Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

249 – Die Angst vor der Zukunft

| 4 Kommentare

Liebe Frauen,

früher war alles besser.

Echt jetzt? Den Satz habe ich gerade geschrieben?

Scheint so.

Dann muss ich zur Erklärung ausholen …

Früher hatte man Glück, wenn man nicht den Menschen heiraten musste, den einem die Eltern ausgesucht hatten, weil er der Sohn des Bauern aus dem Nachbardorf oder die Tochter des reichen Industriellen war, sondern wenn man sich tatsächlich mit jenem Menschen vor dem Traualtar wiedergefand, in dem man sich aber so richtig fett verknallt hat, irgendwann so mit 16. Und also wurde recht früh geheiratet, weil in die Kiste wollte man ja auch, aber das war nicht erlaubt ohne Ring am Finger, und Pille im Bauch gab es noch nicht. Und wenn man es vorher getan hat, war die Gefahr groß, dass die junge Braut nicht mehr alleine war vorm Traualter. Ein Grund mehr zu heiraten.

Schön.

Und dann?

Dann blieb alles, so wie es war, bis an das Lebensende einer der beiden.

Schön.

Bedingt schön.

Aber ich will an dieser Stelle nicht darauf eingehen, dass eine lange Ehe noch lange nicht eine glückliche Ehe sein muss, sondern vielmehr darauf, dass ab dem Zeitpunkt eines klar war: Mit diesem Menschen bleibe ich mein oder sein Leben lang zusammen.

Komme, was da wolle.

Und wir armen Menschen von heute haben eben gerade diese Gewissheit nicht. Wer hat denn heutzutage schon noch nur eine einzige Beziehung in seinem Leben? Eben, niemand. Gut, kaum wer. Und daraus ergibt sich notgedrungen ab der zweiten Beziehung die eine große Frage: Was ist, wenn es wieder nicht für immer ist? Was passiert dann mit der gemeinsamen Wohnung, der gemeinsamen Katze, der auf den anderen ausgeschriebenen Lebensversicherung … Was passiert mit mir? Wo gehe ich hin? Und lohnt es sich, dahin zu gehen, wo ich hingehen will, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ich nie dort ankommen werde, in Anbetracht der Kurzlebigkeit alles Beziehungen aller Menschen, die ich kenne, eher gering ist?

Ganz einfache Antwort auf die letzte Frage: Ja, lohnt sich.

Jetzt könnte ich eine ganze Menge ganz besonders einleuchtender Vergleiche anbringen, etwa: Man kauft sich ja auch ein neues Telefon, auch wenn man nicht weiß, wie lange man es behalten wird, oder ein neues Auto, man unterschreibt auch alleine einen Mietvertrag, man macht eine Ausbildung, man ergreift einen Job, man nimmt eine Religion an … Aber all diese Vergleiche sind nichts als leere Worte im Vergleich zu einer neuen Liebe. Was die Sache nicht einfacher macht, denn nichts möchte man so sehr für immer haben, als eine Liebe, wenn man gerade an ihrem Anfang steht.

Aber das kann nur passieren, wenn man das Risiko eingeht, dass es vielleicht auch nicht so ist.

Euer Adam

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4 Kommentare

  1. Ich glaube, dass heute zu wenig Kompromisse gemacht werden. Auf dem Arbeitsplatz und überall geht’s nicht ohne.
    Die Frage ist doch: wird es später besser?

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© Raoul Biltgen

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