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410 – Die sexuelle Belästigung

12. November 2017

22 Kommentare

  • Männer

Liebe Frauen,

Ihr auch? #meToo?

Seid auch Ihr Opfer von sexueller Belästigung, sexuellen Übergriffen, sexualisierter Gewalt geworden?

Seid auch Ihr ein Teil des Aufschreis, der durch die (westliche) Welt geht und #metoo lautet?

Angefangen hat es, weil eine Schauspielerin das, was eh jeder immer schon gewusst hat, laut geäußert hat: Sie wurde vom Hollywood-Produzenten Weinstein vergewaltigt, zumindest sexuell genötigt. Das Überraschende daran war nicht die Tatsache, dass der das getan hat, es hat auch nie wirklich wer an der Richtigkeit der Behauptungen gezweifelt, sondern dass es eine Frau gab, die das in die Öffentlichkeit gebracht hat. Und nach ihr noch viele andere. Weil es eben nicht nur „eh immer schon gewusst“ war, dass es „nunmal“ in Hollywood so läuft, sondern weil es ganz einfach 410 - die sexuelles Belästigung | Adam sprichtden Tatsachen entspricht. Weil es so ist. Und das betrifft nicht nur die großen Größen des Geschäfts, es ist genau das gleiche Schema bei allen Möchtenergrößen im Business, angefangen bei der Provinzbühne im Nachbardorf.

Aber der Aufschrei ging sehr schnell über diese Branche hinaus. Es waren Chefs aus der Privatwirtschaft, die sich die seit Jahrzehnten im Umlauf befindlichen Herrenwitze zu Herzen genommen haben, und die Weihnachtsfeier für das eine oder andere Schäferstündchen nutzen wollten. Weil dafür sind sie ja da, die Sekretärinnen. So haben sie’s gelernt. So war es schon, als sie noch naive Lehrlinge waren. So wird das gemacht.

Und es griff über zur Politik, es waren Abgeordnete und Ex-Präsidenten, die Brüste und Hintern betatschten und sexistische Witze machten und zum gemeinsamen Unterwäschekauf einluden.

Und dann waren es alle Männer.

Und es waren alle Männer sehr zurecht.

Denn die offensichtlichen Vergewaltigungen sind nur ein Teil des Problems, viel schwerer aber wiegt, dass es bisher nie eines Aufschreis wert zu sein schien. Die weihnachtlichen Tatschereien sind nur ein Teil des Problems, schlimm ist, dass sowas am nächsten Tag oder im neuen Jahr als Alkoholspäßchen abgetan wird. Und es ist nur ein Teil des Problems, dass Frauen weltweit zu sexuellen Handlungen erpresst werden, indem sie, willigen sie nicht ein, massiv gemobbt werden, sondern dass es niemanden, auch keine Kolleginnen und Kollegen gibt, die sagen: Hallo, so geht das nicht.

Es ist ein Teil des Problems, dass wir selbstverständlich über Sekretärinnen reden, und das Wort Sekretär entweder auf ein Möbel bezogen oder aber als Privatassistent und rechte Hand des Obermackers wahrgenommen wird, während die Privatassistentin wohl eher in den Phantasien der Menschen in hohen Hacken und kurzem Rock durchs Chefbüro stöckelt und sich ständig nach heruntergefallenen Kulis bückt.

Es ist Teil des Problems, dass Bauarbeiter Frauen nachpfeifen.

Es ist Teil des Problems, dass Kollegen Kolleginnen Schatzi nennen.

Es ist Teil des Problems, dass manche Männer ohne auch nur mit der Wimper zu zucken steif und fest (pun intended) behaupten, es sei eine Intrige der politischen Gegner, dass da auf einmal Vorwürfe der sexuellen Belästigung an die Medien gehen, statt – vollkommen ungeachtet dessen, ob eine solche Intrige dahintersteckt oder nicht – sich damit auseinandersetzen, dass es offensichtlich Frauen gibt, die sich durch ihr Verhalten belästigt gefühlt haben.

