Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

117 – Die Krallen

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Liebe Frauen,

Nagelstudios.

Überall schießen sie wie Giftpilze aus der Landschaft, kein Kaff, und sei es noch so hinterwäldlerisch, das nicht mindestens ein Nagelstudio aufweisen kann. Und dann schaut man im Vorbeigehen kurz rein und entdeckt drinnen eine solariumgebräunte Tussi (Nagelstudios und Sonnenstudios scheinen eh ein gewisses symbiotisches Verhältnis zueinander zu pflegen), und die Tussi hat auch noch gezupfte und dann viel zu hoch wieder aufgemalte Augenbrauen aufzuweisen, und vor ihr sitzt ein Hausmütterchen und lässt sich die Nägel machen.

Und was haben wir davon? Sekretärinnen, die mit spitzen Krallen die Tastatur hämmern, Postbeamtinnen, die keine Brieföffner mehr brauchen, Polizistinnen, die gefährlicher als Pfefferspray sind.

Und ich frage mich: Wie kann man mit solchen Nägeln leben? Ja, vielleicht sind die Teile ganz praktisch beim Nasepopeln, wenn man da mit wahren Schaufeln in den Nüstern werken kann. Vielleicht kann man auch gut den Schorf von Wunden kratzen oder sich die Haarbürste ersparen, aber wenn ich mir vorstell, dass da zentimeterlange Krallen an meinen Fingern abstehen, da schüttelt es mich. Und ein wenig weiß ich, wovon ich rede, denn als Gitarrist ist man auch ab und zu auf etwas längere Fingernägel angewiesen. Aber nicht so lange! Und trotzdem bleibe ich dann an Kleidungsstücken hängen, kann mein Handy nicht bedienen, kratze mir die Augen aus, wenn ich was darin habe, was da nicht hingehört… Davon abgesehen ist da irgendwie immer Schmutz drunter. Gut, man hat ja dann lange Fingernägel, mit denen man den Schmutz unter den Fingernägeln der anderen Hand herauspulen kann, aber das kann doch nicht der Sinn davon sein.

Oder ist das der Grund, warum diese Plastikkrallen auch noch angemalt werden müssen? Bunt. Buntest. Mit Sternchen versehen oder dem Bild einer putzigen Katze oder Glitzerzeug und Streifchen und weißdergeier.

Aber wie heißt es so schön? Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Jaja, toll. Ihr, liebe Frauen, findet das schön? Von mir aus. Aber glaubt Ihr, die Männer finden das schön? Ehrlich, das glaubt Ihr? Na, dann will ich Euch mal eines sagen: Nein, das tun wir nicht.

Wie immer: Ausnahmen sind erlaubt (das sind wohl dann auch die Männer, die glauben, Vokuhila sei nach wie vor der letzte Schrei am Frisurenmarkt), aber mir ist noch kein Mann, wirklich keiner über den Weg gelaufen, der das gut findet. Und fragt nicht Euren Partner, denn der sagt natürlich: „Ja, toll, lustig, mach nur“. Denken tut er aber: „So ein Scheißdreck, und dafür schmeißt die auch noch Geld zum Fenster raus, und was hab ich davon? Maximal einen zerkratzten Rücken, wenn sie mal wieder im Bett loslegt.“

Gut, im Bett die Fingernägel zum Einsatz bringen, das ist wieder eine ganz andere Geschichte, aber dafür braucht man keine Hexenkrallen in den Farben der amerikanischen Flagge. Oder der englischen. Oder irgendeiner.

Und wenn ich mir nur vorstell, wie da eine Frau mit solch waffenartigen Auswüchsen an den Fingern meinen Penis packt, um mir eine Freude zu machen, und dann stehen dann rasiermesserscharfe Skalpelle weg und drohen, dort meine Haut in Fetzen zu zerschneiden, wo’s am wenigsten gewünscht ist, ist Schweiß das Einzige, was ich noch absondere, Angstschweiß, kalter Angstschweiß.

Naja, auch noch ein wenig Ekel, wenn ich ehrlich sein soll.

Ich mein: Stören solche Fingernägel nicht, wenn Ihr Euch selbst befriedigt? Oder hat das was, wenn man so ein wenig an der Klitoris rumkratzt, statt sie zu streicheln?

Und dann steh ich am Postschalter und gebe einen Brief ab und zucke unwillkürlich zurück, wenn die ansonsten doch recht ansehnliche Dame hinterm Tresen ihn mir aus den Hand nehmen will, und die denkt sich wahrscheinlich: „Was hat denn der für ein Problem?“

Nun, liebe Postbeamtin, nun weißt du’s.

Also: Her mit der Heckenschere und ab damit.

Oder Nägel kauen, ist immer noch besser als sowas.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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