Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

259 – Die Grautöne

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Liebe Frauen,

50 shades of grey.

Bild: Gregor

Gelesen?

Und?

Gut gefunden?

Geil geworden?

Handschellen gekauft?

Benutzt?

Mehr als ein Mal?

Keine Angst, sie verstauben zusammen mit den Latexstrapsen in so manchen Nachtkästen der westlichen Welt vor sich hin. Und das ist auch vollkommen ok. Und ich werde jetzt nicht darüber herziehen, wie unglaublich schlecht dieses Buch ist, denn dafür hätte ich es gelesen haben müssen. Ich hab’s aber nur bis etwa auf Seite 150 des ersten Teils geschafft. Weil ich es so unglaublich schlecht gefunden habe. Das war nur langweilig. Und ich habe nur so lange ausgehalten, um wenigstens eine Sexszene zu lesen. Und auch die war nur langweilig. Und prüde, herrgott, so prüde, da hätte auch vom Keksebacken geredet werden können. Aber wurscht, ich bin schließlich nicht die Zielgruppe. Das seid dann schon eher Ihr, liebe Frauen, nicht?. Deswegen meine Frage: Worum geht’s denn jetzt? Nein, nicht in dem Buch, worum geht’s beim Sex? Der Supertyp aus diesem Schmachtfetzen heißt „Grau“. Aber steht grau nicht eher für Langeweile? Sie, die weibliche Hauptfigur, deren Namen ich vergessen habe, ist doch das graue Mäuschen, das er erst erweckt. Und tatsächlich geht es überhaupt nicht um grau, es geht um schwarz-weiß, denn in dem Buch ist es doch so: Entweder oder. Zuerst hat die gute Frau gar keinen Sex, dann hat sie ihn ekstatisch und ausgefallen und fünfmal hintereinander mit dem geilsten Hengst der Welt. Wo ist da noch was grau?

Und warum, bitteschön, wird das gut gefunden? Hat sich die gesamte weibliche Leserschaft vor der Lektüre dieses Buches im tiefschwarzen Loch der Unbefriedigtheit befunden, und erst die Ergüsse dieser Hausfrau aus Ami-Land hat die Frauen weltweit ins Licht der Erkenntnis und zu gutem Sex geführt? Nein und nein. Ich glaube nicht, dass diese kleine Geschichte tatsächlich dazu beigetragen hat, dass Millionen von Frauen, nachdem sie es bis zur letzten Seite geschafft haben, besseren Sex als vorher hatten. Und ich glaube noch weniger, dass diese Frauen vorher so unglaublich schlechten Sex hatten. Nur war ihr Sex – und damit auch der der Männer – weder schwarz noch weiß. Er war grau. Er war mal gut und mal weniger gut. Und vielleicht sogar manchmal schlecht. Aber vielleicht auch hin und wieder supergut. Und manche haben sich dabei angekettet oder geschlagen. Andere nicht. Und insgesamt war das so, wie es, denke ich zumindest, auch sein soll.

Ja, auch ich will richtig supergeilen Sex haben. Aber ganz ehrlich, es muss sich nicht immer in den Sphären der Unbeschreiblichkeit abspielen. Und vor allem bin ich zutiefst überzeugt, dass es weder der Anleitung noch der Phantasien einer biederen Vampirfänin (denn als Fanfiction hat es ja angefangen) braucht, um mich dahin zu bringen, wo ich hin will.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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