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424 – Das Instagirl

18. Februar 2018

13 Kommentare

  • Körper

Liebe Frauen,

seid Ihr auf Instagram?

Warum nicht?

Seid Ihr etwa kein #Instagirl?

Dann solltet Ihr schleunigst eins werden, denn #Instagirls sind doch die perfekten Frauen, ich meine hallo, schaut sie Euch an.

Und ich bitte Euch, die würden sich ja nicht die ganze Zeit selbst fotografieren und das dann auch noch auf Insta stellen, wenn sie nicht wüssten, dass sie perfekt sind, und sich deswegen mit der ganzen Welt teilen, ist doch logisch, nicht?

424 - das Instagirl | Adam sprichtOder seid Ihr etwa nicht auf Instagram, weil Ihr Euch nicht perfekt findet? Hier ist zu viel und da zu wenig und ich rede nicht einmal vom Aussehen. Doch, tu ich wohl. Weil es das Thema ist, mit dem Ihr, liebe Frauen, doch ständig konfrontiert seid: Ihr müsst perfekt sein. Perfekte Haut, perfekter Po, perfekte Brust. Perfekt alles andere natürlich auch.

Und plötzlich tut sich da ein Abgrund auf zwischen jenen Frauen, die sich für alles andere als perfekt halten, und jenen, die auf Instagram sind. Weil mit den #Instagirls, die natürlich nicht nur grundsätzlich perfekt ausschauen, sondern auch noch perfekt gestylt sind und sich perfekt in Szene setzen, ein Phänomen infrage gestellt wird, welches seit Erfindung der Fotografie als gegeben und unumstößlich gegolten hat: Frauen finden sich nicht schön auf Fotos. Männer, ach, die sind alle so dermaßen fotogen, kein Wunder, dass die auch kein Problem haben, wenn sie fotografiert werden. Frauen aber, nein, bitte nicht, ich bin nicht geschminkt, frisiert, ausgeschlafen und am Klo war ich heute auch noch nicht.

Warum Ihr scheiße ausschaut.

Nun verrate ich Euch mal was, liebe Frauen: Ihr schaut auf Fotos nicht scheiße aus, weil Ihr nicht perfekt seid, sondern Ihr schaut auf Fotos nicht perfekt aus, weil Ihr Euch dermaßen ziert. Weil Ihr Euch unwohl fühlt. Weil Ihr verkrampft, sobald eine Kamera oder ein Handy in der näheren Umgebung auftaucht. Gleich kneift Ihr die Pobacken zusammen und die Mundwinkel spannen sich an und Bauch raus und Brust rein, nein, umgekehrt, Mist, zu spät, knips, knips. Ja, klar, schaut Ihr dann kacke aus auf so einem Foto, verschnupft und vergrämt und gequält. Und dann seht Ihr das und denkt Euch: Gott, schau ich hässlich aus. Und beim nächsten Mal wird’s nur noch schlimmer.

Männern hingegen ist das wurscht. Wie sie ausschauen. Auf Fotos. Die lassen sich gerne knipsen. Weil sie sich denken: Wenn wer mich fotografiert, würde der oder die das doch nicht machen, wenn ich nicht auch das dazu notwendige Aussehen naturgegeben mein Eigen nennen könnte. Cheese. Und das Resultat? Fotos von tiefenentspannten und selbstsicheren Männern. Die also auch tatsächlich gut ausschauen. Und sich deswegen das nächste Mal noch lieber ablichten lassen.

Und dann kam Instagram. Und alles wurde anders. Auf einmal nehmen Frauen die Kamera selbst in die Hand und überschwemmen die digitale Welt mit sich.

Daraus nun zu folgern, diese Frauen seien also durch und durch von sich überzeugt, erscheint mir dann doch ein wenig zu gewagt. Möglicherweise suchen sie nur andere Wege aus dem Gefühl, nicht zu genügen. Ein paar likes helfen dann schon. Für ein paar Minuten.

Doch das Schöne daran: Es gibt auch die perfekten #Instaboys, damit den blöden selbstbewussten Männern endlich mal das Grinsen aus dem Gesicht getrieben und das dringende Bedürfnis, mit sich unzufrieden zu sein, tief eingepflanzt wird. Denn Gleichberechtigung muss sein.

Euer Adam

P.S.: Übrigens bin ich auch unter @adamspricht auf Instagram zu finden.

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13 Kommentare zu "424 – Das Instagirl"

  • Lieber Adam,
    sicher gibt es diese ganzen Horden der perfekten Instagirls und Fitnessmodells u.ä. aaaaaaber es gibt auch eine ganze und immer weiter wachsende Reihe nicht perfekter Instafrauen. Die stehen zu ihrem (Hänge-) bauch. Ihrem ausladendem Hintern und weniger straffen Titten. Oder ihren Falten. Ich selber wurde vor nicht allzu langer Zeit von einem Bekannten als „Pin up-Pummelfee“ bezeichnet. Mein Interesse an perfekten Instagirls ist also verständlicherweise eher begrenzt. Dagegen freue ich mich dann über die Bilder der Frauen, die sie mit #bodypositive oder #selflove oder #nobodyshaming kennzeichnen. Man darf eben nicht nur bei der Perfektion hängen bleiben.

