Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

302 – Der werdende Vater

| 18 Kommentare

Liebe Frauen,

ja, richtig, Männer haben keine Ahnung, was es heißt, schwanger zu sein.

Bild: Egon Schiele

Und?

Und Ihr habt keine Ahnung, was es heißt, Vater zu werden.

Uh, ja, ich höre schon, wie jetzt die werdenden Mütter – oder die, die es schon sind, die Lefzen schürzen (kann man das?) und loslegen: Ja, was soll denn da schon groß sein? Ein Mann muss ja nur mal kurz, fickificki, seinen Samen pflanzen, und das war’s. Im Moment der Vereinigung von Spermium und Eizelle liegt er wahrscheinlich schon längst flach und schnarcht ob seiner mannhaften Tat, von der er keine Ahnung hat. Und dann? Dann wächst ihm kein Alien im Bauch rum. Dann muss er nicht auf ein Plastikstäbchen pinkeln. Dann muss er sich nicht von Ärzten in die Muschi schauen und mit eisgekühltem Ultraschalluntersuchungsgel beschmieren lassen. Dann muss er nicht allmorgendlich kotzen gehen. Und manchmal auch zu anderen Zeiten. Dann hat er keine Lust auf Gurken mit Schoko. Mitten in der Nacht. Dann wird er nicht immer runder und runder und runder. Dann wachsen seine Brüste nicht an bis zur Größe eines Vollmonds. Eines Doppelmonds. Auch wenn er das natürlich supergeil findet, wenn uns das passiert. Dann hat er keine Kreuzschmerzen. Dann hat er keine Schwangerschaftsstreifen. Dann hat er kein Wasser in den Beinen. Dann kriegt er keine Wehen, dann muss er nicht hecheln und schreien und pressen, dass da etwas aus ihm herauskommt, was eindeutig viel zu groß ist für die dafür vorgesehene Öffnung, auch wenn er natürlich vorher voll drauf stand, dass sie, die Öffnung, so eng war. Dann reißt ihm nicht der Damm. Dann kann er kurz mal umfallen, während wir das alles durchleben müssen, weil er kein Blut sehen kann, und dann verteilt er phallische Zigarren und ist aber sowas von stolz auf seinen Nachwuchs, und noch stolzer, wenn der Nachwuchs einen Zipfel hat, und er tönt damit rum, wie schwer es doch war, die Geburt und sein Aufschlagen, als er ohnmächtig geworden ist, während wir noch die Nachgeburt gebären und dann gleich mal mit dem Stillen anfangen können. So. Also. Was soll jetzt sein?

Es ist, dass der Mann, der Vater wird, eben all das nicht hat.

Darüber kann er vielleicht in dem einen oder anderen Moment ganz froh sein, aber das Problem ist für ihn, dass er eben keine Ahnung hat von dem hat, was Ihr, liebe Frauen, so durchmacht, was Ihr erlebt, was sich da tut, in Euch, was sich verändert, wie sich was verändert. Dass sich so viel verändert. Er steht nur da und nimmt den Finger in den Mund und starrt ins Nichts und wird unter Umständen noch dafür geschimpft, dass er dorthin starrt, statt zu sehen, dass Ihr seine Hilfe braucht, weil er ja auch weiß, dass sich da was tut, aber es geht so irgendwie seltsam an ihm vorbei. Gut, manche Männer gönnen sich auch in den Monaten einen kleinen Bauch, aber das war’s auch schon. Rein körperlich jetzt. Und dann ist er zurückgeworfen auf die Emotionen. Seine und Eure. Und er hat wahrscheinlich auch ein wenig Angst. Oder zumindest ist er nervös. Weil er weiß, da kommt was auf ihn zu, aber das ist doch ziemlich unheimlich, wenn er nur sieht, wie es in Euch wächst und wächst und wächst. Unerklärlich, irreal, abstarkt. Auch ein Mann, der Vater wird, muss doch mal dazu werden dürfen. Und deswegen bitte ich im Namen all jener Männer, die genau das wollen, nämlich Vater werden, während Ihr schwanger seid, ihn ein wenig zuzulassen bei dem, was Ihr durchmacht. Ihn einzubinden. Ihn nicht allein zu lassen.

