Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

329 – Die Abhänggkeit

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Liebe Frauen,

Ihr wisst doch, wie das ist: Auch wenn das eine die Wahrheit ist, heißt das noch lange nicht, dass das Gegenteil nicht ebenso wahr sein kann.

Bild: Luc Lafnet

Zum Beispiel: Wenn Ihr Euch an das zurückerinnern wollt, was ich letzte Woche geschrieben habe, so wisst Ihr noch, dass ich dafür eingetreten bin, sich selber als Individuum innerhalb einer Beziehung nicht aufzugeben und zu verlieren. Weil es ohne die zwei Individuen, welche die Beziehung zueinander haben, eben diese Beziehung gar nicht geben kann.

Tja, und heute sage ich: Macht Euch doch mal abhängig.

Es ist ja sehr in Mode, immer stets auf den Einzelnen und seine Bedürfnisse bezogen zu sein. Was es früher ja durchaus nicht so gab. Da war eine Ehe eine Einheit. Da tat der eine nichts ohne den anderen. Nichts. Gut, vor allem die Frau tat nichts ohne den Mann. Oder seine Zustimmung. Sie war abhängig von ihm. Und keine Angst, liebe Frauen, ich werde jetzt ganz sicher nicht anfangen, und dieses alte und verstaubte und zu verramschende Weltbild neu aufzukochen. Aber Aspekte davon. Geschlechtsunabhängige Aspekte. Denn diese Einheit hat ja dann doch auch was für sich. Auch wenn man in dieser Einheit abhängig vom anderen Teil der Einheit ist. Oder vielleicht weil man in dieser Einheit abhängig vom anderen Teil der Einheit ist. Und zwar von beiden Seiten. Und jetzt werde ich mal kurz romantisch und sage: Ist es nicht super, wenn man dazu bereit ist, sich von einem anderen Menschen abhängig zu machen? Weil man ihn sosehr liebt?

Und ja, dieses sich ganz bewusst dazu Entscheiden, sich in Abhängigkeit zu begeben, ist etwas, was wir täglich erleben. Sei es im Job (als Angestellte etwa), oder in der Familie. Machen wir uns nicht auch zum Beispiel abhängig, wenn wir uns dazu entscheiden, ein Kind zu bekommen und zu erziehen und zu begleiten? Natürlich ist das Kind abhängig von den Eltern, aber mal ganz ehrlich, Ihr Eltern da draußen, Ihr müsst schon zugeben, dass Ihr auch vom Nachwuchs abhängig seid. Und sei es nur, was die ganz alltäglich Planung des Lebens angeht. Aber auch emotional: Da gibt es plötzlich einen Menschen, den Ihr so sehr liebt, dass Ihr bereit seid, zumindest einen Teil, aber einen beträchtlichen, vollkommen diesem Menschen zu widmen. Ja, das nennt man Liebe.

Und eben, das nennt man Liebe: die Bereitschaft, sich in Abhängigkeit eines anderen Menschen zu begeben. Denn das bedeutet Vertrauen. Vertrauen, dass der andere diese Abhängigkeit nicht ausnutzt. Und sie nicht einfordert. Und sie vielleicht sogar immer wieder abwehrt, um dafür zu sorgen, dass es nicht zu viel wird.

Natürlich ist es im besten Fall eine kontrollierte Abhängigkeit, eine, die ich beenden kann, wenn ich merke, sie tut mir nicht gut. Aber es ist auch eine, die ich genießen kann. Immer dann, wenn ich das will. Dass ich abhängig bin von dem Menschen, den ich liebe. Denn das erzeugt Sehnsucht. Und Sehnsucht ist ein tolles Gefühl, weil es so intensiv ist und genau weiß, was es so sehnlichst sucht, es ist zielgerichtet. Und die Sehnsucht wird erfüllt. Zum Beispiel jeden einzelnen Tag, wenn der geliebte Mensch nach Hause kommt und mir einen müden Kuss von einem langen Arbeitstag auf den Mund drückt. Und das lass ich mir nicht nehmen, von welchen individualismusabhängigen Weltanschauungen auch immer. Denn das ist meine Entscheidung, meine induviduelle.

Euer Adam

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3 Kommentare

  1. Und bevor wir uns auch nur annähernd bewusst darüber Gedanken machen können, bevor wir alle auch nur auf der Welt sind, befinden wir uns schon unfreiwillig in einer Abhängigkeit. Nämlich davon, dass eine Frau uns über ihren Körper mit allem versorgt, damit wir uns irgendwann einmal zum Thema Abhängigkeit Gedanken machen können, ansonsten kämen wir nie dazu.

    • was dann ein wenig zum Gedanken führt, dass der Wunsch, sich in Abhängigkeit zu begeben, ein sehr tief verwurzelter ist, weil er ein zutiefst menschlicher ist.

  2. Du sprichst mir aus der Seele! Vor ein paar Jahren habe ich mich sehr freiwillig und sehr bewusst in die Abhängigkeit begeben, dass mein Mann für mich sorgt. Allerdings wusste ich mit Sicherheit, dass ich darauf vertrauen kann, ihm vertrauen kann, zumal es auch unser beider Vorstellungen entsprach. Und nun haben wir uns beide sehr freiwillig und sehr bewusst in die langjährige Abhängigkeit unserer Kinder begeben. Und die genießen wir sehr!

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© Raoul Biltgen

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