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420 – das Pärchending

21. Januar 2018

2 Kommentare

  • Liebe

Liebe Frauen,

was ist denn so Euer Pärchending?

Wenn Ihr Teil eines Pärchens seid.

Oder jemals ward.

Zusammen Game of Thrones bingen? Langweilig.

Gemeinsam Sailor Moon cosplayen? Schon besser, aber dann doch auch nur ein Hobby wie ein anderes. (Wer spielt wen?)

Nein, was ich meine, das sind diese speziellen Sachen, die man sich als Pärchen angewöhnt, obwohl man sie sonst niemals nienienie machen würde. Miteinander in hohen Stimmen sprechen zum Beispiel. Oder sich zur Begrüßung an den primären Geschlechtsorganen packen. Ja, durch die Hose. Sich beim Aufwachen an den primären Geschlechtsorganen packen. Ja, ohne Hose. „Primäre 420 - das Pärchending | Adam sprichtGeschlechtsorgane“ zu den primären Geschlechtsorganen sagen („Dürfte ich dir den Vorschlag unterbreiten, mir dein primäres Geschlechtsorgan so tief wie möglich in mein primäres Geschlechtsorgan zu stecken?“) Sickh gegenseitig das Essen vom Teller klauen. Statt zu sagen, dass man aufs Klo geht, eine bestimmte Geste mit der Hand machen. Sich nebeneinander am Sofa sitzend per WhatsApp unterhalten. Und es nicht einmal ironisch meinen. Sich stundenlang darüber unterhalten, wie mal das Ferienhaus am Mond ausschauen soll. Zur gleichen Zeit seltsam quietschen, wenn irgendwer das Wort „Spinne“ sagt. Oder „Kaulquappe“. Oder „homepage“. Ich bin mir ganz sicher, Euch fällt da noch sehr sehr viel dazu ein.

Und ich bin mir sicher, es ist abhängig von Eurem derzeitigen Beziehungsstatus zu jenem Mann, mit dem Ihr diese Pärchensachen gemacht habt, ob Ihr denkt: Süß, oder ob Ihr Euch mit der flachen Hand auf die Stirn haut und sagt: Wie dämlich, kindisch, das konnte ja nichts werden mit uns, wenn wir auf einem solchen Niveau unterwegs waren, herrgott, zwei erwachsene Menschen, die müssen doch auch erwachsen miteinander umgehen können, all diese Spielchen, die braucht man doch nur, weil man nicht auf einem normalen gemeinsamen Niveau miteinander kommunizieren kann, ist doch klar, wer tut denn sowas?

Paare tun sowas.

Und es ist gut, dass Paare sowas tun.

Und es ist gut, dass es ihnen nachher peinlich ist.

Sie tun sowas, weil sowas ihr Gemeinsamsein stärkt. Untergrundorganisationen geben sich geheime Symbole, die sie sich unters Revers stecken, um damit zu erkennen zu geben: Wir gehören zusammen, alle anderen, die keinen rosa Knopf angenäht haben, die gehören nicht dazu, und nicht nur das, die wissen nicht einmal, was wir an Gemeinsamkeiten haben. Rosa Knöpfe. Blaue Blumen. Ausgesägte Münzen der sich im Exil befindenden Großherzogin. Und Paare haben das auch: Wir reden nur so miteinander, wenn niemand da ist, der uns hört. Wir wissen ganz genau, was wir meinen und niemand anderer, wenn wir den kleinen Finger über den Ringfinger legen, und zwar dass wir dringen pischen müssen. Und darunter heißt: Ich muss kacken. Aber das sagen wir nicht. Auch nicht, wenn keiner dabei ist. Wir verstehen uns ohne Worte. Wir sind eine Einheit, die aus zwei Menschen besteht. Und niemand anderer wird je auf die Idee kommen, sich im Bett mit dem Familiennamen anzusprechen, hihihi.

Und wenn die Beziehung irgendwann vorbei ist? Dann kann all dieses Getue nur noch peinlich sein. Weil der Kontext, der es gerechtfertigt hat, weg ist. Und unter Umständen will man sich auch gar nicht mehr an den Kontext erinnern. An den Ex. Vielleicht ist es gar nicht die Tatsache, dass man sich seine eigenen Wörter erfunden hat, die einem peinlich ist, sondern die Beziehung selbst. Weil man es nicht mehr nachvollziehen kann, dass man mal diesen einen Menschen sosehr geliebt hat, oder zumindest gemocht, dass es einem egal war, dass man sich kindisch benommen hat, um sich dadurch gegenseitig zu zeigen, dass man zusammengehört.

Ich für meinen Teil liebe es, manche Dinge, die ich mal gemacht habe oder mache oder machen werde, peinlich zu finden. Umso lieber mach ich sie. Denn mit dem Menschen, den man liebt, zusammen peinlich sein und es auch noch gut finden, ist das, was am stärksten zusammenführt. Denn man weiß, dass es alle anderen um einen herum ebenfalls peinlich finden würden, wüssten sie davon. Aber sie wissen es ja eben gerade nicht.

Euer Adam

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2 Kommentare zu "420 – das Pärchending"

  • Etwas aus der Kategorie peinlich, auch aus früheren Beziehungen, ist nicht im Angebot. Zumindest fällt uns nichts ein, was uns entweder damals oder im Nachhinein peinlich wäre.
    Unser Pärchending ist eher ein Ritual. Egal, wie stressig der Tag war und was am Abend noch ansteht, nehmen wir uns jeden Abend so ca. 10-15 Minuten Zeit, um uns buchstäblich runterzufahren. Soll heißen, wir legen uns auf dem Sofa aufeinander und hören uns beim Atmen zu, spüren, wie die Anspannung weicht, der Atem langsamer wird und sich an den Partner angleicht, was gleichzeitig für den Herzschlag gilt (über das Thema Rituale hattest du auch bereits geschrieben). Und während dieser paar Minuten wird der AB angeschaltet, weder TV ist an noch läuft Musik.
    Ansonsten haben wir noch eine „Angewohnheit“: ich streiche meinem Mann einmal sanft über das Gesicht, wenn er morgens zur Arbeit fährt, er macht das bei mir, wenn er wieder nach Hause kommt. Soll sagen „schön, dass es dich gibt.“

    • aber das sind sehr schöne Rituale, die ihr da habt. Und keine Angst, auch wenn sie euch nicht peinlich sind, gibt es mit Sicherheit Menschen, die das voll peinlich finden würden 😛

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