Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

154 – Die Online-Partner-Börsen

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Liebe Frauen,

vernetzt sind wir alle. Bei facebook auch. Oder sonst einem social network. Wir bewegen uns im world wide web wie auf einem Spaziergang durch das heimatliche Dorf. Und im Dorf hat auch jeder jeden gekannt. Und da war es auch nicht so leicht, einen geeigneten Partner zu finden. Denn die guten waren alle schon besetzt. Und die schlechten … Sind mit gutem Grund übrig geblieben. Und deswegen gab es das Dorffest, auf dem plötzlich nicht mehr nur die einheimischen Singles unterwegs waren, sondern auch jene aus dem Nachbardorf. Vielleicht war ja unter denen noch ein brauchbares Exemplar. Also standen die Frauen in Reih und Glied an, um sich von den Jungmännern beäugen zu lassen. Bei den Dirndln im ländlichen Raum zeigte etwa der Knoten, mit dem die dazugehörige Schürze um die Hüften gebunden war, ob die junge Dame noch zu haben war. Alles klar. Und dann ging’s schon mal ins Heu. Und hoffentlich anschließend vor den Altar. Und dann war gut.

Heute flüchten wir aber alle aus dem Dorf in die Stadt, weil dort die Auswahl größer ist. Und was passiert? Die Städte dieser Welt sind überlaufen von alleinsteheneden Männern und Frauen, die einfach nicht den Richtigen oder die Richtige finden. Nun könnte man behaupten, das liegt an der größeren Auswahl, da kann man sich einfach nicht eintscheiden, ist der besser, ist die geeigneter, mal hier ein wenig ausprobieren, mal da dran naschen. Ebenfalls könnte man sagen, dass es ja heutzutage gar nicht mehr drauf ankommt, gleich zu heiraten und sich auf ewig zu binden. Aber dann muss man sich fragen, warum es, glaubt man den Medien, und in diesem Fall tu ich es, so viele Menschen gibt, die darunter leiden, dass sie noch nicht den Partner fürs Leben gefunden haben, weil sie doch alle auf der Suche nach genau diesem einen und einzigen Menschen sind.

Weil wir alle ständig vorm PC hocken und gar nicht mehr rauskommen.

Nein, so ist es nicht. Nicht ganz. Und doch, so schnell abtun möchte ich das nicht. Wie schnell trifft man denn einfach so mal wen Neuen? Jemanden, den man noch nicht kennt? Eben. Auf der Arbeit laufen immer nur die gleichen Hanseln rum, und nach Feierabend gesellt man sich dann doch auch gerne mit jenen zusammen, die einen angenehmen Abend versprechen. Es ist schwer. Wir haben es schwer. Achgottnein.

Achgottja. Aber dafür gibt es ja die Single-Börsen im Netz, die Partnervermittlungsinstitute dieser Welt. Da muss man nur eingeben, was man denn so haben will und was auf keinen Fall, und dann klappt das schon. Gegen Gebühr.

Und doch. Und doch kann ich nichts grundsätzlich gegen diese Art, Menschen kennenzulernen, sagen. Denn das ermöglichen diese Portale auf jeden Fall. Nein, nicht die Garantie, die Liebe fürs Leben oder zumindest die nächsten Jahre zu finden, sondern auch mal mit Menschen in Kontakt zu kommen, denen man ansonsten nienieniemals auch nur begegnen würde. Und darum geht es doch: Bevor man sich verlieben kann, muss man wen kennenlernen. Und dazu muss man mal wen treffen. Und dann sitzen sich zwei Menschen gegenüber in einem Café, weil sie von irgendeinem Algorithmus als matching pair definiert wurden, und schweigen sich peinlich an, denn sie matchen dann doch so gar nicht. Deswegen mein Rat im Umgang mit solchen Online-Partner-Vermittlungs-Börsen: Seht nicht mehr darin, als es ist. Glaubt nicht, so den Lebensmenschen zu treffen, denn ein Computer hat keine Ahnung, wen Ihr lieben könnt. Seht es als nicht mehr aber auch nicht weniger als die banale und basale Möglichkeit, mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Und dann … Ja, dann ist alles möglich, denn dann ist es wie am Dorfplatz, wenn der fesche Jungbauer sich die Maid schnappt, um sie auf ein Most einzuladen: Es passt oder es passt nicht. Und wenn nicht? Na und? Es gibt noch so viele mehr.

Was mich aber stört, dass ist, dass diese Dienstleistungen tatsächlich als Börsen bezeichnet werden, denn das heißt doch, dass Handel betrieben wird mit den willigen Menschen da draußen. Und schön, reich, jung wird eindeutig höher gehandelt als hässlich, arm, alt. Aber naja, das war am Dorf wohl auch nicht anders. Oder? Nein. Der Bauer mit den dicksten Kartoffeln hat auch damals schon das Mädel mit den größten … Mitgiftsversprechen geangelt.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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