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442 – Die Haare von Rapunzel

24. Juni 2018

18 Kommentare

  • Körper

Liebe Frauen,

wie tragt Ihr Eure Haare?

Und jetzt sagt nicht: schön.

Ist es lang? Oder kurz? Darf ich Euch von unterm Turm zurufen: Rapunzel, lass dein Haar herunter? Oder würde mir das genau gar nichts bringen, weil man daraus vielleicht eine Kratzbürste basteln könnte, sicher aber keine Leiter?

Und dann würde der Prinz aber doof schauen, wenn er mit einer Bürste beworfen würde. Einer Bürste, die Rapunzel getrost zum Fenster rausschmeißen könnte, wären ihre Haare grad mal stoppellang. Braucht sie ja nicht. Oder goldene Kämme. Oder Haarreifen. Oder sonst noch was.

Märchenhafte Haarespracht

Das ganze Märchen würde gar nicht funktionieren, hätte Rapunzel nicht ihr schönes langes Haar.

442 - die Haare von RapunzelUnd habt Ihr jetzt gerade eben einfach schnell drüber gelesen, oder ist es Euch aufgefallen? Wenn man von langem Haar spricht, sagt man automatisch „schönes langes Haar“. Und bei einem Kurzhaarschnitt? Schön? Sicher nicht. Weil Frauen lange Haare haben müssen. Am Kopf. Überall sonst nicht. Unter den Armen, an den Beinen, im Schritt. Männer aber: kurzes Haar, ist ja klar. Frauen lang. Lang und schön. Weil Frauen schön zu sein haben. Männer nur kräftig. Wie auch das männliche Haar kräftig sein muss. Und voll. Ja nicht schütter. Und wir reden über Haare, Herrgott, und doch reden wir gleich über alle möglichen Männer/Frauen-Klischees. Und ja, ich sage es: Gender.

Genderfragen

Iiih, sagt Ihr jetzt, das böse Wort, da krieg ich ja die Krätze.

Tja, ist aber so. Schaut Euch um. Schaut in den Spiegel. Die meisten Frauen haben lange Haare, die meisten Männer nicht. Weil am schönen langen Haar erkennt man, ob die Frau eh auch gesund ist. Weil nur gesunde Frauen kann mann seinen Samen einpflanzen. Klingt nach Mittelalter, ist aber so. Wer hat sich im Mittelalter das Haar abgeschnitten? Oder musste das tun? Die Nonnen. Die zum Scheiterhaufen verurteilten Hexen. Die Witwen. Die Frauen also, die nicht mehr infrage gekommen sind. Für Männer. Und genau so läuft es auch heutzutage ab. Natürlich nicht mehr bewusst, neinnein, aber wir sind alle miteinander so durchdrungen von den Vorstellungen, wie Männer und Frauen zu sein haben, dass wir es ganz klar noch immer so leben. Im 21. Jahrhundert.

Natürlich kann man das als Mode abtun und sagen: Zu anderen Zeiten war es anders. Das ändert aber nichts daran, dass es heute so ist. Weil welche Assoziation hat man heute bei kurzhaarigen Frauen? Richtig, Lesben. Und die Fußballerinnen, die doch wissen müssten, dass kurze Haare einfach viel praktischer wären, weil dann könnten sie auf ihre Pferdeschwanzfrisuren und was sie sich nicht alles einfallen lassen, um nicht durch ihre Mähne beim Sport gestört zu werden, verzichten. Nein, gerade jene Frauen, die sich als Frauen in einer Männerdomäne zeigen und beweisen müssen, tragen gerne langes Haar. Damit man eben nicht sagt: Ja klar, welche Frau spielt denn bitteschön Fußball? Die, die eigentlich ein Mann sein will.

Oder alt ist.

Die Normalität

Noch nicht überzeugt?

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Haarlänge und Üppigkeit. Also: Weibliche Formen, große Brüste, Hüften, die man als gebärfreudig bezeichnet: langes Haar. Gerne gewellt. Frauen mit kleinen Brüsten: kurzes Haar.

Nein, Ihr müsst mir jetzt nicht sagen, dass Ihr aber eine Frau kennt, die … Jeder kennt eine Frau, die … Ich rede von der Wahrnehmung. Da draußen. Im Leben. Denn es sind nicht die Ausnahmen, die unser Denken beeinflussen. Es ist die Mehrheit. Es ist das, was wir jeden Tag sehen. Es ist das, was wir als normal empfinden. Und jetzt nochmal: Fällt es Euch eher auf, wenn eine Frau lange Haare hat oder kurze?

Eben.

