Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

138 – Das Beuteschema

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Liebe Frauen,

nein, leicht tun wir uns nicht, wir Menschen, im Dschungel des Liebens und Werbens und Aufreißens und so weiter. Mal wieder sowas, wo es früher, ach, so viel besser weil leichter war. Da lebte man geruhsam auf dem Dorf und schon betrug die Anzahl möglicher Kandidaten zum Zwecke der Fortpflanzung gerade mal eine Handvoll, in einem großen Dorf, Menschen, die zumindest vom Alter her halbwegs passten und nicht allzu nah mit einem selber verwandt waren. Gut, letzteres wurde auch schon mal übersehen. Und wenn man Eltern hatte, die was auf sich hielten, dann hielten sie Ausschau, und zwar nach einem Kandidaten aus dem Nachbardorf. Da wurde man dann nicht lang gefragt, ob einem die Nase passte oder der Mundgeruch missfiel, es wurde geheiratet und Kinder in die Welt gesetzt, die dadurch gut war und blieb. Bis in alle Ewigkeit. Bis die Menschen sich in Städten zusammenrotteten.

Und was ist jetzt? Eben, jeden Tag laufen uns hunderte, tausende Menschen über den Weg, die doch recht passabel sind, die infrage kommen könnten, die immer noch besser sind als der Schweinebauer aus dem Nachbardorf, den die Eltern ausgesucht hätten.

Kein Wunder also, dass es mehr singles gibt als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Weil wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Weil wir uns so schwer entscheiden können. Weil der eine, der aus dem Büro, der wär ganz gut, aber ein Verhältnis mit dem Kollegen… Und die Süße beim Bäcker, ja, doch, aber die muss sicher immer früh raus… Oder der Kerl gegenüber bei der Baustelle, nur ist der Bauarbeiter, und ich und ein Bauarbeiter… Jajaja, und dann? Dann sitzt man alleine vor der Glotze und schaut „Bauer sucht Frau“ und denkt sich: „Echt, der Typ, der mit dem hängenden Lid und dem schiefen Gang, der nicht einmal bis drei zählen kann, der kriegt eine ab, und ich nicht?“

Doch gottseidank denkt sich die Natur immer wieder was Neues aus. Und so auch jetzt, um uns Menschen aus dieser Patsche der Überauswahl zu helfen: Das Beuteschema. Ab sofort kommen nur mehr die großen Männer mit vollem Haar und Muskeln für mich in die Tüte (heißt: in die Kiste). Oder die kleinen Blondinen mit den Riesenmöpsen. Oder die Rothaarigen. Oder die Dicken. Oder die Dünnen. Oder die Mittleren. Oder… Ja, wenn man seine Vorlieben hat und sich nur mehr nach jenen Menschen umschaut, die diesen Vorlieben entsprechen, hat man’s natürlich viel viel leichter, da man so die Auswahl wieder auf ein überschaubares Maß zusammenschrumpft. Na nochmal Glück gehabt.

Und trotzdem laufen immer noch so viele Singles rum, das gibt’s doch nicht, irgendwas stimmt doch da nicht.

Tja, weil es die Natur einfach zu gut gemeint hat, und uns nicht nur die Auswahl eingeschränkt hat, nein, sie reduziert uns auch darauf. Plötzlich verschließen wir die Augen vor allem, was nicht absolut hundertprozentig in dieses Beuteschema fällt. Ja, ist zwar unglaublich toll, die Frau, süß und clever und humorvoll und alles, aber, leider, ich steh nunmal nicht auf grüne Augen, tutleid.

Und nun ist es an der Zeit, sich dann doch mal über die eigene Natur hinwegzusetzen. Ja, Vorlieben sind gut, aber, wenn man einfach nur ein wenig seinen Horizont öffnet, nur ein wenig mal unter der eigenen Bettdecke hervorlugt, und es zulässt, was sich eh anbietet, dann kann man auch sein Beuteschema etwas ausdehnen, verändern, neu definieren. Nämlich nach dem, was vor einem steht und sich nichts lieber als erlegen lässt, mit weit geöffneten Armen und freier Brust.

Mit anderen Worten: Beuteschema schön und gut, aber nehmt es als eine Hilfestellung, nicht als eine Regel, als eine Empfehlung, nicht als ein Gesetz. Als etwas, das Ihr bestimmt, und nicht es Euch.

Und alles wird gut.

Euer Adam

Bild: Ferdinand Roybet

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© Raoul Biltgen

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