Adam spricht

über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen

382 – Die große Angst des kleinen Mannes

| 16 Kommentare

Liebe Frauen,

Männer sind Sensibelchen.

Bild: Gaudenzio Marconi

Bild: Gaudenzio Marconi

Und das meine ich nicht nur, wenn es darum geht, einen Schnupfen mit wochenlanger Agonie auf der wohnzimmerlichen Intensivstation auskurieren zu müssen. Der Mann an sich ist ja auch ach so sensibel, wenn seine Männlichkeit infrage gestellt wird. Oder werden könnte. Durch andere Männer zum Beispiel. Oder gar durch Frauen, huch.

Die meisten Männer können durchaus (oder halbwegs) damit umgehen, wenn andere Männer sich als die männlicheren Männer darzustellen versuchen, weil der Stier muss nur einem anderen Stier die Hörner zeigen. Ein Mann also nur einem anderen Mann, wo der Hammer hängt. Und wie groß er ist. In sämtlichen möglichen Sinnen. Ein Mann, der einen Geschlechtsgenossen aber nicht als ebenbürtig ansieht, fühlt sich auch nicht dazu gezwungen, dem Gegenüber zu beweisen, dass er ein Mann ist. Mit anderen Worten: Fordert mich wer heraus, meine Männlichkeit unter Beweis zu stellen, so ist dies bereits mit der Herausforderung getan: Wäre ich nicht männlich, müsste ich es nicht beweisen.

Was denn? Zu verquer gedacht? Na, da seht Ihr mal, zu welchen Hirnverknotungen Männer fähig sind, wenn sie ihre wehrte Männlichkeit in Gefahr sehen.

Aber wirklich in Gefahr gebracht werden kann ein Mann nur durch eine Frau. Und zwar, wenn sie in seine hochheilige Domäne der Mannesprivilegien eindringt. Die da wären:
- den ersten Schritt beim Kennenlernen machen,
- die Initiative beim Sex ergreifen,
- mehr verdienen.

Uh, das ist ganz böse. Da hat der Mann doch sein Leben lang gelernt, dass es die Damenwahl in der Dorfdisko nicht über die milden 60er hinausgeschafft hat, und da wird er auf einmal auf ein Glas in der Bar seines Vertrauens eingeladen. Von einer Frau. Von der Frau, zu der er eh schon die ganze Zeit hinüberspechtelt. Weil er sich schon seit Stunden überlegt, wie er es anstellen kann, sie anzusprechen. Und seit Stunden schimpft er sich innerlich: Sei ein Mann, tu’s doch einfach, Waschlappen. Und da tut die das. Sprich: Sie ist männlicher als er. Na das kann ja was werden. In der Kiste.

Weil wir wissen doch, dass Männer immer und überall können und wollen, während Frauen mühsam dazu überredet werden müssen. Zum Sex. Weil Frauen sind prüde Püppchen und Männer machoide Draufgänger. Und Frauen haben Migräne. Und Männer wollen trotzdem. Und schaffen es trotzdem nicht. Das nagt ja schon am Gemüt. Aber wenn es dann auf einmal die Frau ist, die loslegt, die will, so einfach von sich aus, die geil ist, wo kommen wir denn da hin?

Wir kommen zu den Cheffinnen dieser Welt, die die armen Würstchen-Männer rumkommandieren. Und sie haben auch noch alles Recht dazu, denn sie verdienen mehr, himmel, brich zusammen.

Aber nein, gottseidank lesen wir, dass Frauen immer noch viel weniger als Männer verdienen, also alles in goldgelber Butter, die Welt ist in Ordnung, die Männer liegen vorn, niemand bedroht sie, neinneinnein.

Bitte, liebe Frauen, macht den Männern Angst um ihre Männlichkeit. Und wenn sie tatsächlich Angst bekommen, dann gibt es im Grunde nichts, um das sie Angst haben könnten. Vor allem keine Männlichkeit.

Euer Adam

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16 Kommentare

  1. Zum 1. Teil:
    Ich kann mit dem Begriff „männliche Männer“ nichts anfangen. Ob ich in meiner frühesten Jugend mal so etwas beweisen wollte, weiß ich nicht. Ich habe auch niemals bei einer sog. Mutprobe mitgemacht. Ich muss mir nichts beweisen und andern Leuten erst recht nichts.
    Bei Frauen will ich schon mal glänzen. Allerdings heute anders als früher.
    Adam, damit bringst du es auf den Punkt: „Fordert mich wer heraus, meine Männlichkeit unter Beweis zu stellen, so ist dies bereits mit der Herausforderung getan: Wäre ich nicht männlich, müsste ich es nicht beweisen.“

