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388 – Die Biederkeit

11. Juni 2017

5 Kommentare

  • Sex

Liebe Frauen,

ich will, dass Ihr mich auspeitscht.

Und ich will einen Dreier.

Und ich will swingen.

Und dabei singen.

Ich will Sex mit einem Mann und Polyamorie, zumindest bi, ich will Cockrings und eine Stellung ausprobieren, die noch nicht einmal einen Namen im Kamasutra hat. Ich habe Sex im Freien, im Lift, auf der Achterbahn, im Flugzeug, im Auto, mit Zuschauern. Ich werde meinen Schwanz vergrößern lassen, und wo ich gerade dabei bin, meine Augenlider straffen. Ich werde mich für ein 388 - die Biederkeit | Adam sprichtPornomagazin für Frauen fotografieren lassen, ich werde in einem Porno mitspielen und ihn meiner Frau zum Valentinstag schenken, und sie wird ihn geil finden, weil nicht sie die Frau ist, die ich ficke, sondern eine, die ich gerade mal vor der Kamera hab kennenlernen dürfen. Und wir ficken auf Stroh. Im Keller. Ledermasken tragend. Meine Frau und ich, während wir das gleiche anschauen.

Weil wir draufstehen, einander zuzuschauen, wenn wir Sex mit anderen haben. Ja, ich suche meiner Frau andere Männer und sie mir andere Frauen. Und umgekehrt, eh klar. Und sie schiebt mir eine Gurke in den Arsch. Es gibt nichts, wahrlich gar nichts, was mir fremd bleibt, denn ich bin ein aufgeschlossener Mensch, für alles und jeden, und alles andere ist bieder.

Denn es ist bieder, wenn man treu ist, monogam, sein Leben lang. Es ist bieder, kein Profil auf mindestens drei verschiedenen Seitensprungbörsen zu haben, dazu noch ein paar Singlevermittlungseiten, tinder sowieso, und dann auch noch Partnertausch, weil wenn eine Sache nun wirklich krankhaft bieder ist, dann ist es Eifersucht. Ich meine, bitte, wer eifersüchtig ist, der ist doch nur unsicher, und er verleiht seiner Unsicherheit Ausdruck, indem er andere Menschen in ihren Freiheiten einschränkt, und er merkt nicht, dass er sich selber beschneidet, dass er sich selber die vielen vielen schönen Dinge vorenthält, die das Leben doch erst lebenswert machen. So wie zum Beispiel Sushi vom Körper von Asiatinnen essen, welche vorher das Sushi selber zubereitet haben. Und wie bieder ist es, bitteschön, im Kleiderschrank nur Kleider aufzubewahren, und nicht zumindest eine geheime Wand zu haben, hinter der sich die Neunschwänzige und das Klistier befinden. Wobei es natürlich sehr bieder ist, diese Utensilien hinter einer geheimen Wand zu verstecken, man stelle sie dahin, wo man sie braucht, also auf den Nachtkasten. Neben den Vibrator. Den man und frau benutzen. Abwechselnd. Manchmal auch nicht abwechselnd, sondern gleichzeitig. Und dann rede ich gar nicht mal davon, dass man selbstverständlich sommers jede freie Sekunde am FKK-Strand verbringt, weil es ja aber sowas von bieder ist, sich nicht jedem in voller Pracht zeigen zu wollen. Denn es ist auch bieder, wenn man als Mann nicht zu seinem kleinen Schwanz stehen mag, schon gar nicht, wenn er steht. Wie bieder, bitte, nicht zufrieden mit sich selbst zu sein. Und wie bieder, die Nase zu rümpfen über Männer, die sich wenigstens ein wenig Mühe geben, gepflegt auszuschauen und sich die Augenbrauen rupfen und die Achselhaare rasieren. Und die Sackhaare. Und …

Liebe Frauen,

ich bin nicht bieder, neinneinnein, das will ich auf keinen Fall sein, und ich weiß, was alles bieder ist, deswegen helft mir, niemals in die Biederkeitsfalle zu tappen. Mit anderen Worten: Ja, nehmt Eure Peitschen und schlagt auf mich ein, denn ich steh drauf, aber so richtig, denn nein, ich bin nicht bieder, ich doch nicht, ich bin offen, aufgeschlossen, bereit für all den Schwachfug, den ihr mit mir anstellen wollt.

Weil irgendwelche Schwachfug-Seiten und Magazine und Filme und Freundinnen sagen, dass man das alles machen muss, um nicht bieder zu sein.

Und darf ich Euch etwas verraten, liebe Frauen?

Nicht?

Ich tu’s trotzdem: Ich liebe mein biederes Leben. Und ich scheiß Euch was auf alle, die denken, bieder zu sein, sei das, was man auf jeden Fall in seinem Leben zu vermeiden hat, weil es gar so schlimm ist. Mit Genuss bieder zu sein, glaubt mir, das macht am Ende des Tages und der Woche und ich schätze sogar des Lebens wesentlich mehr Spaß, als der ganze Stress, den ich mir antun müsste, um all das andere noch in mein Leben zu packen, ob ich mich damit wohlfühle oder nicht.

Ich bin bieder und fühl mich. Ich bin bieder und bin es gern. Bieder ist modern. Sag ich mal so. Und wenn nicht: Ist mir doch wurscht.

Euer Adam

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5 Kommentare zu "388 – Die Biederkeit"

  • Wie definierst du bieder? Man kann als Synonym auch Begriffe wie aufrichtig, ehrlich und verlässlich nutzen, es bedeutet nicht ausschließlich einfalls- und fantasielos oder langweilig.
    Ob die anfänglich beschriebenen Möglichkeiten oder eben die \“biedere\“ Variante, wichtig erscheint uns nur, dass die Menschen mit der jeweiligen Form glücklich sind.
    Wir beide sind bieder bis zum Gehtnichtmehr. Aber uns gefällt das so, wir sind glücklich und zufrieden damit, weil es dem entpricht, was wir beide wollen als Leben. Wir brauchen nicht ständig und dauernd einen neuen Kick, sind nicht immer neu auf der Suche nach irgendwelchen Aufregungen und… im Kleiderschrank sind Kleider, die beiden elektrischen Helferlein im Nachttisch.
    Wenn andere das als öde und langweilig empfinden, juckt uns das überhaupt nicht, die können gerne die Geheimwand im Kleiderschrank haben und sämtliche Seitensprungbörsen der Welt mir Profilen zupflastern.

  • …vor gut 35 Jahren, im Badesee, ja, \“IM\“ See; unterm Schlauchboot; fast schon akrobatisch…sehr anstrengend und überhaupt nicht erotisch…
    …heute, bei herrlichem Wetter, offene Fenster, der Wind huscht leise über die verschwitzte Haut, entspannt im Bett, mit viel Genuss und Muse; sehr erotisch und herrlich \“bieder\“… Ihr vertseht mich alle, gell! Vielleicht versuchen Menschen mit der Einstellung ALLES machen zu müssen; Sex, Bungee, die ganze Welt sehen etc., nur eine innere Leere zu füllen? Oder ist das jetzt zu psychomäßig?

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