Jaja, ich weiß, jetzt kommt: Wie jetzt, soll ich den jetzt auch noch bedauern, oder was?

Nein, es geht nicht um bedauern oder sowas. Es geht darum, anzuerkennen, dass seine Unwissenheit nichts ist, was man dem Mann vorwerfen sollte, denn er kann nichts dafür. Und er kann nichts dagegen tun. Nur Ihr. Und dann springen die meisten Männer sogar gerne rum, um mitten in der Nacht Gurken mit Schoko zu essen, weil Ihr dann doch keinen Bock drauf hattet, während er eingelegte Sardinen und Mangos besorgt. Und er hechelt mit und er fiebert mit und er ist nicht nur stolz auf seine Leistung, egal ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, sondern auch auf Eure, weil er zumindest ansatzweise eine Ahnung hat, was Ihr so alles durchgemacht habt.

Euer Adam

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18 Kommentare

  1. Lieber Adam,

    danke für diesen Artikel. Ich hoffe, auch andere werdende Väter lesen mit. Ich möchte gerne ein wenig von meinen bisherigen Erfahrungen berichten. Und ebenfalls danke, dass du eine Lanze für werdende Väter brichst. Als mein bester Freund zum ersten Mal Vater wurde, da hatte er den Eindruck, so gut wie nichts mehr richtig machen zu können. Nein, ich weiß nicht, was es für eine Frau heißt, schwanger zu sein, aber ich versuche zu verstehen.

    Bitte sagt zu euren Frauen besser keine Sätze wie „Liebling, wir fahren ab jetzt am Wochenende zusammen zum Einkaufen. Du trägst bitte keine schweren Einkaufstaschen mehr.“ Das war das bisher erste und einzige Mal, dass mich meine schwangere Frau heftig angefaucht hat, die ansonsten während der Schwangerschaft extrem ausgeglichen ist. Und lasst sie ihren Nestbautrieb ausleben, es tut ihnen gut.

    Doch, man darf sich über den zunehmenden Bauch seiner Frau freuen (wobei ich ohnehin auf etwas Bauch bei einer Frau stehe, ich mag keine Superschlank-Figuren). Bei meiner Frau stellten sich jedoch echte Zweifel ein, ob sie für mich mit mehr Bauch noch sexuell anziehend ist, was ich erst einmal gar nicht verstehen konnte. In dem Zusammenhang, wenn ich sie ansehe, denke ich nur noch Dinge wie: Himmel, was für ein Leckerbissen. Irgendwie schimmert sie, eine bessere Umschreibung fällt mir nicht ein. Mitzuerleben, wie sich deine Frau während der Schwangerschaft nicht nur körperlich verändert, ist unwahrscheinlich aufregend. Ich gebe es ja zu, schwangere Frauen sind sexy. Auch ihr eigenes Körperbewusstsein und –empfinden verändert sich.

    Auch Susanne wurde und wird von den unterschiedlichsten Ängsten befallen. Da hilft wie so oft nur eines: Versuchen, ihr die Ängste und Zweifel zu nehmen, sich hinsetzen und wie sonst auch miteinander sprechen. Sie macht das umgekehrt bei mir genauso, wirkt regelmäßig beruhigend auf mich ein (bin zwischendurch hin und wieder etwas über das Ziel hinaus geschossen), was allzu offensichtlich notwendig ist, gibt Antworten. Man ist zusammen schwanger geworden und existiert nicht als Einzelkämpfer.