    Zum 2. Teil:
    Dass früher eine Frau in die hochheilige Domäne der Mannesprivilegien eingedrungen ist, kam fast nie vor. Die da wären: – den ersten Schritt beim Kennenlernen machen, – die Initiative beim Sex ergreifen. Das haben sich diesen Frauen bewahrt. Leider! Selbst im reifen Alter sagen sie nicht, wenn sie Sex wollen. Nicht mal dann, wenn man im Gesicht den Wunsch deutlich sehen kann. Ich meine jetzt nicht meine Frau.
    Nach einer kleinen Feier waren alle am Gehen. Eine Frau war zum Schluss am Gehen. Ich hatte gesagt: „Gute Nacht oder willst du bleiben?“ Ich hatte es noch nicht ausgesprochen als sie mir am Hals hing. Später wurde mir klar, hätte ich sie abgewiesen, wäre das „unterlassene Hilfeleistung“ gewesen.
    Bei meinem Jahrgang waren und sind es immer die Männer, die den ersten Schritt machen müssen, sonst wird’s nichts. Dass jetzt auch mal Frauen zum Tanz auffordern ist schön. Deshalb bin ich auch manchmal ungehalten, wenn so viel über sexuelle Belästigung geredet wird. Der Begriff ist nicht definiert und ändert sich je nach Mann.

    Ich hoffe, dass sich das zum Wohle der jungen Frauen und jungen Männer geändert hat.

    Ich hatte noch nie eine Chefin. Wenn meine Frau mehr als ich verdienen würde, würde mich das freuen. Als Rentner muss ich sagen, sie verdient mehr, aber bekommt es nicht.

    • Ich will es noch mal deutlich sagen: Wenn jemand, egal wo, anderen Leuten etwas beweisen will, dann hat er ein Problem mit seinem Selbstbewusstsein. Vielleicht ist ihm sogar bewusst, dass er schwach ist.
      Ein intelligenter und gebildeter Vorgesetzter wird seine Mitarbeiter meistens mit Respekt behandeln. Nicht so Chefs, die durch Beziehungen oder Zufall dazu gekommen sind und Angst vor der Konkurrenz haben.
      ICH muss anderen Männern nichts beweisen und erst recht nicht meiner Frau.
      Es gibt aber ganze Völker, die man zu den Bildungsfernen zählen muss. Die Männer unterdrücken ihre Frauen, damit mal jemand unter ihnen steht.

      • wenn du über ganze Völker sprichst, kann das Argument “bildungsfern” nicht greifen, das wäre viel zu kurz gedacht. Und vor allem könnte man daraus lesen, dass nur die westlichen Länder überhaupt gebildet sind. Was ganz einfach nicht stimmt. Die Tatsache, dass Frauen unterdrückt werden, hat nur sehr bedingt mit Bildung oder Intelligenz zu tun. Auch intelligente und/oder gebildete Menschen tun es. Und auch nicht so intelligente und/oder ungebildete Menschen tun es nicht.

      • Lieber Macho, dein letzter Absatz: erheblich zu verallgemeinert. Unterdrückung, egal wer und durch wen, ob ganze Bevölkerungsgruppen oder Teile davon, hat nichts mit Bildung zu tun. Unterdrückung ist Willkür und Machtmissbrauch.
        Malala Yousafzai: setzte sich gegen die Unterdrückung durch ein Männerregime zur Wehr, kämpft bis heute für das Recht auf Bildung aller Kinder, also auch weiblicher. In dem Fall behaupte ich, sie ist gebildet und hoch intelligent, das Regime (in diesem Fall Taliban), welches ein Attentat auf sie verüben ließ, ist es nicht.
        Bildung hat rein gar nichts damit zu schaffen, sondern bedeutet ausschließlich, dass in diesem Fall Männer in einer erheblich stärkeren Position sind und die sich ergebende Macht ausschließlich nach ihrem Gutdünken missbrauchen.

      • Hallo Susanne und Adam,
        natürlich muss ich hier verallgemeinern. Ich kann ja keine einzelnen Personen nennen. Dass es auch bei den “Gebildeten” welche gibt, die andere unterdrücken und auch umgekehrt, das ist mir bekannt.
        Beispiel Afrika: Diese Menschen sind MEHRHEITLICH ungebildet und dort werden MEHRHEITLICH die Frauen unterdrückt. Die Aufzählung will ich uns ersparen.

