Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

361 – Der Absprung

| 7 Kommentare

Liebe Frauen,

um Beziehungen muss man kämpfen.

Bild: Luc Lafnet

Bild: Luc Lafnet

Oder?

Doch, das ist so. Man muss kämpfen. Weil man hat sich ja geliebt. Vielleicht liebt man sich noch. Obwohl man ständig nur streitet. Obwohl man sich gegenseitig auf den Sack geht. Obwohl man heimlich und unheimlich jede Gelegenheit nutzt, um die Zeit mit anderen zu verbringen. Obwohl man mit anderen vögelt. Obwohl die Beziehung eigentlich eigentlich eigentlich doch längst vorbei ist. Weil sie ist nicht vorbei. Neinneinnein. Sie ist erst vorbei, wenn man sagt, dass sie vorbei ist. Die Vergangenheit hat doch auch einen Wert. Die spielt doch auch eine Rolle. Und wenn die Vergangenheit heißt: Da ist ein Kind, na dann spielt sie erst so wirklich eine Rolle, hallo, ich meine, eben, ich sage es nochmal, es muss gekämpft werden, wer denkt, Beziehung ist ein Geschenk, das man sich wünscht, wenn man beim Weihnachtsmann am Schoß sitzt, und dann, ein paar Tage später, hockt sie in Form einer tinder-Bekanntschaft unterm Weihnachtsbaum, und ab da ist alles gut, bis ans Ende unserer Tage, der hat sich aber geschnitten. Tief. Das wissen wir doch. Und schaut euch doch nur um, wie viele Paare gehen auseinander? Ständig. Wer ist denn heutzutage noch bis ans Ende seiner Tage mit dem gleichen Menschen zusammen? Niemand. Kaum wer. Weil niemand mehr kämpft. Weil es niemandem mehr wichtig ist. Weil sich alle denken: An der nächsten Ecke steht der Nächste.

Also, kämpfen.

Mit Händen und Füßen.

Und dann vergisst man eben all das, was Ihr auch schon längst wieder vergessen habt, obwohl es nur ein paar Zeilen weiter oben steht: Streit und Fremdficken und sich auf den Geist gehen und so. Vergessen. Vergeben und vergessen und unter den Teppich gekehrt.

Und so werden dann doch sehr sehr viele Beziehungen unter dem Deckmantel des drum Kämpfens sehr sehr lange am Leben erhalten. Künstlich. Obwohl sie eigentlich eigentlich eigentlich … eben. Und schaut euch um, davon gibt es auch mehr als genug. Und die Freunde wissen es längst und denken sich: Warum sind denn die überhaupt noch zusammen, wenn sie mal wieder alle anderen mit ihrer miesen Stimmung die Stimmung vermiest haben? Wahrscheinlich, weil er die Klobrille nicht runtergeklappt und sie die Zahnpastatube nicht zugedreht hat.

Klobrille und Zahnpastatube sind den meisten Menschen ziemlich piepschnurzegal, so lange die Beziehung noch klappt. Und wenn nicht, können sie es sagen, ohne dass daraus ein Streit entsteht. Und, na sowas aber auch, wenn sie es sagen, führt es dazu, dass sich was dran ändert. Weil Klobrille und Zahnpastatube nur ein Symptom sind. An dem unter Umständen abzulesen wäre, dass es nunmal keine Beziehung mehr gibt, die so gut ist, als dass sie Klobrillen und Zahnpastatuben aushalten könnte.

Ja, manchmal ist der Absprung das Schwerste. Weil man so oft gehört hat, dass man kämpfen muss. Und weil man Angst hat, dass danach auch nur wieder einer kommt, der Probleme mit Klobrillen und Zahnpastatuben hat. Weil man nicht allein sein will. Weil die Wohnung so schön ist. Weil es so mühsam ist, die Teller und das Besteck aufzuteilen. Weil zu wem kommt denn die Katze? Weil … Weil man an den Weihnachtsmann glaubt. Und an tinder. Und dann denkt man sich: Ich trenne mich doch nicht wegen einer Klobrille oder eine Zahnpastatube.

Tut Ihr eh nicht. Denn wenn Ihr es tut, gibt es genügend andere Gründe, die Euch vielleicht nur nicht bewusst sind. Oder die Ihr nicht sehen wollt.

Seht sie.

Schafft den Absprung.

Manchmal heißt Kämpfen vor allem eines: Krieg. Und dafür kriegt man keinen Nobelpreis.

