Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

266 – Die Polyamorie

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Liebe Frauen,

Monogamie ist möglich. Selbst für Männer. So meine Behauptung letzter Woche.

Bild: Frederic Leighton

Das hat ein paar Reaktionen ausgelöst. Unter anderem wurde mir ein Artikel zu einem Buch zum Thema weibliche Lust geschickt. Titel des Artikels: „Von wegen Monogamie – was Frauen wirklich wollen“ (Die Welt) (Danke an dieser Stelle für die Zusendung).

Also, was wollen Frauen wirklich? Frauen wollen wirklich keine monogame Beziehungen, glaubt man der Zusammenfassung des Buches in dem Artikel. Frauen sind von Natur aus promiskuitiv. Frauen langweilen sich automatisch nach einiger Zeit mit dem gleichen Partner, dann vergeht ihnen die Lust, dann wollen sie keinen Sex mehr, im Gegensatz zum Mann, und das ist das untrügliche Zeichen dafür, dass sie einen anderen, einen neuen Mann brauchen. Und dazu werden natürlich einige evolutionistisch-biologistische Argumente aufgefahren und die monogame Form der Liebesbeziehung ist eine reine gesellschaftlich-kulturelle Angelegenheit, die eh auch noch gar nicht so alt ist, und überhaupt gibt es nur ganzganz wenige Gesellschaften auf der Welt, die Monogamie gut finden und leben und der beste Beweis für all das ist doch, dass es so viele Paare gibt, die wochenlang ohne Sex auskommen. Und dann kommt aber gottseidank die Lösung: Polyamorie. Man liebt mehrere Menschen. Gleichberechtigt und gleichzeitig, und nicht etwa wie in einer offenen Beziehung, in der es einen Partner gibt, aber man darf sexuelle Kontakte haben, so viel man will. Und es wird durchaus eingeräumt, dass Polyamorie nicht unbedingt einfach ist. Aber keine Angst, es gibt noch eine andere Möglichkeit: eine Pille für die weibliche Lust. Schließlich gibt es für die Männer Viagra. Verschwiegen (oder nicht gewusst?) wird, dass Viagra oder seine Generika mitnichten Einfluss auf die männliche Lust haben, sie machen einfach nur eine Erektion. Und das hat nur perifer etwas mit der Lust zu tun.

All das ist schön und gut. Und durchaus denkbar. Was mich aber stört, das ist der Titel: Was Frauen wirklich wollen. Ich weiß nicht, was Frauen wirklich wollen. Ich weiß nicht einmal, was Männer wirklich wollen. Und ich glaube nicht, dass irgendwer weiß, was Frauen wirklich wollen. Oder Männer. Und ich bin der tiefsten Überzeugung, dass es auch keine Antwort auf die Frage, was denn Frauen oder Männer nun wirklich wollen könnten, gibt. Denn es gibt nicht „die Frauen“ oder „die Männer“. Sobald aber einer daherkommt und behauptet, so oder so sind alle, haben immer eine bestimmte Anzahl ein Problem, weil sie eben nicht so sind. Und was passiert? Sie müssen sich anpassen, sie bekommen das Gefühl, nicht normal zu sein, falsch zu denken und falsch zu fühlen.

Ja, es stimmt, das Dogma der monogamen Beziehung hat auf diese Weise sehr viele Menschen unglücklich gemacht. Aber das heißt nicht, dass Monogamie an sich verantwortlich für das Unglück der Menschen ist. Denn es gibt welche, die gerne so leben. Und freiwillig. Und glücklich. Also sollte man es ihnen gestatten, so wie wir es anderen gestatten sollen, Monogamie nicht als ihre Art zu leben anzusehen, statt mal wieder zu behaupten, dass das alles aber sowas von unnatürlich ist.

Findet raus, was Ihr wollt, und findet einen Menschen, der das, was Ihr wollt, ebenfalls will, zumindest in den wichtigsten Punkten, und werdet glücklich miteinander. Lebt monogam zusammen bis an Euer Lebensende. Oder lebt monogam zusammen bis der und die nächste auftaucht. Oder liebt mehrere auf einmal, fickt mit mehreren auf einmal, lebt alleine oder zu zweit, zu dritt, zu fünft, mir wuscht. Aber hört endlich auf damit, Regeln aufstellen zu wollen, die plötzlich für jeden gelten müssen, verfickt, die alleine glücklichmachend sind, denn nur eine mögliche Lebensform als richtig und super und blablabla zuzulassen ist doch im Grunde auch eine aufgezwungene Monogamie, im Denken. Es ist möglich, mehrere Lebensentwürfe gleichzeitig und gleichberechtigt nebeneinander existieren zu lassen. Erlaubt Euch Polyamorie im Denken.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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