Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

293 – Die Behaarten

| 4 Kommentare

Liebe Frauen,

es gibt da auf facebook eine lustige Zeichung, die die Runde macht: Je weniger Schambehaarung die Frauen im Laufe der Jahrzehnte aufweisen durften, desto mehr Bart haben sich die Männer gegönnt.

Und ich stelle tatsächlich einen seltsamen Umgang mit Körperbeaarung fest. Denn während wir Männer nun alle lumbersexuell sein müssen, also wie kanadische Holzhacker im Karohemd und struppig-schönem Bart durch die Wälder stolzieren und Forellen aus kalten Flüssen angeln müssen, ist es tatsächlich endlich soweit, dass es auch die erste Werbung für einen Körperrasierer für Männer gibt. Frauen kennen das ja schon seit vielen Jahren: Beine müssen glatt sein, weil sonst sind sie pfui, Achseln sowieso, Damenbart gilt als das Unweiblichste überhaupt, nur das Haupthaar, ja, das muss lang sein und in der Abendsonne glänzen und im Wind geschüttelt werden und mit Jojobaöl gepflegt bis zum Gehtnichtmehr. Männer aber hatten nur glattrasiert zu sein. Beine wie Affe, Rücken wir Igel, Brust wie Weizenfeld, alles wurscht. Und das Fell rund um Pimmel und Eier? Es darf wachsen, was wachsen darf. Während bei den Frauen brasilianisch gewachst wird, bis es schreit. Und plötzlich sind auch noch die Bärte schick. Da muss sich die Werbeindustrie also was einfallen lassen, um die Rasiermesser an den Mann zu bringen. Den restlichen Körper abmähen, da gibt es ja genug davon.

Die Frage aber ist: Ist es wirklich die Werbeindustrie, die es vorgibt? Oder reagiert sie nur, steigt auf trends auf und versucht, Kapital daraus zu schlagen?

Ich muss zugeben, dass ich keine Antwort darauf habe. Ich verstehe es nicht. Während der üppige Bartwuchs und das damit verbundene Bild des vor Gesundheit und Naturverbundenheit strotzenden Holzfällers eher mal wieder auf die Schiene „ein Mann mus ein richtiger Mann sein“ aufspringt, wäre doch auch der Brustpelz ein Zeichen genau dafür, nein?

Scheinbar nicht. Da folgt man dem Ideal des bodybuilders, der jedes Haar am Körper wegzupft, weil es die Inszenierung der ins ölige Licht gesetzten Muskeln stören könnte. Aber mir ist bis jetzt auch noch kein vollbärtiger Bodybuilder untergekommen. Und bei der diesjährigen Tour de France, wo die Männer auf jeden Fall auf jeden Fall auf jeden Fall die Beine rasiert haben müssen, weil wie sähe denn das aus?, sah man erstmals einen Radfahrer mit vollem Bart. Und schon wurde darüber geredet. Und es wurde spekuliert, dass der Bart abkommt, wenn der Kollege einen Sieg einfährt. Ich glaube, er hat den Bart noch. Aber was für ein Thema das war. Und wenn ich mal so überlege, fällt mir kaum eine Sportart ein, wo die Sportler Bart tragen. Vielleicht beim Eishockey? Aber das spielen sie ja auch in der Kälte, da braucht man Bart. Und das sind eh alles kanadische Holzarbeiter, die das spielen, also kein Wunder. Aber sonst? Schließen sich also sonst Bart und Sport aus? Und wenn Bart ein Männlichkeitssymbol ist, ist Sport dann nicht männlich? Ich weiß, es hakt und kracht bei meiner Suche nach Zusammenhängen.