        • was du meinst, ist Bildung im westlichen Sinne. Diese Bildung als einzige Form von Bildung darzustellen, hat aber – gerade wenn Afrika als ein Ganzes als Beispiel angeführt wird, was es nicht ist bei so vielen Ländern, Kulturen, Menschen – einen stark kolonialistischen Anstrich. Bildung kann auch etwas anderes sein. Die wenigsten Europäer würden mit ihrer ach so großen Bildung weit kommen, wären sie in der Wüste oder der Steppe oder sonstwo ausgesetzt. Die Mensche, die dort leben nicht. Warum? Weil sie die dafür notwendige Bildung haben. Und wenn wir auf der anderen Seite davon ausgehen, dass man ein gewisses Maß an Bildung braucht, um in westlichen (gebildeten) Ländern an die Spitze zu kommen, warum sind dann gerade da Frauen auch in den höchsten Managerebenen unterdrückt, Opfer von Mobbing usw? Weil Es eben nur zu einem geringen Anteil etwas mit dem zu tun hat, was wir Bildung nennen.

        • Lieber Macho,
          ich finde es sehr arrogant und überheblich von Dir, zu sagen, die Menschen beispielsweise in Afrika sind mehrheitlich ungebildet. Bildung bedeutet wahrlich nicht nur, z. B. in Deutschland die Schulbank bis zur Mittleren Reife, zum Abitur oder gar zum Studienabschluss gedrückt zu haben. Sie bedeutet nicht nur, ob jemand komplizierte EXCEL-Tabellen bearbeiten kann oder aus Shakespeares gesammelten Werken zitieren.
          Für mich zählt zur Bildung eines Menschen auch das Thema soziale Kompetenz. Wenn wir schon verallgemeinern, dann stelle ich die These auf, dass gerade bei großen Teilen der ach so ungebildeten Bevölkerung z. B. in Afrika diese oftmals ausgeprägter ist als bei unserer ausgeprägten Ellenbogen-raus-Gesellschaft.
          Es gibt auch Bildung, die nichts mit der nach unseren Werten und Maßstäben zu schaffen hat. Um bei Adams Argumentation zu bleiben, auch Überlebensstrategien entwickeln zu können, gehört dazu. In einer Umwelt leben/überleben zu können, in der ich mich und meine Familie von dem ernähren muss, was mir eine eher karge Landschaft bietet, gehört dazu. Instinktiv oder durch Überlieferung zu wissen, welche Pflanzen mir Nahrung geben und welche giftig sind, gehört dazu, ebenso das z. B. famililiär überlieferte Wissen darüber, welche Pflanzen Heilkräfte gegen Krankheiten bieten. Familienzusammenhalt, sich beispielsweise um die alten Menschen seiner Sippe zu kümmern, gehört dazu. Rücksicht auf Mitmenschen zu nehmen, gehört dazu. Dafür muss ich keine Schule besucht haben.
          Nein, lieber Macho, derartige Verallgemeinerungen müssen bitte nicht sein.

  2. Lieber Adam,
    da hier anscheinend niemand zur Ehrenrettung der Männer antreten möchte, versuche ich das einmal. Speziell betreffend das erste Drittel des Artikels, den Beweis der eigenen Männlichkeit anzutreten, weil sich herausgefordert gefühlt: das gibt es ebenso in weiblicher Form, nur sind wir hin und wieder doch ein klein wenig subtiler. Ist aber ansonsten ähnlich wie bei einem Pfau, Frau spreizt die Federn oder zeigt die Krallen, nicht nur den Männern gegenüber. Sowas wie Wettpinkeln gibt es unter Frauen doch genauso. Und auch wir verteidigen unser Revier, wenn wir glauben, wir müssen es.

    • Oh, wie werden sich nun manche Männchen ärgern, dass es einer Frau bedarf, um ihre Ehre zu retten. Sehr schön. Aber zu sagen, dass auch Frauen so drauf sind, macht es für die Männer nicht besser

      • Sollen sie sich eben ärgern, könnten dir ja auch selbst mal widersprechen.
        Dass Frauen auch so drauf sind, macht es für sie nicht besser? Ist doch gut zu wissen, dass auch wir uns diesbezüglich seltsam benehmen können, oder?
        Es gibt dazu aber auch eine Kurzfassung: Ohne euch wäre die Welt doch arg öde!

        • Ich warte doch nur auf Widerspruch. Da keiner kommt, heißt das, dass es alle mitlesenden Männer halt auch so sehen. Oder … sie denken sich: Ja, genau alle anderen Männer sind so drauf. Nur ich nicht.
          Doch: Ihr auch!
          Ja, ich auch.
          Ohne seltsames Benehmen wäre es doch arg öde.

          • Manchmal kriegen wir von dir aber auch knüppeldicke einen auf die Mütze, es ist mehr, als uns nur den Spiegel vorzuhalten.
            Hin und wieder habe ich beim Lesen den Eindruck, als würden wir Kerle uns noch immer in der Steinzeit befinden, wo wir in ein Mammutfell gehüllt und eine Keule schwingend über die Steppe stampfen.