Es ist Teil des Problems, dass die Opfer solcher Übergriffe als hinterlistig und berechnend dargestellt werden, weil sie sich nicht gleich gemeldet oder die Hand erhoben haben.

Es ist Teil des Problems, dass auch Männer Opfer sexueller Übergriffe werden können, und zwar nicht nur durch männliche Täter, dass aber diese als noch hinterlistiger und berechnender als die Frauen abgetan werden.

Es ist Teil des Problems, dass Männer nicht einmal checken, dass so viel von dem, was sie tun und wie sie mit anderen Menschen umgehen, massiv belästigend ist.

Es ist Teil des Problems, wenn nicht mehr unterschieden wird zwischen Flirt und grenzüberschreitendem Verhalten.

Es ist Teil des Problems, wenn auch Frauen all das verharmlosen, anderen Frauen vorwerfen, zu dramatisieren, sich in den Vordergrund drängen zu wollen, Komplimente nicht mehr als solche annehmen zu können.

Es ist Teil des Problems, dass all das in einen großen Topf geschmissen wird, und nicht mehr differenziert auf jeden einzelnen Fall geschaut wird. Dass eine Vergewaltigung neben einen Busenblick gestellt wird, und dadurch jene Frau, die nicht will, dass ihr auf den Ausschnitt gestarrt wird, als Übertreiberin dargestellt wird.

Es ist Teil des Problems, dass Menschen immer denken, dass alle anderen so denken wie sie. Und nicht wahrnehmen, dass ihr Handeln andere verletzen kann. Und dass sie, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden, nicht einmal im Traum daran denken, ihr eigenes Handeln, ihre eigene Haltung zu hinterfragen.

Es ist Teil des Problems, dass es jeden was angeht, dass sich jeder betroffen fühlen muss, dass auch der korrekteste aller Männer, ist er mal ganz ehrlich zu sich selber, schon mal sexistische Bemerkungen gemacht, einer Frau auf der Rolltreppe auf den Hintern gestarrt, die Kollegin oder die Nachbarin oder die eigene Frau von oben herab behandelt hat.

Doch was ist Lösung des Problems?

Ein Teil der Lösung des Problems könnte vielleicht sein, dass der momentane Aufschrei tatsächlich dazu führt, dass all das, was eh nichts Neues ist, was eh immer schon so war und eh immer schon jeder gewusst hat, ein wenig aus der vermeintlichen Normalität gezerrt wird.

Damit es anders werden kann.

Indem Männer ihr eigenes #meToo finden. Und damit meinen: Auch ich bin ein Teil des Problems. Also will auch ich ein Teil der Lösung sein.

Euer Adam

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22 Kommentare zu "410 – Die sexuelle Belästigung"

  • Jetzt muss ein alter Mann etwas ausholen. Alles entwickelt sich, über Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Beispiel Homosexualität. War strafbar, weil die allgemeine Auffassung so war. Ist heute mehrheitlich (denke ich) unverständlich.
    Meine Frau und ich können heute nicht verstehen, warum wir damals unsere kleinen Kinder abends nicht mit in eine Gaststätte genommen haben. Damals war unsere Auffassung so – zum Wohle der Kinder.

    Schon vor über 50 Jahren wurde von Emanzipation geredet. Emanzipation geht aber nur in Verbindung mit Selbstbewusstsein der Frauen, sonst werden sie weiterhin von den Männern dominiert. Dieses Selbstbewusstsein hat schon bei ganz einfachen Sachen gefehlt. Eine junge Frau hat nie einen fremden Mann zum Tanz aufgefordert, erst recht nicht, wenn er auf der anderen Seite der Tanzfläche saß.