    • Grad unter den „perfekten“ Männern auf Instagram gibt es auch sehr viele Schwule. Oder bodybuilder. Ich denke, dass der Drang, über den Körper und das Aussehen Bestätigung zu bekommen, bei den durchschnittlichen Heteros nicht so stark ausgeprägt ist, sondern sich über die üblichen männlichen Möglichkeiten ausdrückt: Macht, Geld, Status … Wäre zu untersuchen, ob die Six-Pack- und sonstige Muskelherzeiger kompensieren müssen, dass sie Macht, Geld und Status nicht so haben. Weil grad die dürften unter Umständen allergisch reagieren, wenn man den verdacht der Homosexualität auch nur erwähnt 😉

    • Monica, wenn ich mal mit wirklich Schwulen (nicht bi) zu tun hatte, dann waren die außergewöhnlich höflich. Ich glaube, sie pflegen sich auch besser. Vielleicht pflegen sie den sichtbaren Teil ihres Körpers, weil der nicht sichtbare Teil nicht so herausragend ist. Aber ich weiß es nicht.

      • „Vielleicht pflegen sie den sichtbaren Teil ihres Körpers, weil der nicht sichtbare Teil nicht so herausragend ist.“ Da verstehe ich jetzt nicht, was du sagen willst.

  • Hier taucht oft das Wort „perfekt“ auf. Was ist das? Niemand ist perfekt – außer mir .
    Im ernst, es hat doch jeder eine andere Auffassung davon. Kürzlich eine Büttenrede von einem Mann: „Nimm dir ´ne Frau die kochen kann. Schönheit vergeht, der Hunger bleibt.“
    Meine Frau und ich lästern oft über uns. Wenn ich sage, so eine Frau mit Falten hätte ich nie genommen. Da sagt sie: Glaubst du ich?
    Diese stark geschminkten Models sehen nach der Mode-Meinung perfekt aus. Ihre Maske unterdrückt aber jede Mimik. Viele Leute mögen sie schön finden. Für mich sind sie weit weit weg von jeglicher erotischer Ausstrahlung.

    Kürzlich kam meine Frau von der Mammografie. Sie sagte, der Arzt habe gemeint, ihr Busen sei nicht in Ordnung. Als ich entsetzt geguckt habe, sagte sie: „Er hängt!“

  • ich gebe euch iwie recht. weil perfektion ist ne hure, die nur vorgibt etwas zu sein, was sie nie erfüllen kann. das wissen wir doch aber. und da ist es doch völlig schnuppe, ob es frauen oder männer betrifft. ich gehöre nicht „mehr“ zu der selfiegeneration mit meinen 48 jahren;) aber ich halte das auch nicht für notwendig. ich weiß noch, wie es ist, unter menschen zu gehen und mit ihnen zu reden. ich tue das täglich;) und fühle mich wohl dabei. es wird immer jemanden geben, der interesse an mir oder an dir oder an dir oder an dir hat. so soll es doch auch sein. was nützt mir ein gefaktes profil mit lauter lügen? ich schaue den menschen in die augen und lächel ihnen entgegen. das gibt mir viel, viel, viel, viel mehr. im übrigen habe ich mich noch nie von der mode abhängig gemacht. ich liebe die farbe schwarz. ich zähle mich nicht zu den gothics oder emos oder sonstwem. ich bin ich. ich trage auch -wenn auch selten- mal weiß, wenn es mir gefällt, aber meist sind es klamotten in schwarz, die meine aufmerksamkeit erregen. ich sauge deshalb niemandem sein letzes tröpfchen blut aus oder enthaupte ganze familienstämme. ich mache nur, was mir gefällt;)

    • wie ich’s als Kommentar zu macho geschrieben habe: Ich glaube, die vermeintliche Perfektion ist ein Verstecken, weil auch die heutigen jungen Frauen in einer großen Mehrheit sehr unsicher sind und sich eben nicht so geben, wie sie sind, sondern zur „Perfektion“ hin photoshoppen. Vielleicht muss man (und das gilt auch für Männer) erst in ein Alter kommen, in dem man offensichtlich nicht mehr zur Selfie-Generation gehört, um zu sich stehe zu können?

  • Beim Blättern mit dem Tablet bin ich gestern Abend auf Bilder von ganz normalen nackten Frauen gestoßen. Ich habe meiner Frau gezeigt, dass die alle irgendwo irganswas kritisieren könnten. Ob es nun der nicht ganz so straffe Busen war, oder er hing, oder die Rollen in der Seite oder die Propotionen entsprechen nicht dem was gerade schön sein soll. – NA UND !

    An die Frauen mit Hängebusen: Oh was kann man damit so schön spielen und lästern und spielen! Wenn sie mich reitet kommt der Busen mir entgegen und schaukelt vor meinem Gesicht. Meine Frau sagt: So entgegenkommend war ich früher nicht.

    • tja, früher haben sich die Frauen versteckt, indem sie sich nicht gezeigt haben. Heute verstecken sich immer noch sehr viele Frauen, allerdings hinter sehr viel Schminke und noch viel mehr Photoshop. Aber wirklich zeigen tun sich auf Instagram nur wenige.

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