Euer Adam

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7 Kommentare

  1. Lieber Adam,
    ich glaube, einer der größten Fehler, die man in einer Beziehung machen kann, ist eine sich einschleichende Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit gegenüber dem Partner/der Partnerin, teilweise sogar gegenüber sich selbst, weil… läuft doch irgendwie. Wenn man an dem Punkt angekommen ist, sollte man schleunigst aufwachen und sich ernsthaft fragen, wie wichtig einem die Beziehung überhaupt noch ist, wie wichtig einem der andere Mensch tatsächlich noch ist. Dann besteht die große Gefahr, dass man sich bestenfalls nur noch anödet. Damit tut man weder einem anderen Menschen noch sich selbst einen Gefallen. Und dann sollte darüber nachgedacht werden, ob ein klarer Trennstrich für beide nicht die bessere Lösung ist.
    Wie Du schon schreibst, die Probleme muss man dann erst einmal sehen bzw. sehen wollen. Und man sollte bereit sein, auch an sich selbst zu arbeiten, die blöden Socken abends eben nicht mehr nur vor das Bett zu schmeißen, wenn das dein Gegenüber immer stört. Allerdings gebe ich zu , dass es genug Partnerschaften gibt, in denen die Menschen nebeneinander her vor sich hin existieren. Manche sind zu bequem, um daran etwas ändern zu wollen. Und sind Kinder betroffen, nimmt man das möglicherweise über eine lange Zeit hin.
    Ja, an einer Beziehung muss gearbeitet werden, die ist wahrlich kein Selbstläufer und sollte ganz bestimmt nicht als solche gesehen werden. Man muss sich die Neugier bewahren, das Interesse und die Neugier am Partner. Dann kann man auch immer wieder eine Facette an diesem Menschen entdecken, die man noch gar nicht kannte (was natürlich ebenso umgekehrt gilt, dass dein Partner entsprechend neugierig auf dich bleibt). Kannst du überhaupt jemals einen anderen Menschen hundertprozentig kennen? Ich glaube das nicht.
    Das von Dir viel zitierte Reden kommt hier wieder ins Spiel. Stört mich die hochgeklappte Klobrille? Mund auf. Und merke ich (und bin willens, es zuzugeben), dass ich in eine gewisse Gleichgültigkeit abdrifte, hinsetzen und reden. Versuche, die Beziehung zu retten, sollten sicherlich unternommen werden.

    • Was ich auch wieder schön finde: Wenn ich darüber schreibe, dass man den Moment des Absprungs erkennen sollte, dass als Antwort der Wille dazu, an der Beziehung zu arbeiten, wenn – wie du sagst – Gleichgültigkeit einkehrt. Hm, hatte ich das vielleicht sogar ein wenig im Sinn … wir werden es nie erfahren ;-)

    • Stephan,
      ich stimme dir vollkommen zu mit der alten Weisheit:
      Eine Frau zu bekommen ist kein Problem, aber zu halten
      Manche Leute lassen sich richtig gehen. Sind Schlampen geworden.

      • ich nehme an, du benutzt “Schlampen” hier nicht im Sinne von “Rumvögeln”, sondern schlampig sein, sich gehen lassen, sich keine Gedanken mehr machen und keine Mühe mehr geben. Klar ist es dann schwer, den Partner zu halten, denn wer will schon mit einem Menschen zusammen sein, dem man offensichtlich wurscht geworden ist.

        • Ja, ich meine schlampig. Manche Leute sehen so aus, dann man sicher ist, dass sie nicht rumvögeln. Da geht keiner/keine dran.
          Manche Männer haben einen so dicken Bauch, dass die wahrscheinlich nicht mehr mit der Hand an ihren Pimmel kommen. Oder Frauenbeine sind so fett, dass man nicht mehr dazwischen kommt.

          Dein Thema heißt “Absprung”.
          Eine Frau mit 2 Grundschul-Kindern, Hausfrau, aber in einer Mietwohnung. Sie hätte Zeit sich und ihr Umfeld zu pflegen. Sie ist aber schlampig und ungepflegt. Sie hat angeblich nicht mal Zeit die vorhandene Weihnungsbeleuchtung anzubringen.
          Der Mann arbeitet über 10 Stunden täglich.
          Wenn der den Absprung macht, verliert er seine Kinder.

          • ich weiß nicht, ob du an ein konkretes Beispielpaar denkst, aber bei 10 Stunden Arbeit täglich hat er einerseits derzeit kaum was von den Kindern, andererseits nein, sollte er den Absprung machen, heißt das noch lange nicht, dass er seine Kinder verliert. Es kommt darauf an, wie er den Absprung macht. Und sich gehen zu lassen, ist im Grunde ja auch eine Art innerer Absprung, der allerdings womöglich endlich auch äußerlich umgesetzt werden sollte.

          • Es ist konkret, aber nicht selten.
            Mit An- und Abfahrt und Pausen sind viele Leute 10 Stunden unterwegs. Dann wünscht man sich doch ein einigermaßen gepflegtes Heim und eine gepflegte Frau.
            Sie ist ca. 40 J. Meine Frau sagt, sie hätte früher gut ausgesehen.
            Ich stelle mir vor, nach 10 oder 15 Jahren hast du keine Lust mehr nach Hause zu kommen.
            Das war jetzt ein Beispiel für viele.
            In diesem Fall hat er auch keine Energie und wird bleiben. Er macht seinen einfachen Job weiter, sie geht ab und zu Regale einräumen und im Alter beschweren sie sich über die Rente. Und die beiden Kettenraucher haben nicht bemerkt, dass sie selbst schuld sind.

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© Raoul Biltgen

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