    Fragt mal alte Ehepaare, ob sie zusammen wären, wenn man auf die Initiative der Frau gewartet hätte. Meine Frau sagte nein, sie hätte nichts unternommen. Damals hat die Frau auf den Mann gewartet und wenn er aktiv wurde, sagte die Frau meistens erstmal nein. Ihr jungen Leute könnt mir glauben, dass sich das selten wie ein NEIN angehört hat. Eher jein, versuch´s noch mal. Wenn der Mann das aber wörtlich genommen hat und nichts mehr unternommen hat, hat die Frau gelästert. Selbst wenn ein Mann fragte, ob er sie küssen darf, hat sie auch oft nein gesagt, weil eine Frau das DAMALS so machte. Wenn ich gefragt habe, habe ich selten auf eine Antwort gewartet. Ich war also, nach heutiger Auffassung, zudringlich. Aber es hat sich nie eine Frau beschwert, sondern geküsst. Ich kann mich nur an eine Absage erinnern.

    Diese ganzen Einstellungen haben viele alten Männer und Frauen beibehalten. Viele ältere Frauen sagen auch heute noch nicht, wenn sie Sex wollen, selbst wenn ihnen die Lust aus den Augen quillt. Und die alten Männer haben verinnerlicht, dass sie den ersten Schritt machen müssen. In Foren, in denen auch Kontakte geknüpft werden können, schreiben auch heute noch ältere Frauen: Ich suche nicht, ich lasse mich finden. Die Frauen warten also immer noch auf die Aktivität der Männer. Natürlich wird es Fälle geben in denen die Männer nicht den richtigen Ton oder die richtige Handlung finden. Aber was ist wann richtig?

    Zum Thema NEIN ist NEIN: Beim 2. Treffen mit einer Frau hat sie mich in ihre Wohnung eingeladen. Sie wollte keinen Sex, was aber Zärtlichkeiten nicht ausgeschlossen hat. Irgendwann sagte sie: was soll´s – und wir sind ins Bett. Wenn mich später ein Richter gefragt hätte, ob die Frau am Anfang Sex ausgeschlossen hat, hätte ich wahrheitsgemäß sagen müssen: ja, hat sie. In der heutigen aufgeladenen Stimmung hätte mich eine RichterIN wegen Nötigung oder sonst etwas verurteilt.

    Zum ernsten Thema mal ein kleiner Spaß: Ich würde nie eine Frau vergewaltigen. Wir Beamte LASSEN arbeiten.

    • tja, wie du sagst, alles entwickelt sich. Und manchmal braucht es einen Aufschrei, dass eine Entwicklung in Schwung kommt. Und bitte in dieser Debatte nicht grenzüberschreitendes Verhalten mit Flirt verwechseln oder in einen Topf schmeißen. Denn auch das ist dann Teil des Problems. (werde ich wohl noch nachtragen müssen …)

      • Genau das stört mich, dass alles in einen Topf geworfen wird UND dass man mal wieder über das Ziel hinaus schießt. Vor wenigen Tagen hat die Schauspielerin Jutta Speidel im Fernsehen geschildert wie locker es beim Dreh zugeht und wie geflirtet wird. Du weiß doch wie oft im Verein oder bei der Arbeit mal ein lockerer Spruch fällt. Dabei ist es schon passiert, dass eine Frau einen einzigen Satz herauspiekt und den weiter erzählt. Das hatte mit dem lockeren Sinn nichts zu tun. Das wird jetzt noch schlimmer. (So ist es auch in der Politik).
        Ganz wichtig vorab: Dass Vorgesetzte ihre Machtstellung ausnutzen ist nicht akzeptabel. Das will ich hier auf keinen Fall rechtfertigen.

        Schon in früheren Jahren haben USA-Frauen schon nach über 10 Jahren bemerkt, dass sie vergewaltigt wurden. Ich habe gelesen, dass Männer nicht mehr alleine mit einer Frau im Fahrstuhl fahren würden.
        Beim Frauenarzt muss bei der Untersuchung immer eine Arzthelferin dabei sein. Wie selten wird dort eine Frau missbraucht und wie hoch ist dieser Aufwand?!

        Meine Frau hat schon öfter mehr oder weniger deutliche Angebote bekommen. Sie hat Argumente. Ihr schöner Busen wird \“rein zufällig\“ berührt. Ich habe ihr gesagt: Du musst den Mann fragen, ob er deinen Busen mal anfassen will. Ich wette, dass es dann vorbei ist.

