Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

180 – Der perfekte Kuss

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Liebe Frauen,

Bild: Félicien Rops

kaum kündige ich an, über den Kuss zu schreiben, erwarten natürlich alle, dass ich die ultimativen Tipps gebe, wie man und frau zu küssen haben. Und was tu ich? Ich philiosophiere da um den heißen Brei, mache mir Gedanken über den möglicherweise biologischen Hintergrund des Kusses und so weiter, alles graue Theorie, nichts für die Praxis, nichts für die Umsetzung, nichts, womit man auch was anfangen kann.

Deswegen, liebe Frauen, um der über mich hereinprasselnden Häme in Form von Beschwerdebriefen Herr zu werden, folgt nun die Anleitung zum perfekten Kuss.

Also.

Zum perfekten Kuss braucht man zwei Menschen an der Zahl. Einer ist einer zu wenig, drei sind zwar eine Alternative, sind aber dem perfekten Kuss nicht dienlich, sondern lediglich für Varianten, die auch spannend sein können, zu gebrauchen. Diese beiden Menschen also, deren Geschlecht ausdrücklich egal ist, lediglich gegenseitig den Vorlieben des anderen Beteiligten entsprechen sollten, führen nun ihre Lippen zueinander. Bis sie sich berühren. Sanft. Zärtlich. Weich. Warm. Der Druck der Lippen aufeinander werde erhöht. Der Kopf neige sich ein wenig, so dass die Nasen nebeneinander zu liegen kommen, die Lippen öffnen sich, zuerst auch nur ein wenig, dann mehr, bis schließlich die Zunge ihren Weg aus dem eigenen Mund zu dem des Partners oder der Partnerin findet und dort um Einlass bittet.

Dann kreise man wild und schmatzig und laut und sabbernd mit den Zungen rum, bis das ganze Gesicht nass ist, und gut ist.

Das habt Ihr jetzt nicht erwartet, oder?

Und was sagt Ihr, wenn ich jetzt tatsächlich darauf beharre, dass genau dies der perfekte Kuss ist?

Dann denkt Ihr Euch: Ist auch nicht mehr der Alte, der Adam, verliert sich irgendwie. Oder: Naja. Genau, das ist es wahrscheinlich, was Ihr denkt: Naja.

Gut so, denn damit seid Ihr wieder auf meiner Wellenlänge. Nein, der oben beschriebene Vorgang ist nicht das, was ich als perfekten Kuss beschreiben würde. Mein Problem aber ist, dass ich den perfekten Kuss gar nicht beschreiben kann. Nicht einmal für mich. Manchmal ist der perfekte Kuss tatsächlich wild und ungestüm. Und auch nass. Manchmal ist er sehr sanft, fast unschuldig, ja, selbst die Zunge bleibt ganz brav zuhaus. Und so wie für mich jede Art des Kusses mal eher blöd, mal aber auch unglaublich toll sein kann, wird es wohl jedem ergehen.

Weshalb mir eigentlich nur zu sagen bleibt, was man, vielleicht, unterlassen kann: Man sollte nicht glauben, dass es den perfekten Kuss gibt, denn wenn man das denkt, strebt man immer nur nach diesem einen und einzigen Kuss. Statt sich auf den Moment einzulassen, nachzuspüren, was man selber grad für einen Kuss will, geben und empfangen, und was der Partner oder die Partnerin für einen Kuss will, geben und empfangen. Will man den perfekten Kuss, ist die Chance groß, dass man ihn nie küssen wird. Denn der perfekte Kuss kommt dann, wenn man ihn am wenigsten erwartet. Und das Schöne ist: Er kann sich jederzeit und vollkommen anders wiederholen und wieder absolut perfekt sein.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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