Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

321 – Der Saunaspanner

| 4 Kommentare

Liebe Frauen,

wir warten warten warten auf den Frühling.

Bild: Félicien Rops

Und derweil holen wir uns die Wärme, die wir brauchen, in der Sauna.

Und was ist man in einer Sauna? Richtig, nackt. Richtig nackt. Ist man nicht nackt in einer Sauna, wird man schief angeschaut. Hierzulande. Und das hat ja auch seinen Sinn, nackt in der Sauna zu sitzen, weil man ja schwitzen tut. Und warm genug ist es ja auch. Gilt also als einziger Grund, sich nicht in der Sauna nackig zu machen, jener, dass man sich nicht nackig zeigen will. Anderen Menschen. Geht man halt nicht in die Sauna. Bleibt man zuhause. Leistet man sich eine Privatsauna im Keller. Ist aber teuer. Und die Frage ist ja, wem man sich nicht unbekleidet zeigen will. Und abgesehen von den geschlechtsinternen Beurteilungen („die ist dicker als ich“, „der hat einen längeren als ich“), ist es doch eher die Frage, ob man sich eben dem anderen Geschlecht in voller Pracht und unter Umständen eben nicht Pracht zeigen will.

Doch bevor ich mich nun über irgendwelche begründeten oder nicht begründeten Komplexe lustig mache, möchte ich die Gelegenheit nutzen, und die Männer mal wieder ein wenig in die Pfanne hauen.

So: Männer spannen.

Männer, welche in die gemischte Sauna gehen, schauen sich die Frauen, die sich dort aufhalten, an. Und Männer, die sich Frauen anschauen, bewerten sie. Schön, nicht schön. Geil, nicht geil. Sexy, nicht sexy. Und so weiter. Das ist so. Ihr, liebe Frauen, dürft Euch gerne die Frage stellen, ob Ihr nicht vielleicht auch so denkt, wenn Ihr nackte Männer seht, und wir alle dürfen uns die Frage stellen, ob wir nicht vielleicht auch so denken, wenn wir nackte Menschen sehen und auch wenn wir angezogene Menschen sehen. Weil wir alle ständig immer nur bewerten. Andere. Ob ihres Aussehens.

Tatsächlich möchte ich aber auch die Männer in Schutz nehmen. Denn tatsächlich gehen nicht alle Männer in die gemischte Sauna, nur weil sie sich nackte Frauen anschauen wollen. Manche Männer gehen in die gemischte Sauna, weil sie in die Sauna gehen. Und es ist ihnen grundsätzlich egal, ob es eine gemischte ist oder nicht. Aber es gibt halt nur selten Herrensaunen. Und wenn, dann ist das auch ab und an die Bezeichnung für eine Schwulensauna. Und das wiederum könnte unter Umständen auch mal die Bezeichnung für mehr als nur Sauna sein. Aber auch das ist ein anderes Thema. Zurück zu den Herren in der gemischten Sauna: Sie kommen nicht mit dem Vorsatz, zu spannen, sie tun es aber, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Und nun liegt es an Euch Frauen, ob Ihr das ok findet oder nicht.

Und zu diesem Behufe möchte ich noch einen Gedanken anfügen: Macht es was aus, ob es dabei bleibt, was meiner Meinung nach jeder Mensch ständig tut, nämlich sich zu denken, gefällt mir, gefällt mir nicht, und dann auch schon wieder vergessen? Oder ob es eben nicht vergessen wird, sondern die Phantasie zu rennen beginnt. Vor allem bei gefällt mir. Und da geht es dann ab. Ja, da wird sich unter Umständen sehr Konkretes ausgemalt. Ineinandergreifende Geschlechtsteile zum Beispiel. In Aktion. Und dann gibt es noch die Männer, die weiter gehen, die die Gelegenheit nutzen, die Frau nach positiver Beurteilung anzuquatschen. Weil sie sich nicht zufrieden geben wollen mit dem Kino im Kopf. Weil sie wissen, was sie kriegen könnten. Oder sie trauen sich das nicht, und versuchen es stattdessen anders, nämlich durch Körperkontakt. Saunagrabscher. Die haben es raus, wie sie ganz zufällig und scheinbar unbemerkt Haut an Haut reiben, nackte Haut an nackter Haut, verschwitzte nackte Haut an verschwitzter nackter Haut.

Auch hier gilt: Was passt Euch, was nicht?

Und wenn Ihr trotzdem in die Sauna gehen wollt, auch wenn Euch so manches nicht passt, dann habt Ihr jedes Recht dazu. So wie Ihr ja auch jedes Recht dazu habt, die betreffenden Männer in ihre Schranken zu weisen. Was auch immer Euch zu viel wird: Tatschen, anbaggern, oder den Blick länger als normal auf Brust und Bauch und Po und Scham zu lassen. Und wenn das einem betroffenen Mann nicht passt: Dann kann ja er sich woanders hin verziehen.

Euer Adam

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4 Kommentare

  1. Lieber Adam,
    als ich die Überschrift las, war mir klar, dass ich dazu was schreiben muss.
    Ich sehe mir sehr Vieles an: Autos, Häuser, Gärten, Bäume uvm. Und auch gerne Menschen, nackt oder nicht. Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt.
    Aber ich bestreite, dass das überwiegend Männer machen. Wahrscheinlich machen wirs nicht so heimlich wie die Frauen, aber auch das hat sich geändert.

    Warum füllen Frauen immer noch die Säle, wenn die Chippendales auftreten? Auch Omas sind dabei, die sich sogar in der Tageszeitung ablichten lassen. Ich finde das gut, aber es sollte nicht immer so einseitig berichtet werden.
    Wir waren mal ein einer Sauna – gemischt. In dem Raum stand eine Bakterienwanne mit 4 oder 5 Frauen drin – in Badeklamotten. Die haben X mal den Sprudler betätigt und gegafft.

    • ich sage nicht, dass Frauen nicht schauen. Die Zuschauerzahlen bei den Chippendales (selbst bei ausverkauftem Saal) und ähnlichen Veranstaltungen hinken aber trotzdem jenen schauender Männer meilenweit hinterher. Also aus meiner Sicht steht das eindeutig für ein eindeutiges Ungleichgewicht zwischen Männern, die gerne schauen, und Frauen, die gerne schauen. Oder: Die auch noch etwas dazu tun, schauen zu können: Vielleicht tun es Frauen eher, wenn sich grad die Gelegenheit ergibt, während sich Männer die Gelegenheiten schaffen.

      • Versteh mich bitte richtig. Ich habe nichts dagegen, wenn man sich umschaut. Ganz im Gegenteil. Wenn mich eine Frau anschaut, was ja nur noch selten vorkommt, dann freut mich das.
        Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand nur auf den momentanen Partner fixiert ist. Auch wenn er das behauptet oder sogar glaubt.

        Als ich das gschrieben habe über die Frauen in der Sauna habe ich überlegt was wäre, wenn dort Männer in dem Bottich gesessen hätten.

        • Mit Sicherheit würden sich die dermaßen gaffenden Männer unbeliebt machen. Aber weil Frauen eben vielleicht nicht so angegafft werden wollen. Ständig. Und sich darauf reduziert fühlen. Im Gegensatz zu Männern, die sich vielleicht ganz gerne (noch) anschauen lassen, weil sie es als Kompliment sehen. Zumindest eben öfter, als es Frauen tun.

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© Raoul Biltgen

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