Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

327 – Das große Verstehen

| 3 Kommentare

Liebe Frauen,

hat zufällig eine von Euch mitgezählt, wie oft ich schon gesagt habe, man soll in einer Beziehung miteinander reden?

Bild: Eadweard Muybridge

Nein.

Macht nichts, ich auch nicht.

Die Antwort lautet: oft.

Sehr oft.

Ja, und ich wiederhole es: Wenn Ihr die ewig gleichen Missverständnisse vermeiden wollt, die seit Jahrhunderten und Jahrtausenden so viele Beziehungen auf dem Gewissen haben, dann redet miteinander. Sagt, was Euch bedrückt, was Euch nervt und auch was Euch gefällt. Und hört zu, wenn Euer Partner das zu Euch sagt. Denn Menschen können keine Gedanken lesen. Und werden es in absehbarer Zeit auch nicht erlernen. Reden führt zu verstehen. Und darum geht es doch, oder etwa nicht?, dass man den anderen versteht. Denn wenn man ihn versteht, dann muss man nicht sauer sein, auch wenn man etwas nicht mag an ihm. Weil man es versteht. Weil man ihn versteht. Weil man Euch versteht.

Alles klar?

Ja, eh längst, ich weiß.

Die Frage, die ich aber förmlich nun in Euren Köpfen wie Luftblasen aus tiefster Tiefe des Meeres aufsteigen seh, ist: Warum tun es dann die Männer nicht? Reden und Zuhören.

Weil manche es nicht wollen.

Ha.

Ja, manche Männer wissen all das, was ich hier seit gefühlten drei Ewigkeiten predige, aber sie wollen es nicht. Weil sie nicht verstehen wollen. Und weil sie nicht verstanden werden wollen.

Würden sie Euch verstehen, müssten sie ja danach handeln. Sie könnten nicht mehr einfach so stumpfsinnig auf ihrer Meinung beharren. Warum? Weil es so ist. Das ist viel einfacher. Da muss man nicht argumentieren oder streiten oder sich selber gar fragen, ob es wirklich so ist oder warum es so ist oder ob es nicht vielleicht vielleicht auch anders sein könnte. Weil es so ist. Verständnis führt dazu, zuzulassen, dass es jemand anderer anders sieht. Und wenn es anders gesehen werden kann, ist der eigene Absolutismus infrage gestellt. Also lieber nicht Euch verstehen. Ist einfacher.

Und sie wollen auch nicht verstanden werden. Weil sie das Gefühl haben, das macht sie klein. Sie werden durchschaut. Sie müssen sich erklären. Um verstanden zu werden. Um verstanden werden zu können. Dabei sind sie doch Männer, Macher, Machos. Da geht es nicht darum, verstanden zu werden, es geht darum, dass es so passiert, wie man das will. Generäle lassen keine lustigen Diskussionsrunden über ihre Befehle zu. Das wäre das unabwendbare Chaos. Und Männer sind so gerne Generäle. Sie wollen so ungern hinterfragt werden. Und verstanden werden wollen, heißt, sich öffnen. Und das ist Arbeit. Das hat etwas mit Gefühlen zu tun. Würg. Neinnein, Männer wollen lieber nicht verstanden werden, denn plötzlich werden sie noch als das verstanden, was sie wirklich sind, und das geht doch nun auf gar keinen Fall, denn da könnten sie als etwas verstanden werden, was sie selber gar nicht von sich wissen. Denn sie wollen sich ja auch selber nicht verstehen. Sie wollen funtkionieren. Gut, reibungslos. Wie eine Maschine. Einmal in Gang gesetzt, läuft das Ding. Das Ding aber verstehen wollen, puh, da muss man reinschauen und sich damit beschäftigen. Braucht doch kein Mensch.

Oder doch?

Braucht doch kein Mann.

Oder doch?

Euer Adam

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3 Kommentare

  1. Ist aber ein wirklich schönes Wortspiel, wenn auch unbeabsichtigt!

  2. Lieber Adam,

    kann ja nur für mich sprechen. DOCH! Ich möchte, speziell von meiner Frau (wenn auch nicht nur), verstanden werden. Ich möchte, dass sie versteht, warum ich etwas mache, warum ich über etwas so oder so denke, was mich so antreibt. Ich möchte gerne verstanden werden, was meine Gefühle, Absichten, Wünsche usw. sind, bin halt keine Maschine und kein Ding. Wir waren schon immer große Anhänger des von dir so oft propagierten Redens. Denn ich möchte auch sie verstehen, ihre Gefühle, Absichten, Befindlichkeiten usw. Wir sind beide der Ansicht, dass uns das das Zusammenleben aber deutlich erleichtert.

    • darüber freue ich mich immer am meisten: wenn Männer mir (in Großbuchstaben) widersprechen. Das heißt nämlich, dass es sich lohnt, immer mal wieder auf den Klischee-Männern rumzureiten (no pun intended). DANKE!

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© Raoul Biltgen

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