          • Der Steinzeitmensch braucht den Schlag mit dem Knüppel auf den Kopf, weil er sein Spiegelbild nicht als das erkennt, was es ist. So wie ein Hund, der sein Spiegelbild anbellt.

    • Liebe Susanne,
      diese Eitelkeit gibt es bei Männern und bei Frauen. So ein bischen ist doch gut.
      Ich habe lange gebraucht bis ich kapiert habe, dass sich die Frauen nicht für die Männer stylen, sondern für den Kampf untereinander. Selbst in hohem Alter machen die das. Wenn ich meiner Frau sage, dass ich niemals 70 € zum Frisör tragen würde, bekomme ich die Antwort: “Du bist keine Frau!” Oft muss mir meine Frau erklären, was der gemacht hat.

      • Ja, denke ich auch, ein klein wenig Eitelkeit ist erlaubt. Seltsames Benehmen wie Federn spreizen außer Acht lassend, als gerupfte Vogelscheuche möchte ich nicht auftauchen. Frisch und reinlich duftend sowie ordentlich gekleidet fühlt man sich ohnehin direkt wohler. Geht dir sicher ebenso!
        Und sich zum “Kampf” durch eine andere Frau herausgefordert fühlen kann ich mich doch nur, wenn ich das als Herausforderung akzeptiere und mich darauf einlasse. Manchmal sollte man einfach nur über den Dingen stehen. Allerdings musste ich das erst erlernen und mir anerziehen.
        Und da ich der Sparstrumpf des Hauses bin, trage ich keine 70€ zum Friseur, Haarschnitt für 20 tut es auch. Habe dabei allerdings gleichzeitig ein etwas schlechtes Gewissen, weil ich mich frage, welches Gehalt das Personal bei solchen Preisen noch bekommt. Wünsche euch ein schönes Wochenende und hoffentlich etwas Wärme und Sonne.

  3. Alphamännchen gegen Alphamännchen gab es schon immer und wird es immer geben. Wir haben offenbar recht häufig das Bedürfnis, den Platzhirsch zu geben.

    Mann, es ist deine eigene Schuld, wenn du ein Problem damit hast, dass dir a) Frauen einen Drink ausgeben, b) auch beim Sex die Initiative ergreifen und c) mehr als du verdienen. Aber es gibt sie noch, die ewig Hinterwäldlerischen und Gestrigen. Leider!

    Bitte, liebe Frauen, macht den Männern Angst um ihre Männlichkeit… Jawohl, und wir sollten uns endlich von dem Gedanken verabschieden, nach wie vor ein sich auf die Brust trommelnder Graurücken zu sein, der am Lagerfeuer sitzt. Das sind Typen, die eine Frau noch immer künstlich klein halten wollen. Und mir sind selbstbestimmte und selbstbewusste Frauen deutlich lieber.

    Oder wie meine Frau vorhin meinte: “Frauen haben sehr lange dafür gekämpft, selbst zu bestimmen, ob und wann sie Sex wollen, dass sie sich eine Arbeit nach Wunsch suchen können, ohne um Erlaubnis zu fragen, ob sie den Arbeitsvertrag auch unterschreiben dürfen, Frauen haben für gleiche Rechte und Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt gekämpft. In diese Männerdomäne wirklich einzudringen, das schaffen sogar noch heute im Verhältnis gesehen nur sehr wenige, in vielen Ländern werden sie die Möglichkeit vermutlich niemals erhalten. So bedroht sind sämtliche Männerdomänen der Welt noch gar nicht, wie sie evtl. sein könnten. Falls sich Männer dadurch tatsächlich in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen, dann mangelt es ihnen an Souveränität und genügend Selbstbewusstsein und daran, Tatsachen akzeptieren zu können, besonders auf dem Arbeitsmarkt. Igitt igitt, kann eine Frau tatsächlich besser und qualifizierter sein als ich auf dem gleichen Posten?
    Was bedeutet für mich als Frau Männlichkeit? Klare Meinungen zu haben und diese auch vertreten, verantwortungsbewusst zu denken und zu handeln, auch mal Gefühle zeigen und Schwäche zugeben, ein Mann hat klare Ziele, die er in seinem Leben erreichen will und verfolgt diese auch entsprechend. Er akzeptiert seine Partnerin als gleichgestellt und ja, er beschützt sie auch mal, auch so ein eher archaisches Verhaltensmuster bedeutet für mich Männlichkeit und hat heutzutage noch Wert.”

    Lieber Adam, ich glaube, du hast uns für heute ein schönes Diskussionsthema gegeben.

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© Raoul Biltgen

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