    Abgesehen davon schwebst du als werdender Vater durchaus auf Wolke 7. Alleine das Wissen, in ein paar Monaten deine eigene Familie zu haben… Und wenn du dann hörst, deine Kinder haben inzwischen eine Größe zwischen 4,6 bis 4,9 cm (Susannes Arzt sagte dazu in etwa wie ein Passbild), sie entwickeln sich sehr gut… Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht, dass der eigene Vater eine sehr gute Informationsquelle ist, er kennt das schließlich schon. Es lohnt sich durchaus, ihn zu Rate zu ziehen. Insgesamt gesehen empfinde ich das Vater werden als pures Glück mit jeder Menge Vorfreude, was alle Ängste, Sorgen und Unsicherheiten deutlich überwiegt!

    • Lieber Stephan,
      vielen Dank, dass du andere Väter an deinen Erfahrungen teilhaben lässt. auch durch andere Reaktionen auf den Artikel habe ich den Eindruck gewonnen, dass es ein Thema ist, was Frauen und Männer, werdende Mütter und werdende Väter sehr beschäftigt, auch wenn es dann doch eher die Männer sind, die nicht zugeben wollen, dass sie sich vielleicht etwas schwer tun, mit dem einen oder anderen Umstand klar zu kommen. Gerne schieben sie die Schuld auf die Frau und deren Hormone, die angeblich verrückt spielen, weshalb die Frau ganz einfach als unzurechnungsfähig eingestuft wird, und dem Mann bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis das Ding aus dem Körper und alles wieder wie vorher ist.

      • Lieber Adam,

        du hast übrigens vollkommen Recht mit diesem merkwürdigen Stolz, der einen Mann befallen kann. Mich hat es auch getroffen, eine glaubwürdige Erklärung dafür habe ich nicht. Gestern habe ich meinem Freund mit breiter Brust das neueste Ultraschallbild gezeigt (machen das eigentlich alle Männer?).
        Und als ich Susanne erzählte, dass ich mich schon auf die Zeit freue, wenn wir mit einem dicken runden Babybauch unterwegs sind, traf mich ein sehr spöttischer Blick inklusive dem Satz: „Das kann wirklich nur ein Mann sagen. Dir ist schon klar, dass ich mich dann wie ein Bierfass durch die Gegend schiebe samt watschelndem Entengang.“ Schönes Wochenende!

      • Lieber Adam,

        ich möchte den Frauen noch etwas zu bedenken geben, was bislang gar nicht angesprochen wurde, aber so manchem Mann eventuell durch den Kopf geht. Und ich finde, dieser Gedanke darf auf gar keinen Fall unberücksichtigt bleiben.
        Ich habe mich gefragt (Drillingsschwangerschaft, automatisch als Risiko eingestuft), was tun, wenn deine schwangere Frau schwer erkrankt und sowohl das Leben der Mutter als auch das der Kinder auf dem Spiel steht.
        Liebe Frauen, wenn dir als Mann dieser Gedanke kommt, so ist der extrem erschreckend und macht dir richtig Angst. Dann gehst du als Mann wirklich in dich und versuchst ernsthaft zu eruieren, was du in diesem Fall machen wirst. Welche Entscheidung wirst du treffen, wenn du vor die grauenhafte Wahl gestellt wirst, das Leben der Mutter oder der Kinder? Ich habe erst darüber nachgedacht, als Susannes Arzt uns die möglichen Risiken und Komplikationen erläuterte, die entstehen können.
        Ihr könnt mir glauben, darüber nachzudenken macht einen Mann vollkommen fertig. Meiner Frau habe ich übrigens vor Wochen einmal gesagt, sie soll bitte nicht die Sorgen unterschätzen, die sich ein werdender Vater so macht. In der Lage kommen einem Mann die seltsamsten Gedanken.
        Ich habe meine Wahl getroffen, ich werde mich (und Gott bewahre, dass ich vor die Wahl gestellt werde) immer für das Leben meiner Frau entscheiden!
        Toi toi toi, bislang ist alles in bester Ordnung.

        • toi toi toi dass alles in Ordnung bleibt. Was sagt die werdende Mutter dazu?

