Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

150 – Der Schwanzeinzieher

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Liebe Frauen,

habt Ihr es also endlich geschafft, habt Ihr Euch den einen Mann geangelt und an Land gezogen, auf den Ihr Euch voll und ganz und mit Haut und Haaren einlassen wollt, mit dem Ihr Euch etwas Ernsthaftes vorstellen könnt, mit dem Ihr alt werden wollt und den Ihr, wer weiß, vielleicht sogar heiraten könntet, zumindest Kinder wären nicht unmöglich, auf jeden Fall aber zusammenziehen in eine gemeinsame Wohnung, einen gemeinsamen Haushalt führen, ankommen, jetzt. Das wisst Ihr, nachdem Ihr nun doch schon ganze zwei Monate mit ihm zusammen seid. Oder meinetwegen auch drei. Das reicht, da kennt man sich, da hat man genügend Zeit miteinander verbracht, um sich sicher zu sein, da wird plötzlich all das ein Thema, denn dieses ewige mal bei ihm mal bei Euch, das ist ja nix auf die Dauer, nicht wahr?

Und weil Ihr Euch so sicher seid und sicher fühlt und geborgen und so weiter, da sprecht Ihr es an, so wie sich das gehört.

Und dann …

Dann reagiert er irgendwie seltsam, irgendwie nicht so, wie Ihr Euch das erhofft habt, irgendwie … Distanziert. Und je mehr Ihr darauf pocht, dass das, was Ihr da mit ihm habt, doch das Wahre sei, desto weniger sicher seid Ihr Euch, denn desto weniger gibt er Euch das zurück. Und irgendwann, aus heiterem Himmel, zieht er den Schwanz ein und sich zurück, er redet von Freiraum, von „auch mal alleine sein“, die Unabhängigkeit nicht verlieren, nichts überstürzen. Bis er geht. Bis er Euch einfach eines Tages und mit fadenscheinigen Gründen verlässt. Und wenn er ehrlich ist, dann sagt er Euch: „Ich bin einfach noch nicht soweit.“ Und Ihr denkt: „Hä? Was war denn das?“

Das war der klassische Angsthase, der, egal wie alt er ist, noch lange nicht erwachsen ist. Das war der Typ Mann, der sich denkt, das Leben sei doch noch lang und warum sollte er sich dann jetzt schon festlegen.

Dabei ward Ihr Euch doch so so so sicher, dieses eine Mal.

Was soll ich sagen? So sind sie, die Männer. Viele. Jene, von denen frau denkt, sie seien eben nicht so wie die meisten. Wenn’s ernst wird, sind sie weg. Und Ihr, liebe Frauen, seid so dumm als wie zuvor. Und könnt wieder von vorne anfangen mit Eurer Suche nach dem Richtigen. Und ich weiß, es ist Scheiße, wenn man gleich nach der ersten Nacht merkt, mit dem nicht, aber nach drei Monaten sollte man doch wissen, woran man ist.

Und nun wurde ich als Adam vom Dienst gefragt, wie frau denn einen solchen Mann, der am Ende doch noch nicht bereit ist, gleich am Anfang einer möglichen Beziehung erkennen kann, schließlich wird niemand jünger und man hat nicht mehr die Zeit, ganze drei Lebensmonate zu verschwenden auf einen Menschen, der es dann doch nicht wird.

Leider, liebe Frauen, sie sind nicht zu erkennen. Im Gegenteil, sie gebärden sich tatsächlich genau so, wie wenn sie Beziehungsmänner wären (siehe meinen Artikel von letzter Woche). Deswegen kann ich Euch nur einen Rat geben: Seid Ihr an einen solchen geraten, einen, den Ihr behalten wollt, dann müsst Ihr sehr geschickt vorgehen, denn er ist wie ein wildes Tier: Er braucht viel Zeit, bis er Euch aus der Hand frisst. Aber dann, wenn er das mal getan hat, gleich denken, man könne ihn auch streicheln und an die Leine legen, ist ein großer Fehler, da ist alles Vertrauen, das man über Monate aufgebaut hat, im Bruchteil einer Sekunde dahin und er rennt weg und versteckt sich hinter dem nächsten Baum und beäugt Euch mit weit aufgerissenen Augen, weil er es selber nicht glauben kann, dass er Euch so vertraut hat und Ihr dieses Vertrauen so missbraucht habt. Oder anders ausgedrückt: Wenn Ihr ihn behalten wollt, dann redet nicht davon. Wenn Ihr Euch noch viele Jahre mit ihm vorstellen könnt, dann plant nicht schon in diesem Sommer den nächsten, höchstens im November, was man zu Silvester machen könnt. Aber selbst da heißt es: Nicht davon ausgehen, dass Ihr das Fest eh mit ihm verbringen werdet, lasst ihm die Möglichkeit, selber zu sagen, dass er es mit Euch zusammen feiern will. Lasst ihn entscheiden, wann Ihr sein Fell kraulen dürft. Denn im Grunde seines Herzens will er genau das, nur weiß er es noch nicht. Und irgendwann, das kriegt er selber gar nicht mit, wird er so zutraulich, dass er nicht mehr anders kann, als Euch die Finger zu lecken und um Eure Beine zu schwarwenzeln und heulend bei der Wohnungstür zu sitzen, wenn Ihr mal nicht da seid. Dann und wirklich erst dann wird er den Schwanz nicht mehr einziehen, sondern damit wedeln, wenn er nur dran denkt, dass er Zeit mit Euch und nicht allein verbringen darf.

Euer Adam

Bild: Gustave Doré

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© Raoul Biltgen

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