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436 – Der Incel

13. Mai 2018

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  • Männer
  • Singles

Liebe Frauen,

es gibt Männer, die unfreiwillig alleine sind.

Das ist kein Geheimnis, ich weiß. Und es gibt auch Frauen, die ebenso unfreiwillig alleine sind.

Männer, die unfreiwillig alleine sind, leiden darunter.

Oh, klar, Frauen, die unfreiwillig alleine sind, leiden auch.

Männer, die unfreiwillig alleine sind, fragen sich, warum sie denn so alleine sind, warum keine Frau sie will, mit ihnen zusammenleben will, sie lieben will, mit ihnen Sex haben will, was sie denn falsch gemacht haben.

436 - die Incels | Adam sprichtStimmt, auch Frauen in dieser Situation stellen sich die gleichen Fragen.

Finden Frauen eine Antwort?

Männer schon.

Klar, sind ja Männer, Männer finden immer Antworten, Männer wissen.

Das Tal der Tränen

Männer, die unfreiwillig alleine sind, werden wohl auch das eine oder andere Tal der Unsicherheit und Tränen durchqueren, bis sie von anderen Männern, die unfreiwillig alleine sind, darauf gebracht werden, dass es vollkommen unnütz ist, durch all diese Täler zu wandern, wenn sie doch nur vom Gipfel der höchsten Berge aus alles sehen können, was sie sehen müssen. Und auf den Gipfel gehören sie. Auf den Gipfel des Erfolgs, des Lebens, der Liebe. Und dass sie nicht da stehen, hoch oben, daran sind sie nicht schuld, neinnein, daran sind die anderen schuld. Wer? Die Frauen. Wer sonst?

Eben, Männer tun nichts falsch, es sind doch die Frauen, die diese Männer ablehnen, sie nicht lieben wollen, sich einfach so weigern, ihnen Liebe zu schenken, verdammt, dabei tun sie doch alles, um liebevoll zu sein. Sie schlagen nicht, sie sind nett, sie putzen sich die Zähne und rasieren sich den Sack. Sie halten sogar den Frauen die Tür auf.

Und die Frauen? Die hängen sich an irgendwelche Arschlöcher, kennt man doch.

Die Rebellion

Aber Männer wären keine Männer, wenn sie sich nicht zu wehren wüssten. Männer machen. Und wenn die Frauen sie partout nicht mögen wollen (oder vögeln), dann sollen sie erfahren, was sie davon haben. Ja, Männer tun sich zusammen, zu Männerbünden, sie halten zusammen, sie halten sich gegenseitig die Pimmel beim Pissen und legen sich die Arme um die Schultern und schreien ihre Hässlichkeit hinaus in die Welt und klagen an, dass die Frauen nur aufs Äußere schauen. Sie schreien Diskriminierung und Unterdrückung und der Staat, der hält doch auch nur zu denen, zu den Frauen, immer, die müssen nur mal ein Tränchen verdrücken und schon heult die brave Gesellschaft los und der arme Mann ist mal wieder schuld.

Und Männer geben sich einen Namen, muss ja sein, der ihrem Leid zum Ausdruck verhilft, und zugleich ihrer Wut, ja, sie sind wütend, die Männer, und sie schreien nun den Namen ihrer Wut hinaus, sie sind wütend, weil sie in ihren Rechten ignoriert werden, ihre Rechte auf Liebe, ist es denn nicht das, was jeder will?, ihre Rechte auf Sex. Und in diesem Namen bringen sie jenen Unheil, die schuld sind an ihrem Unheil, den Frauen. Und der Name lautet: Incel. Involuntary celibate, unfreiwillig Zölibatär. Allein.

Und in diesem Namen kennen Männer keine Grenzen. Und in diesem Namen töten Männer Frauen. Incel.

Liebe Männer

Und ich frage mich, liebe mitlesenden Männer, die Ihr vielleicht auch schon mal getobt oder geweint oder geraunzt oder geklagt habt ob der Ungerechtigkeit, die Euch widerfährt, ob Ihr wirklich ein Recht auf Liebe habt? Auf Sex? Ob überhaupt irgendwer dieses Recht hat, wenn dies doch bedeutet, dass wer anderer lieben muss? Sex haben muss? Mit Euch. Ist mein (vermeintliches) Recht auf Sex höher zu werten als jenes eines beliebigen anderen Menschen, keinen Sex zu haben? Keinen Sex mit mir zu haben? Wenn ich nett bin, muss irgendwer anderer das als ausreichend empfinden, mit mir ficken zu wollen?

Männer machen es sich gerne einfach. Anderen die Schuld daran zu geben, dass man so vieles im Leben nicht geschafft hat, ist genau das: Es sich einfach machen. Denn über andere schimpfen, auf andere wütend sein, ist ganz einfach viel einfacher als auf sich zu schauen, auf das zu schauen, was vielleicht dann doch nicht so liebenswert ist. Und das hat mit Pickeln auf Nase oder Arsch äußerst selten etwas zu tun. Genauso wie es nichts mit Tür Aufhalten zu tun hat. Es hat etwas damit zu tun, dass man andere Menschen wahrnimmt, dass man erkennt, dass diese anderen Menschen auch Gefühle haben, Wünsche, Vorstellungen. Und dass die eigenen Wünsche und Vorstellungen und Gefühle in der Regel erst dann gesehen und respektiert und vielleicht sogar erfüllt werden, wenn die anderen Menschen, die dies alles erfüllen sollen, nicht mehr das Gefühl haben, dass sie zu nichts anderem auf der Welt sind, als genau dies für andere zu tun.

Anders gesagt: Männer, die denken, sie haben ein Recht darauf, von Frauen geliebt zu werden, haben durch genau diesen Gedanken genau dieses Recht verloren.

Euer Adam

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