          • Lieber Adam,

            ich habe mich furchtbar erschrocken, als ich hörte, mit welchen Gedanken er sich beschäftigt, worum er sich Sorgen macht. Horrorszenarium, ich war erst einmal vollkommen sprachlos und geschockt. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt nur versuchen, ihn erst einmal ein wenig „runterzufahren“ und hatte einige Mühe, ihn aus dieser Gedankenwelt zu lösen.
            Wir haben sehr sehr lange darüber diskutiert. Mir ist zunächst nicht mehr eingefallen außer Stephan zu sagen, dass das ohnehin die Ärzte entscheiden, denn nur sie können sagen, wer wirklich die besseren Chancen hat. Und dass die Ärzte sowieso versuchen würden, Mutter und Kinder zu retten. Und dass wir heutzutage beruhigenderweise über exzellente prä- und perinatale Medizin verfügen, worauf ich vertraue.
            Es ist wirklich ein absolutes Horrorszenarium, es auch nur zu überdenken. Ich habe in dieser Zeit meinen Arzt fast verflucht, der der Ansicht ist, seine Patientinnen sollten allumfassend bis ins allerletzte Detail informiert sein, ebenso ihre Männer.
            Ich akzeptiere Stephans Entscheidung für den Ernstfall, sollte diese wirklich an ihm liegen, sollten ihn die Ärzte fragen, was er will, weil ich mich eventuell nicht dazu äußern kann. Und ich kann diese seine Entscheidung nur deshalb akzeptieren, weil ich weiß, unsere Beziehung zueinander ist stark genug, sodass wir beide zusammen weiterleben können, sollten die Kinder unter einem derartigen Umstand sterben. Aber leicht ist mir die Akzeptanz nicht gefallen, sie hat mich einige Kämpfe mit mir selbst gekostet.

          • natürlich kommt es im wahren Leben äußerst selten vor, wie man es aus dem Film kennt, dass der Mann sich innerhalb von 5 Sekunden für Mutter oder Kind(er) entscheiden muss. Und das ist auch gut so. Tatsächlich glaube ich auch, dass es ganz einfach nicht möglich ist, eine endgültige Antwort auf eine solche Frage zu finden, und schon gar nicht aus der rein hypothetischen Situation heraus. Wenn es wirklich soweit kommen sollte, dann spielt so vieles eine Rolle, was man unmöglich mitdenken respektive mitfühlen kann. Trotzdem kann es in dem Moment eine große Hilfe sein, wen man sich vorher schon mal damit auseinandergesetzt hat. Zusammen. Daraus ergibt sich, dass es durchaus richtig ist, dass ein Arzt ehrlich ist, auch wenn er damit unter Umständen Ängste schürt, die man nicht unbedingt gebraucht hätte. Ist nun mal auch sein Job. Und Kinder kriegen, egal wie viele, hat immer vor allem damit zu tun, dass man die größtmögliche Verantwortung übernimmt, nämlich für das Leben eines anderen Menschen.
            Aber auch wenn es sicher wichtig ist, sich auch damit auseinander zu setzen, sollte man nie darauf vergessen, auch zuzulassen, was alles super werden kann und wird.

          • Lieber Adam,

            tatsächlich haben diese Diskussionen soweit geführt, dass wir beide uns gefragt haben, ob wir uns die Entscheidung zugunsten der Mutter verzeihen können. Du gibst das Leben deiner Kinder ganz gewiss nicht leicht auf, sollte diese Entscheidung anstehen.
            Und wir haben uns gefragt, ob Susanne mir diese Entscheidung, sollte sie letztlich nicht durch die Ärzte erfolgen, nicht doch eines Tages verübeln bzw. vorwerfen würde. Wenn du dieses spezielle Thema schon besprichst, darfst du auch vor dieser Frage nicht kneifen.
            Am Ende sind wir zu dem übereinstimmenden Ergebnis gelangt, dass wir zusammen als Paar diese Situation durch- und überstehen können. Wir kennen uns beide sehr genau. Und dass wir im Ernstfall die Trauer über den Tod unserer Kinder gemeinsam bewältigen können. Allerdings bin ich der Ansicht, dass es für die werdende Mutter noch zusätzlich erschwert würde, denn schließlich wuchsen die Babys in ihrem Körper. Ich glaube, dass das bei meiner Frau eine andere Art des Verlustes auslösen würde. Zu so etwas können Gedanken führen, die sich ein werdender Vater macht.
            Aber jetzt genug von so trübsinnigen Gedanken. Derzeit liegen ideale Bedingungen vor, weshalb wir glücklich und erwartungsvoll in die Zukunft blicken.

