Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

130 – Das Pflaster auf der Nase

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Liebe Frauen,

auch heute möchte ich nochmal aus dem Orient berichten, genauer: aus Teheran.

Wenn ich so durch die Straßen geh, durch Basare und Parks, fällt mir eines immer wieder auf: Sehr viele junge Frauen haben ein Pflaster auf der Nase. Und wenn ich „viele“ sage, meine ich das auch, es waren sehr viele, sonst wären sie mir nicht so aufgefallen.

Nun stelle ich mir natürlich die Frage, die Ihr Euch stellt: Warum, bitteschön, haben die ein Pflaster auf der Nase?

Der erste Gedanke ist ein falscher. Zumindest wenn der erste Gedanke ist: Naja klar, in einer solch frauenfeindlichen Gesellschaft haben die Männer auch kein Problem damit, ihre Angetrauten zu schlagen, mitten ins Gesicht, und sie dann, der weiteren Erniedrigung zuliebe, auch noch zu zwingen, ihre Schande in aller Öffentlichkeit zu präsentieren. Dem ist nicht so. Auch wenn die Männer nicht ganz unschuldig am Pflaster sind, wie ich mal vermute.

Die Pflaster sind Zeugen von Operationen. Ja, genau, von Schönheitsoperationen, weil sich persische Frauen gerne mal ihre persische Nase verkleinern lassen. Nun möchte ich mich nicht darüber auslassen, dass das doch blöd ist, können doch auch die größten Hakennasen wunderschön sein, denn das können sie, aber, wie wir ja alle wissen, Geschmack ist jenes Ding, über das sich trefflich streiten lässt. Wie auch immer: Persische Frauen scheinen ihre großen Nasen eher nicht zu mögen. Stattdessen beneiden sie die westlichen Frauen um ihre Stupsnasen. Oder ihre kleinen Nasen. Oder zumindest ihre kleineren Nasen. Und um diesem Ideal näher zu kommen, lassen sie sich halt ihre eigenen verkleinern.

Natürlich ist auch bei uns der Gang zum Schönheitschirurgen längst weit verbreitet, doch neigen westliche Frauen doch eher dazu, sich zu verstecken, so lange man noch deutlich erkennt, dass da ein Mediziner Hand angelegt hat, um dann, und sei es vor laufender Kamera, Stein und Bein zu schwören, dass sie nie nie nie etwas haben an sich machen lassen.

Persische Frauen stehen dazu. Ich glaube sogar, dass sie stolz darauf sind, sie wollen, dass jeder sieht: Ich hab mir die Nase machen lassen. Weil ich mir das leisten kann. Oder weil mein Mann sich mir das leisten kann. (Als Hochzeitsgeschenk zum Beispiel, weshalb ich behauptet habe, dass Männer durchaus ihre Finger im Spiel haben.)

Bedenken muss man nun, dass Frauen in Iran ihr Gesicht sehr wichtig ist. Sicher wichtiger als Frauen in Europa. Und zwar, weil ihr Gesicht das ist, was sie herzeigen können. Sie sind ja gezwungen, sich zu verhüllen, übers Kopftuch habe ich ja bereits letzte Woche geschrieben. Noch gar nicht erwähnt habe ich, dass sie eigentlich auch einen knielangen Mantel tragen müssen. Gut, auch da wird ausgereizt, was auszureizen ist, und so wandert die Kniegrenze schon mal bis knapp unter den Hintern, was natürlich aufmerksam sittenwächtende Polizisten auf den Plan rufen kann, aber nackte Beine geht natürlich absolut ganz und gar nicht. Oder nackte Arme, oder Kleidung, die in irgendeiner Weise den Körper zu sehr betont. Bleiben also nur mehr die dreißig Zentimeter Gesicht. Und daraus wird gemacht, was möglich ist. Deswegen ist es auch üblich, dass Frauen in Teheran für unseren Geschmack vollkommen überschminkt sind. Rote Lippen, rote Wangen, betonte Augen und mehr als einmal eine künstlich ins Gesicht gezauberte Blässe, da erblasst selbst der blasseste Albino noch, ohne an die Iranerinnen heranzukommen. Und mitten drin die Nase, auf die jeder schaut. Und die, wenn sie so überdimensional groß ist, auch noch jede Aufmerksamkeit auf sich lenkt.

Und was sagt uns das?

Es sagt uns, dass der Drang, anderen Menschen, vornehmlich dem anderen Geschlecht, zu gefallen, einfach nicht zu unterdrücken ist. Und jeder sucht sich im Rahmen seiner Möglichkeiten seinen Weg, diesem Drang zu folgen. Und das ist gut so. Denn im Endefekt geht es gar nicht so sehr darum, den anderen zu gefallen, sondern sich selbst. Und sich über Regeln hinwegzusetzen. Und sich eben nicht unterdrücken zu lassen. Deshalb ist ein Pflaster im Gesicht ein Ausdruck der Rebellion, des Induvidualismus, der Freiheit. Und die lob ich mir.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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