Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

283 – Die nackte Haut

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Liebe Frauen,

die Sonne scheint, also zeigt sie her, Eure Haut.

Bild: John William Godward

Oder kriege ich jetzt gleich Schelte, weil es Euch doch gar nicht darum geht, Eure Haut herzuzeigen, wenn mit Herzeigen gemeint ist, dass Ihr das nur tut, damit wer anderer hinschaut, Männer, dass Männer Euch anschauen, dass Männer Eure Haut anschauen, Eure nackte Haut, Eure Rücken und Bäuche und Beine. Und gegenebenfalls Brüste. Weil Ihr Eure Haut nicht für wen anderen – und schon gar nicht für Männer – nackt macht, sondern nur für Euch. Weil es warm ist und weil Ihr Euch wohler fühlt, logischerweise, wenn da weniger Stoff an Euch rumhängt. Oder: Weil Ihr Euch wohler fühlen würdet, wären da nicht die gaffenden Männer, die sich nichts dabei denken, und schon gar nicht, dass Euch das nicht passen könnte, dass sie Euch angaffen, Eure nackte Haut, wie wenn Ihr es doch nur für sie tun würdet.

Also die Frage: Für wen tut Ihr es?

Oder die Frage: Ist schauen erlaubt?Wie ist das, wenn man in die Öffentlichkeit tritt, und das beginnt, wenn man aus den eigenen vier Wänden auf die Straße tritt, darf sich dann die Öffentlichkeit alles ansehen, was nicht in den eigenen vier Wänden geblieben ist? Verliere ich mein Recht, mich nicht anstarren zu lassen, wenn ich da bin, wo andere sind? Oder sollen sich andere gefälligst wegdrehen, wenn ich komm? Weil niemand hat das Recht, mich anzuschauen. Ganz im Sinne von: Wenn die nicht will, dass ich ihr auf die Beine schau, dann soll sie mit den nackten Beinen zuhause rumlaufen und nicht vor meinen Augen.

Oder geht es weniger darum, dass wer schaut, sondern wie wer schaut? Wie ein Mann schaut? Ist es ein flüchtiger Blick, dann ist es ok, kann er aber denselben nicht mehr abwenden, dann haben wir ein Problem? Und wenn dann noch die Augen glänzen und der Sabber rinnt … Nein, soweit müssen wir jetzt nicht gehen. Oder kommt es sogar darauf an, wer es ist, der schaut? Der eine darf, der andere nicht? Und woher weiß dann welcher Mann, ob er darf oder nicht? Ob er bei der einen Frau darf und bei der anderen nicht. Und wer ist das dann? Nette Männer dürfen? Schöne Männer dürfen? Männer, denen auch Frauen hinterherstarren würden, dürfen? Jene, die nicht so schauen, als ob sie eine Wichsvorlage anschauen würden, dürfen? Jene, die noch den Menschen sehen, statt nur die Haut, die nackte Haut? Eure nackte Haut.

Jetzt habe ich doch recht viele Fragen gestellt.

Und keine beantwortet.

Weil ich nicht finde, dass ich sie beantworten sollte.

Aber Ihr.

So. Aufgabe. Los.

Müsst Ihr Euch das gefallen lassen, dass Ihr angeschaut, -starrt, -gafft werdet, nur weil es Sommer ist und Ihr bauchfrei, schulterfrei, rückenfrei rumlaufen wollt?

Oder müssen sich die Männer verfickt nochmal zurückzuhalten lernen?

Oder – uh, neuer Gedanke – tut Ihr es dann doch, und sei es nur zu einem Teil, gerade weil Ihr wollt, dass wer schaut? Weil Ihr stolz seid auf Eure Beine, auf Euren Rücken, auf Euren Bauch?

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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