelle fest: Es sind – meistens – die Männer, die nicht ausweichen. Während die Frauen oft sogar die Straßenseite wechseln, wenn der Weg gar zu schmal ist. So wie es die Männer sind, die sich im Bus trotzdem neben eine fremde Person setzen, obwohl damit ganz sicher das gewünschte sogenannte Social Distancing nicht gewahrt bleibt. Es sind auch die Männer, die dir aus ihren über ihre nur halbgar getragenen Gesichtsmasken hinauslugenden Nasen an der Supermarktkasse in den Nacken atmen. Und bei manchen habe ich das Gefühl, die denken einfach nicht weiter als ihr eigener Körperumfang, andere aber stellen damit sehr klar ihre Haltung „Was soll der Scheiß?“ aus.

Und es ist ihnen vollkommen wurscht, ob sie damit irgendwem – ob körperlich oder sonstwie – zu nahe treten.

Keine Angst

Das könnte damit zu tun haben, dass Männer grundsätzlich gerne gefährlich leben. Und diesen Satz grundsätzlich gerne über sich lesen. Weil sie ja keine feigen Memmen sind. Pah, Erkältung, pah, gesund leben, pah, vorsorgen. Das ist ein Grund, warum Männer früher abkratzen als Frauen. Und jetzt: Pah, Corona, alles Lüge, alles aufgebauscht, und wenn ich es bekomm, dann schwitz ich es aus, ist doch nicht schlimmer als Grippe. Und wie bei ihrem sonstigen Verhalten auch, denken Männer dabei vor allem an sich. Mir passiert schon nichts. Ich habe mein Auto auch bei Tempo 210 unter Kontrolle. Sie denken nicht daran, dass sie mit ihrem Verhalten auch andere gefährden. Die Oma, die nicht darauf gefasst ist, wenn sie von einem 210km/h schnellen BMW in ihrem blassblauen Panda rechts überholt wird.

Auch das ist männlich. Nicht an die anderen denken. Und noch weniger das eigene Verhalten anderen anpassen. Nix von wegen: „Ja, ich habe mein Auto auch bei Tempo 210 unter Kontrolle, aber trotzdem könnte ich dadurch andere Menschen gefährden, die nicht damit rechnen, dass ich um die Ecke geschossen komme.“

Oder: „Ja, ich fühle mich fit und ich glaube nicht, dass ich krank bin, aber trotzdem könnte ein anderer Angst haben, sich anzustecken, weil …“ Gründe gibt es genug.

Keine Distanz

Tatsächlich aber sehe ich noch einen anderen Grund, warum Männer sich offenbar so schwertun, die verordnete „soziale“ Distanz zu wahren. Weil es nicht um eine soziale, sondern um eine körperliche Distanz geht. Und eine solche einzuhalten, vor allem gegenüber Frauen, darin waren Männer noch nie besonders gut. Immer schon sind männliche Hände dort (auf weiblichen Körpern), wo sie nicht hingehören. Immer schon war es den Männern wurscht, ob die Frauen das wollten. Immer schon ging es den Männern dabei nur um sich selbst.

Warum sollte sich also jetzt auf einmal was daran ändern?

Euer Adam

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4 Kommentare zu "543 – Das Social Distancing der Männer"

    • es gibt grundsätzlich ein paar Möglichkeiten: entweder du erkennst dich wieder, in dem, was ich so schreibe, oder nicht.
      Wenn nicht, gibt es wieder zwei Möglichkeiten: Entweder du denkst dir: Hat nix mit mir zu tun, also ist es mir egal; oder du denkst dir: Warum sind dann so viele andere Männer so?
      Wenn doch, gibt es auch zwei Möglichkeiten: Entweder du denkst dir: Ich bin zwar so, aber ich bin gerne so, ich sehe kein Problem, also ist es mir egal; oder du denkst: Irgendwie scheint das, wie ich mich ab und zu verhalte, nicht allen anderen Menschen zu taugen, weswegen ich mein eigenes Verhalten hinterfragen sollte, um es gegebenenfalls zu verändern.
      Ich sehe darin keine Notwendigkeit, sich aufzuhängen.

      • Vor wenigen Tagen: Ich schiebe mein Fahrrad auf der rechten Seite des Bürgersteigs. Auf meiner Seite kommt mir eine Frau entgegen. Wie erwartet, ich musste nach links ausweichen.
        Am nächsten fuhr ich auf einem Rad-/Fußweg. Wieder der gleiche Ablauf.

        Ich will nicht die rücksichtslosen Männer in Schutz nehmen, aber ich behaupte, dass die Frauen nicht besser sind.
        Denk nur ans Auto fahren. Auf dem Parkplatz bleibt eine Lücke frei. Der Nachfolger kann sich reinhängen.

        • und ich behaupte, dass die Frauen besser sind 😉 (Und wie immer weise ich darauf hin, dass ich nie alle Männer und auch nie alle Frauen meine, aber doch jeweils eine große Mehrheit)

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