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444 – Das Sein, wie man ist

8. Juli 2018

4 Kommentare

  • Liebe

Liebe Frauen,

seid Ihr immer so, wie Ihr seid?

Oder gebt Ihr Euch auch mal ganz anders?

Wir Männer, ja, wir würden ja nicht einmal im Traum darauf kommen, uns zu verstellen, ich bitte Euch, wir doch nicht, neinnein, entweder es mag uns wer so, wie wir sind, oder eben nicht.

Und ich bin natürlich der beste Beweis dafür, dass alle Männer so sind, schließlich bin auch ich immer absolut ehrlich zu Euch und würde nie etwas behaupten, was nicht so ist. Nicht ganz so. Nur annähernd so.

444 - das so sein wie man istDie Wahrheit

Na gut, Ihr habt mich durchschaut, liebe Frauen, manchmal stelle ich mich selbst ein wenig besser dar, als ich glaube, dass ich bin. Und alle anderen Männer tun das auch. Und alle anderen Menschen tun das auch. Das ist so. Und ich rede diesmal nicht vom bewussten Lügen. Einfach nur ein wenig an dem drehen, was man ist. Aus einem Fleischesser wird ein „aber so selten wie möglich“, wenn das Gegenüber Vegetarier ist. Oder Vegetarierin. Und aus „ab und zu“ wird ein wöchentliches Joggen, wenn es angebracht scheint, sportlich zu wirken. Und aus einem Möchtegernmacho wird ein Frauenversteher, weil er sich ja seines eigenen Machotums bewusst ist. Alles gut. Wir lernen uns kennen und lieben und hurra tralala.

Und wir haben wen falschen kennengelernt und wen falschen lieben gelernt und dann kommt der Moment, da wir uns zugestehen, dass wir uns endlich so richtig wohl fühlen mit diesem anderen Menschen, da wir vollstes Vertrauen haben, da wir bereit sind, nein, da wir das große Bedürfnis haben, wirklich wir selbst zu sein, weil wir endlich so sein können, wie wir wirklich sind, und dann … Sind wir nicht mehr so, wie uns der andere mag. Wie er uns kennen und lieben gelernt hat.

Und dann?

Was soll dann schon sein? Aus ist dann. Weil so wie wir unser wahres Ich offenbaren, so lernen wir auch das wahre Ich des anderen kennen. Und das mögen wir nicht. Wir wollen kein wahres Ich, wenn es so ist, so … Unvegetarisch, unsportlich, unfeministisch. Also bitte, sei wieder so, wie du nicht bist, damit ich dich mögen kann, geht das? Ja? Ja? Ja?

Nein, geht nicht.

Die Geschminkte

Und ich kenne eine Frau, die hat sich über Jahre nur geschminkt ins Bett begeben, weil sie sich eben nicht so zeigen wollte, wie sie sich selbst sieht, wenn sie in den Spiegel schaut. Und sie war überzeugt davon, dass Ihr Mann sich denkt: Ich habe die schönste Frau der Welt. Und? Schlimm? Hat sich die Frau nun selbst verraten? Hat sie ihr Selbst verraten? Oder hatte sie eine glückliche Beziehung? Was weiß denn ich. Ich weiß nur, dass es irgendwann keine Beziehung mehr gab. Aber ob das daran lag, dass sie sich dann doch mal in seiner Abwesenheit ohne Make-Up gezeigt hat, oder ob er sich gedacht hat: Ich habe keinen Bock mit einer dauergeschminkten Tussi mein Leben zu verbringen, oder ob es war, weil er die Zahnpastatube nicht zugedreht und sie die Klobrille nicht runtergeklappt hat, alles ist möglich. Und im Leben geht es äußerst selten um Schminke im wörtlichen Sinn.

Wollen wir wir selbst sein, wenn es bedeutet, alleine wir selbst zu sein, weil uns niemand will, so wie wir sind? Oder wollen wir dann doch lieber mit wem anderen wer anderer sein?

Oder wo zum Teufel finden wir diejenigen Menschen, die sich trotz unserer physischen und psychischen Auftakelungen als das erkennen, was wir sind, und uns lieben lernen, für das, was dann irgendwann von uns zum Vorschein kommt, weil wir den ganzen Schmafu über Bord schmeißen, den wir zu brauchen glauben?

Und: Vielleicht liegt es ja auch an uns? Weil wir im Grunde nicht so sein wollen, wie wir sind (oder denken zu sein), und deswegen uns nicht nur nicht vorstellen können, dass uns wer so mag, wie wir sind, sondern das nicht einmal wollen?

Euer Adam

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4 Kommentare zu "444 – Das Sein, wie man ist"

  • Auch wenn es ein Tiefschlag war, musste ich trotzdem lachen: „Und aus einem Möchtegernmacho wird ein Frauenversteher, weil er sich ja seines eigenen Machotums bewusst ist. Alles gut.“

    Ich will nicht sagen, dass ich mich garnicht verstelle. Ich habe nur am Anfang nicht alles preisgegeben. Irgendwann ist man doch „nackt“. Dann sind alle enttäuscht.

    Ich habe schon geschrieben, dass ich zu alt bin um zu versuchen Frauen zu verstehen.
    Ich mag auch keine stark geschminkten Frauen. Sie sollte nur ein ganz klein wenig nachhelfen.

    • Der Tiefschlag war nicht einmal gegen dich gedacht. Aber jeder darf gerne aus den Texten lesen, was er mag. Und es auch auf sich beziehen 😉
      Selbst wenn du meinst, es nicht mehr versuchen zu wollen, Frauen zu verstehen, so scheint es dir doch ein Anliegen, von ihnen (und anderen) verstanden zu werden.

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