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425 – Der Meilen- und der Stolperstein

25. Februar 2018

2 Kommentare

  • Liebe

Liebe Frauen,

es gibt Momente im Leben, die alles verändern.

Nach einem verpatzten Vorstellungsgespräch tretet Ihr im Lift nach unten jenem Mann auf die Zehen, der sich daraufhin als unser zukünftiger Chef und Förderer und Ehemann erweist.

Ihr schlagt auf dem Flug nach Bonn das Flugzeugmagazin in der Hoffnung auf, einen vollkommen bedeutungslosen Artikel über die angesagten Cafés in Lissabon lesen und darüber einschlafen zu können, als ein Flugzeugbegleiter in einem Interview der Rubrik „Mitarbeiter kommen zu Wort“ in einem Nebensatz jenes Wort fallen lässt, das in Euch die Idee des Jahrhunderts auslöst und zu Millionärin macht. Das Wort lautet „Kabinentürgriff“.

Ihr fahrt mit dem Fahrrad in eine Gruppe verhaltensauffälliger Kinder, die daraufhin wild auseinanderstoben, und denkt Euch: Jetzt ist es Zeit, selber Nachwuchs in die Welt zu setzen.

425 - der Meilen- und der Stolperstein | Adam sprichtAlles Momente, die im ersten Moment als Versprechen lediglich abgeben, alsbald in der Vergessenheit zu verschwinden, doch sich im Nachhinein als Meilensteinmomente herausstellen, die alles auf den Kopf gestellt haben. Ja, es gibt sie, die Zufälle, ohne die wir ganz woanders gelandet wären. Und von mir aus können es auch manche Schicksal nennen oder göttliche Eingriffe oder Software-Updates der Matrix. Resultat bleibt das gleiche: Ab da alles anders.

Und Ihr freut Euch über diese Meilensteine, hurra.

Und Ihr denkt einfach mal über jene solche Momente hinweg, die zwar ebenfalls alles verändert haben, aber vielleicht nicht unbedingt ins Gute. Man kann ja gottseidank seine Aufmerksamkeit lenken. Und Ihr habt gelernt: Immer positiv denken. Und lenken. Und so. Und nicht in die verschissene Vergangenheit abdriften. Und es gibt ja sogar jene Momente, die erstmal aber so richtig Kacke sind, von oben bis unten nur stinkend und klebrig und wäh. Und dann, wenn Ihr Euch geduscht habt und wieder wohlriechend seid, entdeckt Ihr, dass es gerade diese Kacke war, die Euch wohin gebracht hat, wo Ihr sonst vielleicht nicht gelandet wärt.

Des einen Freud …

Das Problem aber ist, dass so manche Meilensteine auch Stolpersteine sein können. Allerdings nicht für Euch, sondern für jene Menschen, mit denen Ihr gerade das Leben verbringt. Weil was ist, wenn Ihr gerade verheiratet seid, wenn Ihr dem zukünftigen Gatten im Lift auf die Zehen steigt? Was ist, wenn Euch die Jahrhundertidee aufs Land in der näheren Umgebung Lissabons führt, während Eure bis dahin noch Liebsten sich gerade im energetisch pulsierenden Stadtleben Bonns niedergelassen haben? Oder St Pöltens. Was ist, wenn der Mensch, mit dem Ihr zusammen seid, keine Kinder will?

Dann seid Ihr es, die Eure fetten Meilensteine mit Schwung in den Weg der anderen schmeißt, damit die aber ordentlich drüber fallen, auf die Schnauze fliegen und sich die Vorderzähne brechen, sodass sie ausschauen wie letztklassigste Boxer nach letztklassigsten Kämpfen, den sie letztklassig verloren haben. Und ausgeknockt.

Und Ihr?

Ihr steigt fröhlich ein Liedchen durch Eure weiß glänzenden Zähne pfeifend über die Steine und Leichen, die Euren Weg pflastern, hinweg und denkt Euch: Hurra, Meilenstein, du hast alles verändert.

Und die Leiche wird zum dahinsiechenden und -kriechenden Zombie, der nie wieder wen findet, weil das Gebiss im Arsch ist, und sich denkt: Verfickt.

Aber vielleicht, vielleichtvielleichtvielleicht, gibt es ja eine junge Zahntechnikerin, die keinen Job findet und deswegen mal wieder ein unbezahltes Praktikum annimmt, und zwar in jenem Sozialkrankenhaus, in das es uns Zombies verschlägt, um uns das Lächeln auf billig richten zu lassen, und die denkt sich: Na, wenn ich dem das Gesicht nach meinen Vorstellungen modellieren kann, dann ergreife ich die Chance. Und wir denken uns: Meine Vorstellungen waren alle fürs Klo, also nehm ich der ihre doch gerne an. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Und es stellt sich heraus, die Zahntechnikerin ist auch noch Jockey und reitet mit uns durch Nacht und Wind hinein in den goldgelben Sonnenuntergang des Happy Ends, und zwar über die vielen Meilen- und Stolpersteine hinweg, die wir beide schon erlebt habt. Und unser Lächeln ist zwar falsch, dafür makellos.

Euer Adam

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2 Kommentare zu "425 – Der Meilen- und der Stolperstein"

  • deine denkansätze sind wirklich mehr als spannend, aber zerrredet man vllt nicht auch vieles? ja, fehler hab ich in meinem leben auch zur genüge gemacht, aber jeder ist doch noch immer soweit erwachsen, dass er seinen eigenen weg gehen kann und wenn nicht, ist der weg ihm hoffentlich eine lehre gewesen…wie von dir beschrieben. ich bevorzuge es, alles von meinem partner zu kennen, auch seine vergangenheit. das sagt mir viel über sein JETZ T , natürlich ist alles, was wir in unserem leben erfahren müssen, iwie prägend, aber wenn man iwann an den punkt kommt, wo man sich selbst im spiegel sieht und noch immer weiß, wer man ist, hat man doch iwie -zumindest für sich selbst- alles richtig gemacht. ich und auch du und auch jeder andere kann nicht alles für jeden richten, was iwann mal iwo gewesen ist. wenn menschen nicht das verständnis dafür haben…jetzt….werden sie es auch schwer zukünftig erlangen. wie schrieb er einst….sein oder nichtsein;)

    • „wenn man iwann an den punkt kommt, wo man sich selbst im spiegel sieht und noch immer weiß, wer man ist, hat man doch iwie -zumindest für sich selbst- alles richtig gemacht“ – absolut, klar. Es ging mir darum aufzuzeigen, dass man manchmal etwas tut, was für einen selber absolut richtig ist, aber diese Entscheidung ist gleichzeitig eine Entscheidung für wen anderen mit. Und möglicherweise ist sie für den anderen nicht die richtige. Nur muss der dann trotzdem irgendwie damit klar kommen.

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