Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

376 – Das kleine und das große Au

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Sie schlug ihn mit der flachen Hand mitten ins Gesicht.

Und dann fragte sie: „Liebst du mich?“

Er war verwirrt.

Das sah man ihm wohl an.

Also schlug sie noch einmal zu.

Das tat weh, es sammelte sich sogar ein wenig Wasser in seinen Augen. Was ihn in eine Zwickmühle brachte: Die Tränen rinnen lassen oder wegwischen? Was machte ihn schwächer? So als Mann? Weil auch wenn boys don’t cry, hat er als moderner Mann doch gelernt, dass es ihn erst dann stark macht, wenn er zu seinen Gefühlen stehen kann. Also rinnen lassen, wenn es rinnen will. Und keine Kinohollywoodschmonzette wird je wieder trockenen Auges von ihm verlassen. Wegwischen hingegen ist eine große Geste, die nichts als Schwäche ausdrückt. Nur sein Problem war, dass er ja wusste, was sie von ihm erwartete. Sich schwach zeigen. Sich untergeben. Ihr. Was war es also, was ihr das geben konnte, was sie wollte? Schließlich hatte er sich bereit erklärt, sich voll und ganz drauf einzulassen, auf ihr Experiment. Denn auch das wusste er als moderner und von vorne bis hinten durchgegenderter Mann: Auch Frauen haben nicht nur Wünsche und Fantasien, sie dürfen diese sogar ausleben. Das ist so. Das wusste er.

Und nun standen sie da, einander gegenüber, und die Träne hätte ihm ja auch die Verantwortung abnehmen können, sie hätte ja auch die Zeit seines Zögerns nutzen können, um fröhlich und ungehindert loszukullern. Um im Kerzenschein zu glitzern. Ach, das wäre schön gewesen. Hat sie nicht getan. Um des Kerzenscheinglitzerns willen kniff er also die Augen zu, um damit das so langsam wieder versiegende Wasser in ihnen rauszupressen, doch das Gegenteil passiert. Also zu spät. Schade um die schönen Tränen. Und schon hatte er einen Ohrwurm. Das war ein Lied. Und schon war er abgelenkt. Von wem war das Lied? Es wollte ihm einfach nicht einfallen.

Aber manchmal hilft auch eine knallende Ohrfeige, um einen wieder in die Gegenwart zu bringen.

„Au.“

„Nicht Au“, flüsterte sie. Dann riss sie sich zusammen. „Nicht Au“, befahl sie, „erdulde.“

Na gut, er erduldete. Und verkniff sich zu diesem Zweck einen Grinser, der sich heimlich von den Wangen her in die Mundränder schleichen wollte.

„Und jetzt sag“, sagte sie, „liebst du mich?“

Diese Frage hatte sie ihm noch nie gestellt. Musste sie auch nicht, sie wusste es. Und sie wusste es, weil er es ihr sagte. Immer wieder. Oft genug. Aber das gehörte wohl zum Spiel.

Sie stieg kurz aus: „Du musst mir antworten“, flüsterte sie.

„Ich liebe dich“, sagte er geflissentlich.

„Herrin“, flüsterte sie.

„Herrin“, sagte er.

„Im ganzen Satz“, flüsterte sie.

Er sagte nicht: Im ganzen Satz. Obwohl er das so gerne getan hätte. Nicht der richtige Ort für blöde Scherze. Nein, falsch, eigentlich sehr wohl der richtige Ort, nur nicht die richtige Zeit. Also sagte er: „ich liebe dich, Herrin.“ Und kam sich reichlich blöd dabei vor.