          • Lieber Adam,

            wir haben es erschöpfend ausdiskutiert, alle hypothetisch möglichen Szenarien besprochen und damit war es dann auch gut.
            Wir sind beide unter Idealbedingungen schwanger, alles verläuft vollkommen problemlos.
            Also sind wir glücklich und freuen uns nur noch. Die Kinder wachsen und gedeihen derzeit in Riesenschritten und ich kann nicht einmal behaupten, auch nur ein einziges Mal grün um die Nase geworden zu sein. Mittlerweile ist da wirklich nichts mehr außer Freude!

            Um die Sache mit dem Bierfass noch zu beanworten: Stephan dachte eher “Bierfass? Junge, ruf deine Kumpels an, das wird ein feuchtfröhlicher Abend!” Daran ändert eine Schwangerschaft gar nichts. Männer brauchen ihre Männerrunden, Frauen ihre Mädelsabende! Spaß muss sein.

          • Lieber Adam,

            nachdem alle hypothetisch möglichen Aspekte ausdiskutiert wurden, war es auch wieder gut mit dem Thema. Wir sind nur noch glücklich und freuen uns sehr.

            Um die Sache mit dem Bierfass noch zu klären, er dachte eher: Bierfass? Junge, ruf deine Kumpels an, das wird ein feuchtfröhlicher Abend! Daran ändert eine Schwangerschaft gar nichts: Männer brauchen auch einmal ihre Männerrunden und Frauen ihre Mädelsabende. Und wenn sich eine wilde Horde Paviane versammelt, verziehe ich mich lieber.

          • hm, mögliches Thema … Männerabend, Mädelsabend … und warum es Mädelsabend und nicht Frauenabend, resp Männerabend und nicht Jungsabend heißt …

  2. Lieber Adam,

    vollkommen richtig. Der werdende Vater ist unsicher, er entwickelt Sorgen und Ängste, befindet sich oftmals in einem Zwiespalt. Also heißt es, ihn einzubinden und „mitzunehmen“. Es bedeutet auch, weder seine Unwissenheit, noch seine Sorgen, Ängste oder seine Unsicherheit einfach so „vom Tisch zu fegen“ oder gar zu unterschätzen.

    Ich muss zugeben (auch wenn sich das möglicherweise etwas meschugge anhört), dass ich über die Sorgen und Ängste meines Mannes tatsächlich froh bin. Ich bin glücklich und dankbar, dass er im Rahmen der ihm gegebenen Möglichkeiten, eben weil er ein Mann ist, teilhaben und teilnehmen will. Er entwickelt Fragen über Fragen über Fragen:

    Wie fühlt es sich für dich als Frau an? Wie ist fühlt es sich an, zu wissen, dass in deinem Bauch Menschen heranwachsen? Wahnsinn, dein Bauch nimmt schon zu, kannst du schon etwas spüren, eine Bewegung (Frage in der 11. SSW)? Fühlt sich das unangenehm an, spannt das irgendwie? Denkst du, die Babys spüren es, wenn ich über deinen Bauch streichele? Können sie hören, wenn wir uns unterhalten? Hast du als Frau Angst vor der Geburt? Ich schon, ich habe davor wirklich Muffensausen. Ich will bei der Geburt dabei sein, aber die Entscheidung liegt letztlich bei dir, willst du mich dabei haben? Ich habe Angst, nur hilflos und unnütz zu sein. Machst du dir auch Sorgen, bei der Erziehung unserer Kinder Fehler zu machen?