Also bringe ich noch schnell ein paar Zahlen ins Spiel, um die Verwirrung ins Unerträgliche zu steigern: Von den Frauen sind laut einer Umfrage von fem.com etwa ein Drittel untenrum glatt rasiert. Hat mich nicht besonders überrascht. Wer aber denkt, dass das bei den Männern erst nach und nach zur Mode wirrd, hat weit gefehlt: Ganze 46,5 Prozent der Männer sind, laut dieser Studie, unten blitz und blank. Was ist denn das jetzt? Männlich? Kindlich? Kindisch? Soll der Schniedel damit besser zur Geltung kommen? Mussten die Einwegrasierer, die ja aufgrund des Sprießenlassens im Gesicht nun nur noch vor sich hinrotteten, noch aufgebraucht werden? Um ein Gleichgewicht herzustellen? Ich komm nicht ganz mit. Ihr?

Euer Adam

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4 Kommentare

  1. Lieber Adam,

    ich bin ähnlich verwirrt und erklärungslos. Es ist mir piepegal, ob der naturbelassene Holzfällerlook gerade der Trend schlechthin ist, Mann/man muss ja nicht jeden Trend mitmachen, oder ob die Werbeindustrie Schuld hat und/oder ob am Ende die Hersteller von Nassrasierern auch leben wollen (spezielle Körperrasierer für Männer gibt es schon eine Weile – die so schöne Namen haben wie Bodygroomer (etwa im Sinne von Fellpflege?????), da wurde das Rad eben nicht neu erfunden, obwohl die aktuelle Werbung dafür so tut als ob) oder was auch immer…

    Meine persönliche Sicht: Fell an einem Männerrücken muss ich gar nicht haben und ggf. je nach Veranlagung des Wuchses Haare um Schwanz und Eier bitte doch etwas gestutzt. Da wird wohl jede(r) eigene Vorlieben haben. Ewiges Dilemma: Natur pur ist nie schlecht, zu viel Natur muss aber auch nicht in jedem Fall sein.

    Sicher ist dir bekannt, dass Radfahrer (auch Simon Geschke) Argumente für glattrasierte Beine anführen: Die allabendliche Massage nach einem Rennen ziept weniger und falls sie bei einem Sturz Tapete gelassen haben, also Schürfwunden, geraten keine Haare in die Wunde und zudem lassen sich Pflaster etwas schmerzloser entfernen.

    Liebe Grüße
    Susanne

    P.S.: Ich warte mit Spannung auf die Vuelta, wahrscheinlich ohne den Mann mit Bart, mit Giro und Tour bin ich durch. Und übrigens nicht wegen der engen Hosen, was du in einem Artikel einmal angeführt hattest, sondern selbstverständlich ausschließlich wegen glattrasierter Männerbeine.

    • Liebe Susanne,
      Argumente gibt es immer für alles. Und während diese im Sport durchaus Hand und Fuß haben, gilt dies nicht unbedingt für den alltäglichen Gebrauch. Denn welches gibt es für den ganz normalen Mann, sich den Bart wachsen zu lassen aber die Brusthaare abzumachen?
      Haarige Grüße
      Adam

      • Lieber Adam,

        Argumente für Bart ja und Brusthaare nein? Möglicherweise gefällt es einem Mann so/er gefällt sich so… Möglicherweise gefällt er einem anderen Menschen so… Eventuell mag er die Form seines Kinns nicht (und trägt daher einen Bart alleine aus optischen Gründen, egal, was ihm Trends oder Werbung einflüstern), findet aber seine Brust recht ansehnlich und vorzeigbar… Und ein anderer Mensch sieht das unter Umständen ebenso…

        • aaah, etwas tun, obwohl es einem trend entspricht, statt sich nur des Dagegenstellens willen dagegenstellen. Das finde ich gut. Dann habe ich jetzt auch ein gutes Argument, meinen Bart stehen zu lassen, ohne mir sagen zu müssen, dass ich damit nur einem trend folge. Allerdings belasse ich meine Brust, so wie sie ist. Würd sich auch kaum lohnen, da ein Messer anzulegen.

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© Raoul Biltgen

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