Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

296 – Die Grillen

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Liebe Frauen,

die Grillen zirpen in flirrender Hitze und die Männer grillen im Schweiße ihres Angesichts und auch der Achseln.

So geht Sommer.

Und während die Würstchen vor sich hin kokeln, schüttet der Mann Bier in sich, um den Flüssigkeitshaushalt zu regulieren, ist ja wichtig, genau so wichtig, dass er ab und an das Fleisch damit benetzt, denn nur dann, wenn es zischt und raucht, wird das auch was. Und das Feuer hat er zwar leider nicht mit Steinen aneinanderschlagend entzündet, aber trotzdem, er hat es entfacht und genährt und sich entwickeln lassen bis zur idealen Glut, denn damit kennt er sich aus, da braucht er keinen Schnickschnackkugelgriller von Weber oder Meier oder Müller mit speziellen Turboeinschusslöchern für die vorgewärmte Holzkohle aus japanischem Edelholz, nein, er ist ein Mann, ein Mann kann sowas, der weiß, was Feuer ist, er ist das Feuer, das ist sein Element, da kennt er sich aus, da ist er stolz drauf und das lässt er jeden wissen, der es nicht wissen will, dass es wichtig ist, dass man sich auskennt mit dem Feuer, dass man das kann, dass der Nachbar nur so viel Kohle für den Kohlegriller Marke Superteuer ausgegeben hat, weil der das nicht anders kann, ha, wäre doch gelacht, nur schade, dass die Frau verboten hat, ein urtümliches Lagerfeuer in der Wiese zu machen, das wäre was gewesen, aber gut, dann eben so, dann eben im Uraltgriller vom Papa, der hat das auch darin gemacht, und da erinnert sich der Mann dann gerne dran, an das schwarze Stück etwas, das der Papa ihm in einer knackfrischen Semmel überreicht hat, und da hat es auch nichts gemacht, wenn das blöde Ding auf die Erde gefallen ist, weil der Bub nicht damit gerechnet hat, dass es heiß sein könnte, egal, Dreck säubert den Magen und dann mit spitzen Zähnen doch noch das vollkommen ungenießbare Teil hinuntergeschlungen und nichts darauf gegeben, dass Gaumen und Zunge mit Blasen übersäht waren, denn da wusste der Kleine instinktiv, was für eine Leistung hinter der Zubereitung dieses Mahls und Rituals steckte, das musste gewürdigt werden und muss gewürdigt werden, auch heute noch, vom Vater zum Sohn. Und der nackte Oberkörper glänzt vor Fett und Schweiß und der Schädel brummt vor Feuersglut und Sonnenbrand und endlich ist ein Mann ein Mann ein Mann ein Mann, und von irgendwoher weht ein Hauch von Steinzeit und Gefahr und erlegten Säbelzahntigern und Mammuts, so groß wie ein Berg, Fleisch für ein halbes Jahr, und eine in wenig Fell gehüllte Frau schmiegt sich an den haarigen Mann und gibt ihm zu verstehen, dass seine Grillwurst immer noch die beste ist.

Und derweil sitzt die Frau und schlürft ihren Hugo und pitzelt anschließend die verkohlten Stellen mit Messer und Gabel, Messer und Gabel bitte, vom Frankfurter, bis nichts mehr davon übrig ist, aber sie hat ja vorgesorgt und Tomatensalat gemacht, mit Dressing und Dings, das ist ja auch gesünder bei der Hitze, nicht?, iss doch auch mal Salat, das ist nämlich gesünder bei der Hitze, doch.

Und der Mann fühlt sich beschnitten in seiner endlich sommers wiederentdeckten Männlichkeit, wenn er sieht, was sie von seinem Würstchen übriggelassen hat, und kaut den sauren Tomatensalat mit Verachtung, aber doch, denn auch in ihm schlummert sie, die Zivilisation, die ihm sagt, dass das Fleisch höchstens noch als Schuhsohle zu gebrauchen ist und dass es hämmern wird in seinem Schädel am Abend, und dass es brennen wird auf seiner Haut und dass er trotzdem am Ende des Sommers auf Arbeit mit Krawatte und Anzug die Männerrunde begrüßen wird mit einem: „Am Wochenende wurde gegrillt“, denn er weiß, die anderen Schlipsträger wissen, was er damit meint, und sie werden ihn bewundern, denn auch sie hören den Dschungel rufen, ab und an, wenn es heiß ist und der Sommer in die Städte zieht.

Euer Adam

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© Raoul Biltgen

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