Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

127 – Der wahre Mann

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Liebe Frauen,

der wahre Mann muss männlich sein.

Das heißt, ein Mann, der auch als solcher gesehen werden will, der hat groß und stark zu sein, breite Schultern, ausgeprägter Bizeps, ausgeprägter Trizeps, ausgeprägter Quadruzeps (heißt der so?), muskulöse Beine, Stiernacken, Waschbrettbauch … Mit anderen Worten: Ein wahrer Mann ist einer, dem man ansieht, dass er trainiert. Weil das heißt, man sieht ihm an, dass er im Fall des Falles seinen Mann stehe kann, kämpfen kann, andere Männer besiegen kann, kraft seiner Fäuste. Oder Schwitzkästen.

Oder aber kraft seines Blickes. Ein Mann kann nämlich auch im übertragenen Sinn stark sein, also Stärke ausstrahlen: Er weiß, was er will und was er nicht will. Und er kriegt was er will. Und was er nicht will, das steht überhaupt nicht zur Diskussion. Er ist Herr der Lage. Immer. In jeder Situation. Dann kann er auch ruhig einen Bauch haben, der eher Waschtrommel als Waschbrett ist.

Ein wahrer Mann muss Dominanz zu seinen Eigenschaften zählen.

Ein wahrer Mann muss Selbstbewusstsein haben. Ein wahrer Mann muss derart selbstbewusst sein, dass er darübersteht, wenn jemand anderer anderer Meinung ist als er, denn er weiß: Das macht mir gar nichts aus, denn wer kann mir schon das Wasser reichen. Denn er weiß: Ist mir doch egal, was andere denken, ich weiß, dass ich recht habe, sollen doch die anderen auf ihrer Meinung bestehen und wie die Rumpelstilzchen mit den Füßen trampeln. Ein wahrer Mann ist kein Rumpelstilzchen.

Ein wahrer Mann ist (sagen wir mal: bis zu einem gewissen Grad) arrogant.

Ein wahrer Mann hat seiner Frau etwas zu bieten. Entweder seinen Körper oder seine Macht oder seinen Reichtum. Am besten mehr als eines dieser Dinge, wobei vor allem Macht und Reichtum eh Hand in Hand gehen. Womit ich nicht sagen will, dass genau deswegen vor allem Möchtegern-Männer ihre Muskeln bis zum Platzen aufpumpen. Na gut, doch, ich möchte das sagen. Jetzt habe ich es gesagt.

Ein wahrer Mann muss etwas darstellen. Und er muss wissen, dass er etwas darstellt. Und er muss zu dem stehen, was er darstellt.

Ein wahrer Mann muss mehr drauf haben, als nur die Sachen, die Männer so drauf haben. Er ist sich nicht zu schade, auch Dinge tun zu können, die nicht ganz so wahre Männer den Frauen überlassen, wie etwa kochen, einen Knopf annähen, Kinder erziehen.

Ein wahrer Mann ist gut im Bett. Ein wahrer Mann hat einen großen Schwanz und weiß ihn einzusetzen. Er weiß aber zugleich auch auf die Bedürfnisse der Frau einzugehen. Er will nicht nur schnell mal drüber, er hat Ausdauer, und die nutzt er, um sich selber und die Frau zu Erlebnissen zu verhelfen, die beide in Sphären emporschießen lassen, die sich vor allem die Frau nie hätte erträumen lassen. Und ein wahrer Mann fragt nach dem Sex nicht „Und? Wie war ich?“, denn er hat diese Frage gar nicht nötig, wenn ein Mann gut war, dann ist das der Frau eindeutig anzusehen.

Ein wahrer Mann geht Risiken ein. Er verlässt sich nicht auf das, was er schon kennt oder was ihm sicher erscheint. Er traut sich was, für ihn gibt es keine Grenzen, keine Tabus. Geht nicht, gibt’s nicht.

Ein wahrer Mann hat keine Angst. Vor nichts. Nicht einmal seinem eigenen Schatten. Oder vor Mäusen, Spinnen und Schlangen. Oder vor anderen Männern. Ganz sicher nicht vor anderen Männern. Niemals vor anderen Männern. Auch nicht vor jenen Männern, die in ihren Augen keine wahren Männer sind. Und an dieser Stelle dünnt es sich aus. An dieser Stelle sehe ich auf einmal die ganzen ultrawahren Männer auf Stühle hüpfen und höre sie „iiih“ und „wäääh“ quietschen und sich zieren wie eine Tussi mit grellrosa Fingernägeln beim Anblick einer Kreidetafe, wenn nämlich auf einmal Männer auftauchen, die doch tatsächlich das männlichste aller Männereigenschaften nicht mitbringen. Nämlich Frauen zu lieben. Die lieben Männer. Geht doch gar nicht. Da schüttelt es sie, die Männer, hallo, warum ist denn ein Mann ein Mann? Eben, um den Frauen zu imponieren. Und wie soll das gehen wenn, da darf man gar nicht dran denken, also wenn die auf einmal alles auf den Kopf stellen, die ganze schöne Weltenordnung.

Und am Ende bleiben neben den schwulen Männern tatsächlich nur sehr sehr wenige heterosexuelle Männer als wahre Männer übrig, die nämlich sogar damit klarkommen können, was die meisten auf gar keinen Fall auch nur hören, geschweige denn sich vorstellen wollen: Manche Männer stecken ihren Schwanz in den Arsch von anderen Männern.

Also, liebe mitlesenden Männer? Seid ihr wahre Männer?

Oder am Ende doch nur Memmen, die mit aufgeblasenen Muskeln und noch aufgeblasenerem Ego durch die Gegend stolzieren und im Grunde ihres Herzens wissen: An meine schwulen Geschlechtsgenossen reiche ich niemals ran.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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