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186 – Der Brief

29. Juli 2013

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  • Liebe
  • Singles

Liebe Frauen,

Ihr kennt mich ja, Ihr wisst, dass ich mich gerne mal in nostalgischen Momente verliere und Althergebrachtes gegen neue Trends und Moden in den Ring werfe und tatkräftig verteidige. Und dann schwärme ich da letzte Woche einfach so von den Vorzügen der SMS, der Email, und WhatsApp erwähne ich nur kurz, aber doch.

Und plötzlich wird mir klar: Ich habe da eine wichtige schriftliche Form des sich Mitteilens vollkommen außer Acht gelassen, die doch viel besser zu mir passt, als dieses neumodische Getue, den Brief. Genießt alle Vorteile des Geschriebenen (man kann sich überlegen, was man schreibt, bevor man es schreibt; man kann es schreiben, wann man will; man kann es lesen, wann man will; man kann darauf antworten, wann man will; oder nicht, wenn man nicht will; man kann es wieder und wieder lesen und so weiter). Und dabei ist der Brief aber noch so viel schöner, so viel sinnlicher, so viel mehr, als nur die digitale Abbildung von Nullen und Einsen, welche Buchstaben ergeben, welche zusammengefügt einen Sinn ergeben. Wenn man Glück hat.

186 - der Brief | Adam sprichtNein, einen Brief kann man in Händen halten, man kann über ihn streichen, man kann ihn an sein Herz drücken. Gut, kann man mit einem Handy auch machen, aber, ganz ehrlich, Handy ans Herz?, ich bin doch kein Roboter. Brief ans Herz? Ja klar. Wenn mich die Worte, die ich lese, ebendort berühren. Oder ich kann das Papier, auf das ich schreibe, küssen, ich kann meine Lippen auf es legen und wissen, dieses Papier, auf dem tatsächlich Rückstände von mir, von meiner DNA kleben, wird von einem Menschen in Händen gehalten. Und vielleicht auch geküsst.

Oder ich kann das Papier zerknüllen. Es geht doch hin und wieder nichts darüber, ein Blatt Papier in einer Hand theatralisch-dramatisch zu zerknüllen und auf den Boden zu schmeißen. Oder gar zu verbrennen, noch besser. Das Klo runterspülen. Es zerreißen und essen. Handy? Wohl kaum.

Und es ist doch auch was anderes, wenn man einen Stift in die Hand nimmt, eine Feder, mit der man die Worte aufs Papier malt, die man sich vorher zurechtgelegt hat …

Ok, jetzt erkenne ich das Problem. Briefe schreibt man mit der Hand. Man kann sie auch am PC schreiben und ausdrucken, aber nicht, wenn es persönliche Briefe sind, wie sieht denn das aus? Und wie sieht es aus, wenn ich einen Brief händisch schreibe? Eben, gräßlich, meine Handschrift ist kaum zu entziffern. Und das hat nur bedingt etwas damit zu tun, dass ich kaum noch etwas mit der Hand schreibe und meine Finger es deswegen nicht gewohnt sind, diese Bewegungen auszuführen. Meine Handschrift war immer schon kaum zu lesen, hässlich, unansehlich, mehr als einmal habe ich allein wegen meine Sauklaue schon in der Schule schlechte Noten bekommen. Weil die Lehrerinnen und Lehrer ganz einfach nicht erkennen konnte, welch brillianten Gedanken ich doch zu Papier gebracht hatte.

Und wenn ich mir nun vorstelle, wie meine Angebetete da sitzt und mühsam Buchstabe für Buchstabe zu entziffern versucht und dann so etwas wie „iih, diele dick“ herauskommt, dann verzichte ich dieses Mal auf das romantische weil altmodische Gedöns und widme mich der guten neuen SMS, das sieht doch gleich besser aus.

Euer Adam

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0 Kommentare zu "186 – Der Brief"

  • Oh je, gegen eine schlechte Handschrift kann man was machen. Meine Mutter hat das damals in der Grundschulzeit mit mir geübt, ich machte schnell Fortschritte. Die beknackte Lehrerin sagte dann, dass ich doch eine ganz eigene Handschrift hätte, die nicht mit der übereinstimmt, die ich lernen soll. Das würde ihr überhaupt nicht passen. Tja, selbst da wird man genormt und konditioniert. Dabei ist die eigene Handschrift so sinnlich, wie Du ja schreibst, so persönlich, ein Abdruck des Charakters, der sich ändern kann und damit ändert sich auch die Handschrift. Meine Handschrift hat sich während in der Jugend mehrmals geändert. Alleine das ist schon faszinierend. Ich finde es sehr traurig, dass wir alle kaum noch mit der Hand schreiben, dass die Politik sogar erwägt, dies an den Schulen abzuschaffen. Ist das ein Schritt zurück? Hätten Menschen nicht mit der Hand geschrieben, gäbe es keine Aufzeichnungen. Oder ein Schritt nach vorne? Alles entwickelt sich weiter. Wir kommen in eine digitale Welt, in der alles digital ist, am Ende vielleicht sogar wir selbst. Vielleicht wird alles irgendwann virtuell, wer braucht dann schon eine persönliche Handschrift? Alles wird schließlich irgendwo in der \“Cloud\“ gespeichert. Außer jemand zieht mal den Stecker. Dann bleibt nichts mehr. Weder unsere Erinnerungen noch unsere Aufzeichnungen für die Nachwelt. Auch wenn schon immer Bücher und Schriften verschwanden, verschollen und verbrannten, plädiere ich trotzdem für die Handschrift, denn sie bleibt meiner Meinung nach ein wichtiger Ausdruck der Persönlichkeit, der Stimmungen und Emotionen, vielleicht ist sie sogar eine Art Blaupause der Seele.

    Das war mein ergänzender Beitrag zu Deinem schönen Blogartikel 😉 (Fehler bitte ignorieren. Die gehen nicht auf meine geistig Kappe, sonder auf meine Kreative 😀 )
    Allese Liebe!

    • Liebe Sarah,
      gegen schlechte Handschrift habe ich mehrmals probiert, was zu machen. Rausgekommen ist jeweils eine andere unleserliche Anreihung von Krakeln und Kritzeln. Aber natürlich gebe ich dir trotzdem recht, Handschrift ist nicht zu ersetzen. Und man muss ja auch den Kontext eines Textes als Entschlüsselungshilfe in Betracht ziehen. Also wird die Betroffene sich denken: \“Da die Diele nicht so besonders dick ist, könnte \“iiih, diele dick\“ ja vielleicht doch etwas anderes bedeuten.\“ Und das ist dann das Schöne an Handschrift: Ihr Sinn ergibt sich erst durch die Zusammenarbeit von zwei Menschen, dem Schreiber und dem Leser, dem Verfasser und dem Empfänger. Und dann kann eine Sauklaue plötzlich den unbeschreiblichen Vorteil einer Geheimschrift bekommen, die eben nur ein einziger Mensch entziffern kann.
      Dein Adam

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