Egal, es reichte ihr, um wieder ins Spiel zurückzufinden. „Dann komm“, sagte sie, griff nach seinem Penis und führte ihn daran wie an einer Leine zum Bett. Überraschend für ihn war, dass sein Schwanz nicht steif war. Vor ein paar Minuten noch hatte er wie eine Eins gestanden. Oder eine halb Zwei, Einser gibt es nur im Porno. Aber er hatte gestanden. Weil doch, das hatte er schon nicht so schlecht gefunden, wie sie ihn überrascht hatte, als er aus der Dusche getreten war. In ihrer Lederkorsage, die ihre Brüste interessanterweise frei ließ. Wo sie das nur her hatte, hatte er sich gefragt. Aber nur sehr kurz, weil die Überraschung war gelungen, sein Schwanz zeigte auf, er ließ sich darauf ein. Weil sie es ja angekündigt hatte. Schon seit Wochen immer wieder: „Wie wär’s denn mal, wenn wir …“ Und dann hatte sie immer auf die Bücher gedeutet. Shades of Grey. „Jaja“, hatte er immer geantwortet. Ehrlich gesagt in der Hoffnung, dass es niemals soweit kommen würde. Aber meingott, man kann ja auch mal mitmachen. Einfach so. Und es lustig haben. Einfach so.

Sie warf ihn rücklings aufs Bett. Jetzt Aua am Penis, an dem sie dann doch gar nicht mal so unsanft gezogen hatte. Wie sollte denn das jetzt gehen, wenn er nicht steif wurde?

Und wenn sie einen Lederslip trug.

Der ihr etwas zu eng zu sein schien.

„Auf den Bauch“, befahl sie.

Er tat, wie ihm geheißen.

Er spürte den Schlag wie erwartet auf den Hintern.

Muss das echt so weh tun? Irgendwie hatte er das anders in seinen Vorstellungen abgespeichert. Eher als ein „so tun als ob“.

Sie tat nicht so als ob.

Sie schlug zu.

Aber wirklich Au jetzt.

Augen zu und durch.

Ob ihm das noch Spaß machen würde, wagte er zu bezweifeln.

Ob ihr das auch Spaß machen würde, wollte er irgendwie gar nicht wissen. Was wenn ja? Würde sie das dann wieder wollen? Immer wieder? Nur mehr so?

Und ich?, dachte er. Und schimpfte sich. Egoist. Heute ist sie dran. Heute kriegt sie, was sie will. Er schrie auf beim nächsten Schlag.

Sie fragte schnell: „Zu fest?“

Er: Neinnein, er habe übertrieben, um … also …

„Ach so“, sagte sie.

„Mach ruhig weiter, ja?“

„Okay“. Sie machte allerdings nicht gleich weiter. Was war?

„Ehm“, sagte sie, „dreh dich um.“

Er legte sich auf den Rücken. Er schaute an sich runter. Sein Schwanz tat so, als hätte er nichts mit der ganzen Sache zu tun. Feigling.

„Moment“, sagte sie.

„Okay“, antwortete er.

Sie ging zum Schrank, kramte irgendwo rum, und kam zurück.

„Leg dich hin.“

Er befolgte den Befehl. Naja, es war eigentlich kein wirklicher Befehl, das hatte sie heut schon besser drauf gehabt. Egal.

Sie kniete sich auf ihn, ihr Geschlecht direkt über seinem Gesicht, ihren Kopf über seinem Geschlecht. Instinktiv – oder wie gewohnt – wollte er sie lecken, doch sie trug diesen blöden Lederslip. Der auch noch stank. Allerdings nicht nach Leder. Höchstens nach Kunstleder. Doch der Künstler, der dieses Kunstleder hergestellt hatte, war wohl eher ein Dilettant gewesen. Er stupste sie mit den Lippen da an, wo er ihre Schamlippen vermutete. Dann spürte er es.

Das war ein neues Au.

Er wollte an sich herunterschauen, doch er konnte sich nicht weit genug heben, da sie ja praktisch auf seinem Gesicht saß.

Und noch ein Au. Am Schwanz. Fettes Aua am Schwanz. Er sagte es: „Au.“ Vorwurfsvoll.

„Sei still“, sagte sie.

Und zack, schon wieder. Was tat sie da?