        Vielleicht schreibe ich mal über das Verhalten von Frauen. Aber nur wenn ich gut drauf bin und die bösen Reaktionen verkraften kann.

        • \“Wie selten wird dort eine Frau missbraucht und wie hoch ist dieser Aufwand?!\“ Das Problem ist, dass es überhaupt zu Missbrauchsfällen kommt. Und dass (manche) Männer sich scheinbar dermaßen wenig unter Kontrolle haben, dass sie kontrolliert werden müssen, ansonsten sie missbrauchen werden.
          Ich bin selber Schauspieler und ich weiß, wie locker es auf Drehs und am Theater zugeht. Das ist aber ein himmelweiter Unterscheid zu unangemessenem Verhalten.

      • Ich hatte nur die Vergangenheit geschildert. Dieses verfestigte Denken wird sich nicht so schnell ändern lassen. Wie es bei jungen Leuten ist weiß ich nicht.
        Ändern müssen sich aber auch die Frauen. Sie müssen so selbstbewusst werden, dass sie sagen – oder zumindest zeigen – was sie wollen. Dann werden das die Männer registrieren und schätzen lernen. Vor einiger Zeit war ein schwedischer Krimi im Fernsehen. Die Kommisarin ging in eine Disco und fragte einen Mann: \“Möchtest du Sex mit mir?\“ Bis wir da sind, ist es noch weit und ich werde das nicht mehr erleben.
        Es wird oft über den guten oder schlechten Liebhaber gesprochen. Warum nicht auch mal über die schlechte Liebhaberin. Eine die sich hinlegt und wartet, dass der Mann es ihr \“besorgt\“. Ich will damit sagen, dass immer der Mann in der Verantwortung ist.

        • \“Sie müssen so selbstbewusst werden, dass sie sagen – oder zumindest zeigen – was sie wollen\“. Und sie fangen damit an, dass sie sagen, was sie nicht wollen. Und was passiert? Es wird ihnen vorgeworfen, dass sie alles übertreiben.

          • Vielleicht habe ich den Eindruck erweckt, dass ich sexuelle Belästigung rechtfertigen will. Das will ich nicht. Ich hatte geschrieben, dass Vergewaltigung und Ausnutzung einer Machtposition nicht akzeptabel sind.
            Ich bin bei wichtigen Themen sehr ernst, aber bei nicht so wichtigen Sachen sehr locker, auch mit lockeren Sprüchen. Wenn diese Sprüche grenzwertig sind, dann bin ich nie alleine mit einer Frau. So habe ich kürzlich zu einer Nachbarin, die jetzt ihre ganz grauen Haare offen trägt, gesagt: \“Wenn meine Frau nicht dabei wäre, würde ich sagen, dass du mir jetzt gut gefällst\“. Aber meine Frau und ihr Mann waren dabei. Jetzt stelle ich vor vor, man zitiert nur diesen einen Satz.

            Aber auch Frauen machen Männer an, pfleifen ihnen nach. Vor allem in der Industrie bei eintöniger Arbeit kann kaum ein Mann unbemerkt durch den Saal gehen. Ich sehe das einfach nur als Spaß. Wenn eine Frau einen Korb bekommt, nimmt sie meistens nachtragend, während Männer zur nächsten Biene summen.

            Wenn diese Beschwerden übertrieben werden, dann ist sicherlich gemeint, dass es jetzt Frauen gibt, die sich schon beschwert haben, wenn ein Mann auf den Busen schaut. Warum wird er vergrößert und zur Schau getragen als ob der Busen eine persönliche Leistung wäre?

          • ich habe nicht gedacht, dass du sexuelle Belästigung rechtfertigen willst. Und du schilderst ja selber verschiedene Situationen, in denen es mal ok ist, mal eben auch nicht. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass wir alle unsere Sensibilität dafür erhöhen müssen, dass eben nicht jede Situation von jedem gleich gesehen wird. Und deswegen manches auch anders aufgefasst werden kann. Wenn sich beschwert wird, ist das ein Zeichen, dass dies bisher leider nicht (oder zu wenig) zur Anwendung kam.