Euer Adam

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18 Kommentare zu "442 – Die Haare von Rapunzel"

  • Oh Gott!!!! Ich bin ein wandelndes Klischee!!! Ich habe lange Haare und gebärfeudige Hüften und ich bin blond. Das einzige was es noch rausreißt: ich bin über mittelalt…

  • Monica, „bitte nicht grämen“. Was soll ich sagen, da ich oben beschriebenen Wahrnehmungen entsprechend weder Baum noch Borke bin? Zwar relativ üppig gebaut, was Brust, Hüften und Po betrifft, aber kurze rote Haare. Du kannst wenigstens noch Dein Haar herunterlassen, bei mir kommt die Bürste angeflogen!

    • es soll ja auch nicht Männer regnen, sondern Haare, auf die Männer herab. Tja, da sieht man mal wieder, dass auch Märchen nur aus Männersicht geschrieben wurden.

  • Gegen nett anzuschauende herabregnend Männer hätte ich auch nix einzuwenden. Gerne auch langhaarige… obwohl, wenn dich so ein Jason Momoa am Kopf trifft….

  • Ich glaube, dass die meisten Menschen, mehrheitlich Frauen, etwas Besonderes sein wollen. Wenn aber alle Schulmädchen lange Haare haben und die Frauen auch noch möglichst blond, wo bleibt dann die Individualität?
    Ich bin zu alt um zu versuchen Frauen zu verstehen!

    • eher nicht „mehrheitlich Frauen“. Frauen und Männer suchen nur andere Wege, um etwas Besonderes sein zu wollen. Frauen scheinbar mehrheitlich über das Äußere. Weil Männer sie nach wie vor – mehrheitlich – aufs Äußere reduzieren.

  • Du schreibst „Weil Männer sie nach wie vor – mehrheitlich – aufs Äußere reduzieren.“ Es könnte auch umgekehrt sein: Wer Wert aufs Aussehen legt, wird danach beurteilt. So wie Sänger nach ihrer Stimme beurteilt werden und Fußballer nach ihrem Fußballspiel.
    Es gab mal T-Shirts im Baumarkt mit der Aufschrift: „Wer Wert aufs Aussehen legt, hat sonst nichts zu bieten“.
    DIESER SPRUCH STAMMT NICHT VON MIR.

    • und warum wird so ein Shirt im Baumarkt verkauft? Weil es einfacher ist, die Schuld für frauenabwertendes Verhalten den Frauen zu geben, als auf das zu schauen, was man selber tut. Weil dann tut es auch ein fauler Spruch.

  • Ich lege Wert auf mein Aussehen und wie ich mich kleide um MIR zu gefallen!
    Außerdem: der Sänger dessen Stimme beurteilt wird oder der Fußballspieler welcher nach seine Leistung bewertet wird,haben ihre BERUFE gewählt. Frau zu sein ist kein Beruf. Und eine Frau, die auf ihr Aussehen achtet oder wie sie sich kleidet tut nichts anderes als ein Mann, der durch Training, Kleidung, Körperpflege sein Selbstbild formt und ausdrückt. Und ganz sicher ist das äußere Erscheinungsbild nicht mit dem „Inhalt“ gleichzusetzen.

  • Auch ich lege Wert auf ein gepflegtes Aussehen. Aber je nach Situation. Wenn ich dreckige Arbeitskleidung anhabe und in den Baumarkt muss, ziehe ich mich nicht um.
    Ich nehme auch für eine Woche Winterurlaub keine 3 Skianzüge mit. Und ich freue mich, wenn mir die alten Klamotten noch passen. Mit dem gesparten Geld gehe ich gut Essen.

    Männer konkurieren nicht mit Klamotten untereinander. Siehe Nr. 438

  • Da bin ich mir nicht so sicher. (da sollte jetzt ein Zwinkersmiley zu sehen sein!)
    Ich denke dass es da gar nicht so viele Unterschiede bei Männlein u d Weiblein in den Intentionen der Kleidungswahl gibt, eher differieren die Interpretationen vonseiten des anderen Geschlechts…

    • nicht nur vonseiten des anderen Geschlechts: Ein Mann, der in schmutzigen Arbeitsklamotten in den Baumarkt geht, will von seinen Geschlechtsgenossen als einer angesehen werden, der offensichtlich arbeitet und sich dabei schmutzig macht. Und als einer, der „keinen Wert aufs Aussehen legt“, weil ihm anderes wichtiger ist. Es ist immer eine Entscheidung, ob ich so oder so rumlaufe.

  • Lieber Adam, hier liegst du falsch. ICH muss niemandem mehr etwas beweisen, erst recht nicht Männern. Wahrscheinlich bin ich doch ein Macho. Es ist ganz einfach: ich bin zu faul mich 2 x umzuziehen. Da in den Baumärken auch immer mehr Frauen sind, wären schöne Klamotten nicht fehl am Platz.

    • sorry, das glaube ich nicht so ganz 😉 Und wer im Baumarkt eine Frau anmachen will, der tut dies ganz sicher nicht in Anzug und Krawatte, sondern eben gerade im Arbeitsgewand. Wer nämlich Frauen mit schönen Klamotten anmachen will, geht dazu nicht in den Baumarkt.

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