    Doch, ich bin froh, dass er seine Unwissenheit zugibt und Fragen stellt. Ich bin froh, dass er nicht alleine vor sich hin grübelt (obwohl das world wide web fast sein bester Freund geworden ist), und dass er nicht das Gefühl haben muss, damit alleine zu sein. Ich freue mich, dass er über alle Entwicklungen und fraulichen Empfindungen in der Schwangerschaft informiert werden will. Irgendwie tasten wir uns beide an das Vater und Mutter werden und sein heran, für mich ist es schließlich auch Neuland.

    Das Pendant dazu ist ein Horrorgedanke! Dann würde ich mich alleine gelassen fühlen, denn auch wir Frauen haben während einer Schwangerschaft Sorgen und Ängste. Es ist wunderbar, dass er (überspitzt formuliert) auch schwanger sein will. Es ist wunderbar, dass er fähig ist, seine Emotionen mitzuteilen, seine Sorgen und Ängste zu teilen. Stephan soll sich auf gar keinen Fall irgendwie ausgeschlossen oder zurückgewiesen fühlen.

    Nein, man sollte auf gar keinen Fall die Sorgen und Nöte des werdenden Vaters zu gering schätzen. Wir wissen und erfahren schließlich wesentlich direkter, was da gerade in uns vorgeht.

    • Liebe Susanne,
      es ist, wie es immer ist: als Paar ist man zu zweit, dessen sollte man sich stets bewusst sein, und wenn man redet, kann man so manches Missverständnis aus dem Weg räumen, bevor es überhaupt entsteht. Manche Männer tun sich halt nur schwer damit, überhaupt zu erkennen, dass es da etwas gibt, das sie nicht auf ihre übliche Art und Weise möglichst männlich vom Tisch schieben können. Gerade bei denen ist eine verständnisvolle Haltung umso wichtiger ;-) Davon abgesehen sage ich als Mann mal ganz einfach: Ja, eine Frau hat auch das Recht, ihren Mann anzuschnauzen, wenn er gar zu sehr nervt, ob mit Ignoranz oder Überdrüberbetüttelung.

      • Lieber Adam,

        ach ja, ich lasse ihn mich ja größtenteils betütteln. Er mag das und ich ebenso, sofern es nicht überhand nimmt. Wie bereits erwähnt: das Gegenteil davon ist sicher für jede Frau ein nur noch erschreckender Gedanke. Folglich sind wir beide schwanger und haben beide an uns und an der Situation im positiven Sinne zu arbeiten. Zum Glück unterhalten wir uns beide gerne miteinander, weswegen es keine Probleme bezüglich des Redens gibt, was viel wert ist und uns den schwangeren Zustand deutlich erleichtert. Danke, dass du als Mann sagst, eine Frau darf auch mal fauchen. Stephan war vollkommen perplex, als ich ihm schnauzend sein “Einkaufsverbot” verübelt habe.

        • Liebe Susanne, ich glaube, dein Anschnauzen hat eh schon Wirkung gezeigt ;-)

          • Lieber Adam,

            ja, hat es wohl. Allerdings hat es mir ehrlich leid getan und ich habe mich bei ihm entschuldigt. Es war schlichtweg ungerechtfertigt und unangemessen. Nachdem sich mein roter Schleier vor den Augen verzogen hatte, wurde mir erst bewusst, dass seine Aussage aus seiner Sorge um uns Vier resultierte. Normalerweise benehme ich mich nicht derart rüpelhaft. Niemand sollte so rüde angepfiffen werden, nur weil er sich Sorgen um einen anderen Menschen macht.

          • ah, es ist schön, wenn der Wechsel von “du unterschätzt mich” und “du nervst” zu “du sorgst dich, weil du mich liebst” passiert. Und schon bekommt ein und dieselbe Handlung eine ganz andere Bedeutung.

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© Raoul Biltgen

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