  • Ich habe eine Frage an den Psychologen: Ist es zutreffend, dass ein Vergewaltiger Macht ausüben will? Dazu braucht er aber die Gegenwehr seines Opfers. Wenn nun die Frau sagen würde: „Sei nicht so grob, ich will doch auch!“ Was würde der Vergewaltiger machen? Würde er vielleicht verschwinden?
    In einem Fernsehfilm war die Frau noch geschickter. Sie hat sich auf den Mann gesetzt, mit dem Rücken zu seinem Gesicht, sich einen Stein gesucht und zugeschlagen.

    • Macht ist ein Aspekt bei einer Vergewaltigung. Das einfach zu umzudrehen, wie du es vorschlägst, funktioniert allerdings (aller Wahrscheinlichkeit nach) nicht. Davon abgesehen: Welcher Mensch ist denn in einer solchen Situation noch dazu imstande, so klar und rational zu denken und zu handeln?

  • Ich bin ein Mann – also Teil dieses Problems? Nur weil man (n) in ein Geschlecht geboren ist das offensichtlich zu einer Gruppe von impulskonntrollgestörten, machtausübenden Vollidioten gehört, kann man Männer nicht pauschal über einen Kamm scheren. Das wird jedoch, meiner Meinung nach, in diesen Debatten gemacht. Und noch ein Teil dieses Problems ist die Sexsuchtindustrie. Ja richtig gelesen. Die meisten dieser impulskontrollgestörten und machtbesessenen Männer nehmen doch genau diese – erfundene Sexsucht – als Ausrede für ihr Fehlverhalten. Und schon meinen sie, dass sie von etwas geheilt werden können. Nein. Genau das ist ein Teil des Problems: man (n) muss sich da keine Gedanken um seine eigenen Fehler machen, sondern schiebt es eben auf eine angebliche Suchterkankung, die es jedoch nicht gibt. Damit muss er sich keine Gedanken mehr machen, dass er selbst das Problem ist. Auf der anderen Seite ist es auch Teil dieses Problems, dass mitlerweile die „normale“ männliche Sexualität verkannt und verteufelt wird. Und ein weiterer Teil des Problems ist die Hysterie drumherum, die mit dieser Debatte entstanden ist. Und ein großer Teil dieses Problems sind auch die Medien und die Werbung. Aber die Teile dieser Probleme scheinen noch nicht mal die Frauen selbst mehr sehen zu können oder wollen, jegliches Verhalten, das deutungsweise in eine sexuelle oder machtausübende Richtung geht, aber objektiv gesehen nicht ist, wird als großes Problem dargestellt. Irgendwann, ab einem bestimmten Punkt, sollte man/frau auch mal die Kirche im Dorf lassen. Denn: all zu schnell gehen die tatsächlich großen Probleme unter und es wird nur von den wahren Problemen abgelenkt, indem man sich auf vermeintliche Probleme konzentriert, die gar keine Probleme sind, sondern nur zu einer funktionierenden zwischenmenschlichen Kommunikation gehören.

    • Offensichtlich wird gerade aufgezeigt, dass die zwischenmenschliche Kommunikation seit sehr Langem eben nicht funktioniert. Und dann ist genau das das Problem.
      Was die Sexsucht angeht: Diese Krankheit gibt es tatsächlich, aber das hat absolut gar nichts mit denen zu tun, die du ja auch meinst, die sich hinter diesem hippen Begriff verstecken und im Grunde auch noch cool vorkommen dabei. Deren Störung ist ganz eine andere. Und ja, das wird noch durch Medien und so weiter unterstützt. Ubd die tatsächlich Sexsüchtigen fühlen sich verarscht, weil die leiden wirklich.

      • Da geb ich dir recht: Die zwischenmenschliche Kommunikation funktioniert offensichtlich schon sehr lange nicht mehr. Und da bin ich mir noch nicht ganz sicher, woher dieses Problem rührt. Ich sehe jedoch eine starke Korrelation – bitte nicht mit Kausalität verwechseln (Anm. für so manchen Leser) – mit der pseudoanonymen Internetkommunikation und den diversen neuen Medien. Aber das ist nur ein Puzzleteil von vielen, da gerade in dieser Debatte aufgezeigt wird, dass die Unfähigkeit einiger Männer, aber auch Frauen, Grenzen anderer nicht zu überschreiten, schon sehr lange fehlt. Was man auch bemerkt: die meisten dieser Täter haben eine Position inne, die mit Macht korreliert. Macht über andere.

