Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

131 – Der Gentlemacho

| 6 Kommentare

Liebe Frauen,

ach, ja, wie beklagt Ihr Euch doch über die Männer hierzulande, die es einfach nicht mehr verstehen, Gentlemen zu sein, die keine Türen mehr aufhalten und galant in die Mäntel helfen und selbstverständlich das Essen zahlen. Und was ist ihr Argument, für diese Unachtsamkeiten? Genau, der Feminismus: Ihr wollt doch emanzipiert sein, oder nicht? Dann könnt Ihr das auch alles selber. Und was denkt Ihr Euch: Machos.

Deshalb möchte ich auch heute noch einmal eine kleine Beobachtung aus dem fernen Teheran zum Besten geben, dort wo Männer per Gesetz Machos sein dürfen und Frauen schön brav hinterherzudackeln haben.

Stell Euch vor, Ihr fahrt in der Ubahn, überfüllt. Und natürlich habt Ihr keinen Sitzplatz mehr ergattert. Und? Steht auch nur ein Mann auf, um Euch seinen Platz anzubieten? Natürlich nicht. Es sei denn, Ihr seid alt und gebrechlich. Und weil Ihr wisst, dass das der einzige Grund ist, warum ein Mann für Euch seinen Hintern erheben würde, wollt Ihr gar nicht, dass sich einer mühsam aus seiner Sitzschale schält, denn das würde ja bedeuten: Er findet Euch alt und gebrechlich. Und das wollt Ihr ja nicht sein. Oder? Eben.

In Teheran ist das anders. In Teheran ist die Ubahn grundsätzlich überfüllt und die Strecken sind lang, denn Teheran ist groß. Und tatsächlich gibt es in den Ubahnen Frauenwaggons, also Abteile, in denen Männer (theoretisch zumindest) keinen Zugang haben. Diese sind aber auch überfüllt. Und die Frauen haben in diesem Fall auch mal die Wahl: Sie dürfen die Frauenabteile benutzen, müssen aber nicht, sie können sich auch unter die Männer begeben. Nun bin ich aber nicht alleine hier in Iran, sondern mit einer lieben Kollegin. Mit der ich also auch Ubahn fahre. Die also auch die gemischten Waggons benutzt. Und was passiert? Die Männer stehen auf für sie. Ja, tatsächlich, es ist üblich, dass Männer, egal welchen Alters, wenn sie sie sehen, höflich ihren Platz anbieten. Was für fußmüde Touristinnen besonders angenehm ist. Für mich übrigens auch, denn die ganz ganz netten Männer, die dann neben ihr zu sitzen kommen, stehen auch für mich auf, damit ich neben meiner Frau sitzen kann. Sie ist nicht meine Frau, aber ich unterstelle diese Wahrnehmung jetzt einfach mal. Find ich gut. Anfangs habe ich gedacht, das liegt daran, dass die Männer nicht neben einer ihnen fremden Frau sitzen wollen. Ist aber nicht so, denen ist das wurscht. Manchmal sogar nicht, denn dann finden sie es offensichtlich irgendwie gut, ganz unauffällig eine Frau zu berühren, der sie Platz machen, die nicht ihre ist, eine Fremde, eine aus dem Westen, und was man von denen hört, das muss ja stimmen, die sind alle frei und freizügig und…

Und wenn mal wirklich kein Platz mehr da ist, dann rücken die Männer zur Seite, damit die Frau bequem neben der Tür stehen kann, dort, wo am wenigsten Gedränge ist, wo sie nicht ständig von irgendwelchen Männern angerempelt werden kann.

Na ist doch nett, oder?

Schon.

Und trotzdem muss ich mir meine Gedanken darüber machen.

Und irgendwie werde ich die Idee nicht los, dass auch das im Endeffekt ein Zeichen des Machismus ist. Höflicher Machismus, ja, Machismus, den man durchaus auch mal genießen kann, von mir aus, aber eben doch. Denn die Frau ist schwach, die Frau kann nicht so lange stehen, sie muss beschützt werden, und sei es vor den vielen anderen Männern, die nicht so gesittet sind wie man selbst.

Persische Männer, so zumindest meine Beobachtung, haben erstmal Hemmungen, mit fremden Frauen in Kontakt zu treten. Haben sie es aber einmal getan, sind sie so unendlich charmant, dass man im Westen nur mehr von schamlosem Flirten sprechen würde.

Solltet Ihr, liebe Frauen, in einem solchen Fall also die Höflichkeit, mit der man Euch begegnet, in den Wind schlagen, weil sie ganz andere Hintergründe hat?

Ich sage: Nein. Ihr wisst, wie stark Ihr seid, dass Ihr Euch nicht verstecken müsst, dass Ihr dem Manne aber sowas von nicht untergeordnet seid. Also nehmt es an und genießt es. Und sagt den hiesigen Männern, sie könnten sich ruhig mal ein Scheibchen davon abschneiden. Sofern sie nicht zu efrauzipiert sind dafür.

Euer Adam

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6 Kommentare

  1. Ich versuche höflich und hilfsbereit zu sein. Bei Frauen wie bei Männern.
    Dafür, dass ich keinen Unterschied mache, haben Frauen Jahrzehnte lang gekämpft.

  2. du bleibst also dabei, dass man komplimente machen soll, obwohl deine erfahrung, wie du sie in dem komplimente-text beschreibst, nicht so toll waren? find ich gut ;-)

  3. nun, wenn sich die wahren (und deswegen vielleicht tatsächlich altmodischen) gentlemen, wie du einer bist, durch meine kleine spitze dazu aufgerufen fühlen, zu beweisen, dass es sie noch gibt, die menschen, die aus tiefster überzeugung und hochachtung dem anderen menschen gegenüber, nett zu sein, so soll mir das gerade recht sein. denn komplimente machen soll man, wie ich bereits in diesem kleinen text ausgeführt habe: http://www.adamspricht.com/48-das-kompliment-teil-2/

  4. wenn ich jemandem (sei es drum dass dieser jemand weiblich ist) etwas Nettes tun will, dokumentiere ich damit, dass er/sie dieser Nettigkeit unbedingt bedarf? Wäre schade und dumm, das so zu sehen. Also lerne ich gerne von den Männern im Macholand und flirte schamlos, was das Zeug hält … und ballere die starken Weibchen mit süßen Komplimenten zu, die alle immer ernst gemeint sind, weil ich – oldschooled wie ich bin – immer etwas Wunderbares an (fast) jeder Frau finde …

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© Raoul Biltgen

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