Codewort, dachte er, das weiß doch jeder Möchtegern-SMler schon lang, dass es ein Codewort braucht, Marmeladenbrot oder so, Hubschrauberpilot, das man sagt, wenn das gute Au zum bösen Au wird. Zum ganz bösen Au. Sie vergessen, ein Codewort zu vereinbaren.

Zu spät, wieder tat sie, was auch immer sie da tat. Und das Au wurde größer und größer.

Er war sich nicht ganz sicher, das musste er sich gestehen, aber er hatte irgendwie das Gefühl einer Erektion.

Und er wurde sich immer sicherer: Mit jedem Au wurde er nicht nur größer, sondern auch spannender.

Und er war sich irgendwann ganz sicher: Das tat gut.

Also ließ er sie machen und genoss den Schmerz am Schwanz.

Und war gespannt.

Nach einer Weile stand sie auf und stellte sich neben das Bett. Er hatte in der Zwischenzeit die Augen geschlossen. Langsam öffnete er sie wieder. Sie hatte die Hände in die Hüften gestemmt und schaute scheinbar höchst zufrieden auf seine Körpermitte.

Schwer hob er den Kopf und sah ebenfalls dorthin.

Und er sah ihn.

Wie er ihn noch nie gesehen hatte.

Er stand.

Wie eine Eins.

Und überall an ihm dran hingen Wäscheklammern, auch am Sack, vielleicht ein Dutzend insgesamt.

Eher mehr.

So gut sich das auch anfühlte, so lächerlich sah es aus.

„Na dann werde er dich mal erlösen“, sagte sie, als sie sich über ihn beugte und eine Klammer nach der anderen löste.

Und das war das noch bessere Gefühl. Auch das schmerzte. Und es war Erlösung zugleich. Es war höchst seltsam. Und brachte ihn fast zum Abspritzen.

Oder zum Weinen?

Oder beides gleichzeitig?

Gottseidank nur fast, sonst hätte er das eigentliche Ende noch verpasst.

Nie waren ihre Lippen so sanft, so zärtlich, so warm und kühlend zugleich gewesen, als in diesem Moment, als sie seinen Ständer in den Mund nahm und langsam auf und ab glitt, ganz langsam, bis er schließlich heftig in ihrem Mund kam.

Das Sperma verklebte ihre Lippen und das Kinn, als sie ihn von unten herauf anlächelte.

„Gut?“, fragte sie ihn.

„Gut“, antwortet er. Gut, die Ohrfeigen nicht. Und auch nicht das pseudomäßige rumbefohlen Werden. Oder der Kunstlederslip. Aber sonst … „Gut“, seufzte er und ließ sich schwer nach hinten fallen. Und er wehrte sich nicht, als sie sich auf ihn setzte, ihren Mund auf seinen presste, ihre Zungen zwischen seine Lippen drückte, und das Sperma auch an seinem Kinn hinunterfließen ließ.

 

Liebe Frauen,

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Euer Adam

 

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4 Kommentare

  1. Jedem Tierchen sein Plaisierchen. Der Artikel hat mich “leider” wieder an den vor kurzem erneut stattgefundenen Hype um den zweiten Shades-Film erinnert. Hingegen ist für Interessierte die joyclub-Empfehlung zu dem Thema die ganz eindeutig bessere Wahl.

    • Ich hatte eher das Gefühl, es wurde unglaublich viel Geld ins Marketing gesteckt, um einen Hype auszulösen, aber dann verpuffte es viel schneller als gedacht.

      • Wohl wahr, die Marketing-Maschinerie ist meiner Meinung nach noch umfänglicher angelaufen als beim ersten Film. Es gab praktisch gar kein Entkommen mehr. Selbst unter ein paar Frauen in meinem Bekanntenkreis wurde nur noch beratschlagt, wann das nächste Kino aufgesucht wird. Meine beiden Freundinnen dagegen sind mit mir einer Meinung: Filme (und Bücher), die die Welt nicht wirklich gebraucht hat.

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© Raoul Biltgen

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