        Zur Sexsucht: da widerspreche ich dir. Sexsucht ist meiner Meinung nach eine erfundene Erkrankung, die leider die dahinter steckenden psychischen und physischen Erkrankungen ignoriert. Ich glaube nicht an eine klassische Sucht wie bei stofflichen Süchte. Jegliche Verwendung der Suchterkrankung bei nichtstofflichem „Suchtverhalten“ ignoriert meiner Meinung nach die wahren Ursachen hinter einem bestimmten Verhalten – z.B. Zwänge, die wiederum oft ihre Ursachen in Ängsten haben. Und da steckt das Dilemma nämlich im Detail. Viele Psychiater und Psychologen wenden für „Verhaltenssüchte“ eine Suchttherapie an, die niemals helfen kann, da die Verwendung einer Suchtdiagnose und die darauf aufbauenden Therapien nicht dafür geeignet sind, die wahren Ursachen zu behandeln – es werden eh zu oft nur die Symptome behandelt, jedoch oft deren Ursachen nicht.

        Zu #metoo: Ist es denn ein Wunder, dass Grenzen überschritten werden? Nein. Ich denke da an die absolut unmenschlichen Gesetze, die bis weit ins 20. Jahrhundert hinein reichten. Stichwörter: Wahlrecht der Frauen, juristische gesetzliche Behandlung der Vergewaltigung in einer Ehe und so weiter. Und was hat man nach den Gesetzesänderungen gemacht? Nichts. Eine anständige öffentliche Debatte bleibt meist aus. Man sah und sieht es an der Werbung. Immer noch heißt die Devise „Sex sells“ – und das auf Kosten der Frauen. Schon mal einen Mann in einer Zahnpastawerbung gesehen der sich genüsslich die Zahnbürste in die Goschn steckt und danach halb zugedrönt wirkend mit der Zunge über Zähne und Lippen streicht? Nein? Ja eben. Natürlich will ich auch die Kirche im Dorf lassen. Aber bei solch kleinen Dingen fängt es an. Aber man darf nicht in die Falle treten und daraus eine Hysterie enstehen lassen. Nur eben mal solch kleine Dinge im Hinterkopf behalten. Und was mich an der #metoo Debatte stört ist, dass Männer über einen Kamm geschert werden, die Täter über einen Kamm geschert werden, die ganze Debatte mal wieder über neue Medien losgestoßen wird, teilweise jegliche menschliche Interaktion, die auch mal sehr dumpf und dumm sein kann, mit sexueller Gewalt, sexueller Nötigung und schwere Vergewaltigung vermischt wird. So kann und darf eine Debatte nicht geführt werden. Und ich sehe da auch einen Teil des Problems in selbsternannten Feministen, die anscheinend nicht mehr blicken, worüber man eigentlich spricht.

