Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

174 – Die Webcam

| 3 Kommentare

Liebe Frauen,

liegt es daran, dass es in meiner Jugend noch kein Internet gab (ja, so alt bin ich), und Videotelefone nur in science fiction-Filmen zu sehen waren, ich weiß es nicht, trotzdem wurde ich halt noch mit Telefon (und ich meine Festnetz) sozialisiert, und dementsprechend verbinde ich Sex auf Entfernung halt eben auch mit diesem möglicherweise dem einen oder der anderen antiquiert erscheinenden Kommunikationsmittel.

Bild: Félicien Rops

Dementsprechend liegt es auf der Hand, dass wenn man heutzutage von Telefonsex spricht, die Webcam als Mittel zur logischen Weiterentwicklung desselben angeführt wird. Doch diesmal bin ich es, der aufschreit, denn die Webcam bedeutet doch ganz was anderes.

Ihr habt doch sicher auch schon davon gehört, dass es Computerviren und Trojaner und Würmer gibt. Und dass manche davon die Bedienung der Webcam, die ja längst in jedem Gerät Standard ist, kontrollieren. Folge: Irgendwo auf der Welt hat irgendein hornbebrillter Nerd freie Sicht in dein Gesicht, wenn du gerade vor dem Bildschirm sitzt. Uuuh, böse. Der sieht einfach immer, was Ihr grad macht. Und wie Ihr dabei dreinschaut. Und wenn Ihr aufsteht, dann sieht er in Euer Zimmer rein, in dem Euer Laptop oder PC oder Mac steht. Und was sieht er da? Na? Eben, Privates. Er sieht in Euer Leben, er schaut Euch zu, wie Ihr Dinge tut, die Ihr nur tut, wenn Ihr ganz alleine seid. Und noch meine ich nicht Sex. Aber auch. Er blickt bis in Euren Intimbereich. Doppeldeutig jetzt. Wenn Ihr nämlich Euch vor Eurem Bildschirm verlustiert. Weil das ja alle tun. Ständig. Oder etwa nicht? Also ich bin schon recht oft über Videos gestolpert, die in etwa so angekündigt wurden: „Schaut Euch an, was die Dingens macht, wenn sie vergisst, ihre Webcam auszuschalten“. Und was macht sie? Das hängt davon ab, auf welcher Internetseite dieses Video angepriesen wird. Aber auch Ihr werdet jetzt gedacht haben: Sie macht Sex. Entweder allein oder zu zwein. Oder …

Nun glaube ich nicht, dass der Nerd in der DomRep den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat, als mir dabei zuzuschauen, wie ich am Laptop schreibe. Darauf wartend, dass ich eine Pause mache, in der ich mir einen runterhol, damit der Nerd das flink aufzeichnen und auf einer Pornoseite verkaufen kann. Und deswegen halte ich es auch für ein Gerücht, dass diese ominösen „Webcam vergessen auszuschalten“-Videos echt sind. Ganz besonders jene, in denen bildhübsche und blutjunge Frauen Sex haben vor laufender Cam. Und ich glaube weiters nicht, dass es besonders viele Menschen gibt, die das glauben. Man weiß einfach, dass es fake ist. Und es ist einem wurscht. Die Videos funktionieren trotzdem. Weil sie dem Zuschauer den Eindruck vermittelt, etwas zu sehen, was echt ist, was echter ist als das, was sonst so geboten wird. Weil es ja vielleicht doch sein könnte, dass … Dass da ein bildhübsches und blutjunges Mädel sich ganz bewusst vor die Cam platziert und sich selbst befriedigt, weil sie das für ihren Freund macht, der gerade außer Landes weilt. Und der Freund, der fiese Arsch, zeichnet das auf, nicht um es sich selber noch mal anzuschauen, sondern um es ins Netz zu stellen, damit alle Männer sich seine Freundin beim Wichsen anschauen können. Na gut, meistens ist es dann die Ex-Freundin. Weshalb es ja auch solche Seiten zur Genüge gibt: „Schau dir meine Ex an, wie sie dieses oder jenes …“ Auch Fake. Alles. Echt? Nein, fake. So. Nein, ich rede nicht von jenen Seiten, die erstmal nicht offensichtlich Pronoseiten sind, auf denen irgendwelche Arschlöcher tatsächlich Bilder ihrer Exfreundinnen hochladen, um sie von irgendwelchen anderen Arschlöchern kommentieren zu lassen, gerne bei facebook, weshalb ich eindringlichst davor warne, besonders die jüngeren unter Euch, liebe Frauen, generös mit Nacktbildern um sich zu schmeißen.

Aber – um zurückzukommen auf die fakes, die gerne und in Massen aus dem Netz gezogen werden, und die, weil sie ja fakes sind, auch nicht strafrechtlich verfolgt werden, die echten nämlich schon, oder hoffentlich, oder hoffentlich immer mehr. Aber – diese fakes werden angeschaut, denn der Zweifel, ob’s nicht doch echt sein könnte, reicht uns aus. Und der Zweifel wird geschürt dadurch, dass wir tatsächlich alle die Möglichkeit haben, die Cam zu nutzen, um genau das zu machen. Sex auf Entfernung. Weil Telefonsex ja ein alter Hut ist. Weil etwas sehen, scheinbar, besser ist, als es sich vorstellen zu müssen. Und dieses Sehen hat ja tatsächlich was. Man schaut zu, wie ein anderer Mensch sich selbst befriedigt. Auch wenn man weiß, dass dieser Mensch weiß, dass man es weiß. Und dass dieser Mensch es genau deswegen macht. Und doch: Es ist der Einblick ins Intimste. Denn sonst kommt es eher selten vor, dass man jemand anderem beim Masturbieren beobachtet. Oder? Natürlich kann man sich auch auf dem Bett gegenübersitzen und sich gegenseitig zuschauen, wie man es sich selbst besorgt, und das kann durchaus seinen Reiz haben. Aber man tut es doch selten. Per Cam aber …

Es ist ein wenig wie Lesen und Film. Beim Lesen muss man die Bilder im Kopf erst entstehen lassen. Dafür sind ihnen keine Grenzen gesetzt. Eben wie beim Telefonsex. Dafür ist man per Cam direkt bei etwas dabei, das sonst nur dann passiert, wenn man ganz ganz ganz alleine ist. Und es vermittelt dadurch den Eindruck der Überrealität. Schärfer als das Leben. Weil es verpixelt ist.

Euer Adam

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3 Kommentare

  1. Wie sieht es denn mit absichtlichem Sex vor der Webcam aus? Auf solchen Seiten wie Chatroulette oder Chatrandom?

    • wie viele frauen es dort gibt, die vorgeben, einfache hausmütterchen zu sein, die vor der cam schnell unverbindlich und mit irgendwem sex haben wollen, in wahrheit aber von den dahintersteckenden firmen bezahlt und ausgestattet werden, um genau dies zu behaupten, kann ich nicht sagen. ich denke, es gibt solche und solche. das phänomen an sich aber würde ich eher mit sexhotlines vergleichen, nur halt mit bild. oder mit swingerclubs ohne anfassen.

  2. Hi, nice article. I really like it!

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© Raoul Biltgen

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