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418 – Die Treue

7. Januar 2018

3 Kommentare

  • Liebe

Liebe Frauen,

Gottseidank leben wir nicht mehr in den Siebzigern.

In den Siebzigern musste man nämlich die späten Sechziger verdauen. Und die späten Sechziger haben eines klipp und klar festgelegt: Treue ist out.

Also wurden in den Siebzigern möglichst spießige Schlüsselpartys organisiert, bei denen Männlein und Weiblein recht bedröppelt rumstanden und den Moment, da das Schlüsselfischen losging, in eine sehr sehr weite Ferne sehnten. Ihr wisst nicht, was Schlüsselpartys waren? Partys, auf denen sich Pärchen bei Käseigel und Fruchtbowle ABBA und Bee Gees reinzogen. Der Höhepunkt aber war, dass alle Männer (ja, damals waren es ausschließlich die Männer, die Auto fuhren), ihre Autoschlüssel in eine große Schüssel warfen, und dann mussten die Damen sich einen Schlüssel herausfischen. Und mit dem jeweiligen Besitzer den Abend fickenderweise beenden.

Warum?

418 - die Treue | Adam spricht

Weil Treue out war, hab ich doch gesagt. Und weil die Menschen trotzdem bieder waren. Und weil sie sich also einen möglichst biederen Weg gesucht haben, um den Erwartungen der Gesellschaft (und übergeilen Nachbarn) gerecht zu werden.

Aber wir leben eben gottseidank nicht mehr in den Siebzigern, weswegen wir uns den Käseigel sparen können, die Fruchtbowle auch (die russischen Eier nehmen wir noch mit), vor allem aber das erzwungene Offensein. Wir dürfen wieder treu sein, ist das nicht toll?

Was? Kommen jetzt die ganzen Spießer daher und beschwören alte Formeln à la „Wer zweimal mit der gleichen pennt, gehört schon zum Establishment“?

Na und, mir doch egal. Ich finde das Konzept der Treue gut. Und damit meine ich der tatsächlichen und alles umfassenden Treue. Also nix da: Ich liebe nur die eine, aber mein Schwanz darf auch in eine andere. Treue ist Treue. Ich liebe die Eine und ich schlafe mit der Einen. Und keiner Zweiten. Und keinem Zweiten. Und wenn doch, dann nur in Anwesenheit der Einen.

Ja, und wenn ich Treue sage, dann verbinde ich damit auch die Hoffnung auf so lange wie möglich. Und dann verbinde ich auch damit die Möglichkeit, dass es irgendwann vielleicht nicht selbstverständlich ist. Und dann verbinde ich auch damit den Willen, dabei zu bleiben.

Und wenn es nicht mehr gehen sollte, aus welchem Grund auch immer, kann ja sein, dann gehört zu meinem heutigen Treueversprechen verfickt nochmal auch das Versprechen der Ehrlichkeit. Und das bedeutet: Es vorher sagen. Denn das ist möglich. Ja, Ihr mitlesenden Männer, Ihr seid am Ende immer noch Herr über Eure Schwänze, und wann Ihr sie in wen zu stecken wünscht. Da kann man auch mal ein wenig warten, wenn das bedeutet, dass man den Menschen, dem man mal treu sein wollte, nicht einfach so hintergeht und damit verletzt, weil man die eigene Latte nicht im Zaum halten kann. Und ja, das gilt auch, wenn dieser Mensch nichts davon weiß und auch nie davon erfahren wird. Denn Treue hat nichts damit zu tun, wer was weiß oder nicht weiß oder ahnt oder schon in Gedanken einen Detektiv engagiert.

Also, liebe Frauen, nennt mich altmodisch, ich finde mich modern, wenn ich die altbackenen Siebziger da belasse, wo sie hingehören: in der Mottenkiste.

Euer Adam

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3 Kommentare zu "418 – Die Treue"

  • „Also, liebe Frauen, nennt mich altmodisch, ich finde mich modern, wenn ich die altbackenen Siebziger da belasse, wo sie hingehören: in der Mottenkiste.“

    Ganz deiner Meinung, denn:

    „Der Höhepunkt aber war, dass alle Männer (ja, damals waren es ausschließlich die Männer, die Auto fuhren), ihre Autoschlüssel in eine große Schüssel warfen, und dann mussten die Damen sich einen Schlüssel herausfischen. Und mit dem jeweiligen Besitzer den Abend fickenderweise beenden.“

    Die sexuelle „Revolution“ der 68er waren doch nichts anderes als eine verlogene Strategie der Männer, die Frauen dazu zu bringen, mit ihnen schlafen zu müssen.

    Zur Treue: Ich bin stolz darauf, ein Mann zu sein, dem Treue sehr wichtig ist. Und zur Treue gehört auch die Ehrlichkeit, als Paar zusammen, von Anfang an und immer wieder im Laufe der Beziehung, zu definieren, was für den jeweils anderen als Untreue gilt – also kurz gesagt, Ehrlichkeit. Und dann gehört für mich auch Vertrauen, Verlässlichkeit und Loyalität dazu. Und dies gilt sowohl für Mann als auch Frau.

    • „also kurz gesagt, Ehrlichkeit“ – Danke hierfür, denn ja, Untreue ist vor allem Unehrlichkeit. Und hat mit Sex erst in zweiter Linie was zu tun. Weil wenn alle Bescheid wissen (und es ok finden), ist es keine Untreue mehr. Weil es ehrlich ist.

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