        Ich verabscheue jegliche Gewalt, ob physisch, psychisch, sexueller Natur, ich wünsche mir eine Welt, in der Grenzen geachtet, respektiert und eingehalten werden, eine friedliche und gleichberechtigte Welt. Aber ich finde den Feminismus, wie er heute ist, einfach nur furchtbar und teilweise unmenschlich – verstehe aber auch, dass wohl viel Hass gegen Männer dahinter steckt und ganz ehrlich: den sexpositiven Feminismus und die ganze Sexindustrie dahinter finde ich nur noch Banane und völlig zum Fremdschämen. Stichwörter : Masturbations-Workshops, Sex-Workshops und die ganzen diversen Kurse. Und noch ein Teil dieses Problems ist, dass viele Frauen ihren Mund nicht dann aufmachen, wenn es angebracht wäre. Ja hergott, wenn man die Goschn nicht früh genug aufmacht, dann ändert auch ein #metoo nichts. Ich hoffe jedoch, dass vielleicht doch was angestoßen wurde, glaube aber leider, dass sich nach der medialen Hysterie alles wieder im Sande verläuft und Männer als auch Frauen so weiter machen wie bisher. Die Vollidioten unter den Männern belästigen weiter – suchen sich ihre Ausrede in einer vermeintlichen Sexsucht und diversen anderen Ausreden – und die Frauen fangen wieder ihr Schweigen an. Ich hoffe für all die Frauen, dass sie endlich den Mut und die Kraft finden, sich gegen solche Idioten zu wehren. Ja liebe Frauen: oft wirkt da auch mal ein fester beherzigter Dritt voll in die Glöten. Auch wenn ich gegen jegliche Gewalt bin, aber manche „Großen Arschlöcher“ verstehen keine andere Sprache. Und vor allem: gleich eine Anzeige, wenn es strafrechtlich relevant ist. Und nicht erst in 30 Jahren, wenn mal wieder ein #metoo oder dann vielleicht ein #again geboren wird.

  • Zur Sexsucht: zufällig ist das eines meiner Arbeitsgebiete. Ich WEISS, welche Therapien bei Nicht-substanzgebundenen Süchten tatsächlich helfen, und zwar die Ursachen anzugehen, denn das mach Pdyhotherapie. Hier Zwänge und Ängste und sonstiges in einen Topf zu schmeißen, ist gefährlich.

    Zu: „ich hoffe für alle Frauen, dass sie endlich den Mut und die Kraft finden, sich gegen solche Idioten zu wehren“ eben, das ist genau das, was jetzt passiert.

    Zu „und nicht erst in 30 Jahren…“ das hat seinen Grund, dass viele Frauen jetzt etwas sagen, weil sie jetzt endlich das Gefühl haben, auch gehört zu werden. Was die letzten 30 Jahre nicht der Fall war.

    • Zur Sexsucht: Ich möchte Zwänge und Ängste in Bezug auf die Diagnose „Sexsucht“ und allgemein nicht in einen Topf werfen. Das wäre tatsächlich gefährlich. Nur: Ängste schaffen Zwänge und Zwänge schaffen ein Verhalten, das suchtartig anmutet. Außerdem habe ich das als Beispiel angeführt und wollte das nicht in einen Topf werfen. Ich möchte damit auch nicht deine Kompetenz angreifen – ich bin nur ein Laie, der sich seine eigenen Gedanken zu dem Thema macht. Mich stört an einer solchen Diagnose a) Sexualität wird allgemein zu schnell patologisiert, statt die tatsächlichen Ursachen für ein evtl stark abweichendes Sexualverhalten zu sehen (warum hat dieser oder jene Mensch ein solches Sexualverhalten?) b) viele (nicht alle) Psychiater / Psychologen / Therapeuten verwechseln eine starke oder sehr starke Libido mit Sucht (ein Beispiel, warum ein Mensch „sexsüchtig“ sein kann, ist aber noch lange nicht patologisch. Wird in der Öffentlichkeit aber so dargestellt) c) dient diese Diagnose leider viel zu oft als Ausrede für abartiges und kriminelles Sexualverhalten und wird dementsprechend auch vor Gericht in alle Richtungen missbraucht. In der wissenschaftlichen Debatte ist Sexsucht außerdem sehr umstritten.

      Zu #metoo: da gebe ich dir recht. In den letzten 30 Jahren wurden die Frauen viel zu wenig gehört. Aber: jetzt wie damals gibt es einen Teil des Problems: Falschbeschuldigerinnen. Das finde ich ein riesen Problem, denn diese kriminellen Frauen sind es, mit denen die wahren Opfer leider all zu oft als unglaubwürdig hingestellt werden. Und ein Teil des Problems ist ganz schlicht: Aussage gegen Aussage – niemand war dabei.

      • Jede Art von Sucht ist im Grunde nur Symptom. Und die Behandlung jeder Sucht sollte eben nicht nur die Symptome bekämpfen, sondern auch die Ursachen ergründen und behandeln. Bei substanzgebundenen Süchten kommt noch die Entwöhnung dazu. Allerdings zeigt auch der Entzug bei nicht-substanzgebundenen Süchten sehr oft körperliche Entzugserscheinungen. Zwanghaftes Verhalten ist durchaus unterschiedlich zu Suchtverhalten, auch wenn der Betroffene jeweils das Gefühl hat, es nicht kontrollieren zu können. Zwänge resultieren eher aus Unsicherheiten und dem Willen, Kontrolle wiederzuerlangen, als aus Ängsten, die eine ganz eigene Symptomatik zeigen. Aber immer gilt: es müssen die Ursachen angegangen werden. Und es ist keine Seltenheit, dass sehr ähnliche Ursachen bei einem Betroffenen zu Zwängen, beim nächsten zu Ängsten, dann wieder zu Depressionen und schließlich auch zu Süchten führen. Und welche Sucht dann zum Vorschein tritt, ist wieder individuell unterschiedlich, oft auch unabhängig von substanzgebundenen oder nicht-substanzgebundenen Süchten. Es ist tatsächlich keine Seltenheit, dass eine Sucht aus dem einen mit einer aus dem anderen Bereich ersetzt wird. Weil das zugrundeliegende Suchtverhalten als vermeintliche Bewältigungsstrategie welcher Ursache auch immer bleibt.
        Aber jetzt genug doziert

  • Zu der #MeToo-Debatte ist im Focus 03-18 der Bericht von Catherine Deneuve wörtlich gedruckt. Leider nicht online.
    Ein Auszug: „Geradezu lächerlich ist es, dass ein Gesetzesprojekt in Schweden eine explizite Zustimmung der beiden Partner zu einem sexuellen Akt vorschreiben will: Zwei Erwachsene, die zusammen schlafen wollen, müssen vorher auf eine App ihres Telefons gehen und dort dokumentieren, welche Praktiken sie akzeptieren und welche sie verweigern.“
    https://www.welt.de/debatte/article172370654/Danke-Catherine-Deneuve-fuer-den-MeToo-Brief.html
    https://www.tz.de/stars/brigitte-bardot-wirft-schauspielerinnen-in-metoo-debatte-scheinheiligkeit-vor-zr-9535780.html
    BB betont sie selbst sei nie sexuell belästigt worden. Komplimente für ihr Aussehen habe sie immer genossen.
    Wenn also BB nie belästigt wurde, wer dann? Wenn mir in meiner frühen Jugend die BB Sex angeboten hätte, wäre ich wahrscheinlich bis nach Paris gefahren.

    • Zu Schweden: genau so gibt es Berichte, in denen sich dortige Politiker dazu äußern, wie missverstanden und missinterpretiert ihr vorhaben war. So ist die besagte app lediglich ein Trittbrettfahrer.
      Zu Deneuve: an anderer Stelle hat sie sich für ihre Haltung entschuldigt.
      Zu BB: Nur weil eine schöne Frau sagt, sie sei nicht belästigt worden, sagt das genau nichts über auch nur eine andere Frau aus. Vollkommen unabhängig ihres Aussehens.

  • Der Bericht https://www.adamspricht.com/418-die-treue/ hat mich an die sexuelle Belästigung erinnert.
    Während einer Kur wollte ich eine Frau zu einem verabredeten Spaziergang abholen. Ganz ehrlich! Als ich in ihr Zimmer kam, lag sie im Bett und sagte, sie habe ihre Tage. Irgendwie hat sie mich zum Nachsehen gebracht. Es war nicht so und ich bin zu ihr ins Bett. Ich bin ja ein hilfsbereiter Mensch.
    Später hat sie mir gesagt, dass ich der erste Mann war, mit dem sie fremd gegangen sei.

    Ich stelle mir vor, sie habe sich bei ihrem eifersüchtigen Mann verplappert und der hätte mit Scheidung gedroht. Sie hätte dann gesagt, sie sei vergewaltigt worden. Meine berufliche Laufbahn wäre am Ende gewesen.

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