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535 – Die Jogginghose

5. April 2020

3 Kommentare

  • Körper
  • Sex

Liebe Frauen,

einer der vielen Witze, die derzeit gerade die Runde machen, ist, dass wir alle nicht mehr aus dem Pyjama rauskommen.

Warum sollten wir auch, wenn wir nur zuhause bleiben dürfen, um dem Virus aus dem Weg zu gehen?

Also lachen wir und denken: Haha, witzig, aber soweit ist es bei mir noch nicht gekommen, nochmal davongekommen, hurra.

Und nun schaut mal an Euch runter und werdet Eurer Gewandung gewahr. Ist es eine Jogginghose?

Ich wette, sehr viele werden mit einem gemurmelten „Ja“ zu antworten haben.

Und eigentlich hätte ich längst mal über die Jogginghose schreiben müssen. Denn aktuell war dieses modische Problemkind schon länger, ja, sogar noch bevor der selige Lagerfeld gemeint hat: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Gemütlich

Im Moment haben wir alle die Kontrolle über unsere Leben verloren. Selbst die, die noch raus dürfen, weil sie einen Beruf ausüben, der grad gebraucht wird, sind nicht in ihrem Normalzustand. Und sei es nur, weil endlich bemerkt wird, dass es Berufe gibt, ohne die eine Gesellschaft wie die unsere tatsächlich zu zerbrechen droht. Und manche beklatschen diese Menschen, und manche sagen, dann sollten sie doch auch endlich angemessen bezahlt werden. Auch das ist nicht normal, wenn normal das ist, was bisher war. Vielleicht ist es aber jetzt endlich mal normal, dass wir sehen, auf was es ankommt, und dass uns das was wert sein dürfte. Diese Veränderung in unseren Köpfen können wir aber nur erreichen, wenn wir es zulassen, dass wir die Kontrolle abgeben. Kontrolle bewahrt. Chaos verändert.

Und was uns auch auf einmal noch wichtiger ist als zuvor, das ist unser ganz persönliches Wohlbefinden. So viele Menschen hatten bisher einfach keine Zeit, sich zu fragen, ob sie sich wohl fühlen mit oder in ihrem Leben. Hatten ja Arbeit. Hat den Kopf schön zugemüllt. Jetzt haben wir Zeit. Sitzen zuhause. Denken nach. Und dann stellen wir fest, dass dieses Sofa, auf dem wir auf einmal so viele Stunden verbringen, eigentlich voll ungemütlich ist. Und hässlich noch dazu. Dass wir, wenn wir zum Fenster rausschauen, nicht Schönes sehen. Dass das etwas ist, das wir so nicht wollen.

Also flüchten wir in das, was uns diesen nicht zu entfliehenden neuen Alltag irgendwie erträglich macht. Oder zu machen scheint. Wir machen es uns gemütlich. Wir bleiben im Pyjama. Oder gleich im Bett. Oder eben in der Jogginghose. Ja, wir stehen dazu, dass wir die Kontrolle über unser Leben verloren haben, da, Erwachsenenstrampler, was dagegen?

Ja.

Auf sich schauen

Ja, die Jogginghose ist gemütlich. Vielleicht. Aber vielleicht auch nicht. Enge Bündchen oben und unten und irgendwie … naja.

Nennen wir es Schlabberlook. Ist das gleiche gemeint, es drückt aber eher aus, was das Problem ist. Es geht nämlich nicht um die Jogginghose. Es geht darum, dass wir uns gehen lassen. Dass wir keinen Wert mehr darauf legen, wie wir aussehen. Weil uns eh keiner sieht. Womit wir falsch liegen. Wir sehen uns. Unter Umständen sieht unser Partner uns. Wollen wir für den nur mehr dahingegammelt erscheinen? Wollen wir für uns nur mehr dahingegammelt erscheinen? Sind wir uns denn nicht einmal so viel Mühe wert, dass wir uns in den Spiegel schauen (oder an uns herunter) und sagen können: Ja, ganz ok.

Niemand muss im Abendkleid vor dem Fernseher rumhängen. Aber hatte es nicht auch etwas Besonderes, mal ein Abendkleid anzuziehen? Hat es nicht dazu geführt, dass wir uns anders gefühlt haben? Egal wie ungemütlich es war, haben wir uns nicht vielleicht schön gefühlt? Außergewöhnlich. Und gewöhnlich kennen wir, wie gesagt, Jogginghose vor der Glotze. Wir wollten mal was anderes.

Und haben wir unseren Partner in Jogginghose kennengelernt? Und ich meine nicht beim Sporteln, sondern auf der Couch rumhängend?

Na schön, mache schon. Die dürfen weitermachen.

Vor ein paar Wochen, als das ganze Isolieren angefangen hat, habe ich einen Baby Boom rund um Weihnachten vorausgesagt. Die Jogginghose wird ihn vielleicht noch verhindern.

Wer will schon mit einem Menschen, der sich einfach nur gehen lässt, pimpern?

Wer will schon als Mensch, der sich einfach nur gehen lässt, pimpern?

Und das gilt nicht nur, wenn Corona ist.

Euer Adam

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3 Kommentare zu "535 – Die Jogginghose"

  • Hallo Adam,

    Deine Ansicht im Bezug auf die Jogginghose macht Sinn und ist durchaus nachvollziehbar. Bei uns führt das Tragen dieser Hosen allerdings dazu, dass schneller mal die eigene Hand in der Hose des Partners verschwindet 😉 Die Barriere von Jeans oder anderem schwerer zu entfernendem Beinkleid fällt weg. Bei uns demnach auch von Vorteil.

    Hab einen schönen Sonntag!

    Viele Grüße
    Julia

  • Adam hat geschrieben “Und manche beklatschen diese Menschen, und manche sagen, dann sollten sie doch auch endlich angemessen bezahlt werden.”
    Wenn diese wichtigen Leute mehr Geld bekommen und es für die Klatscher teurer wird, dann fängt das Gejammere wieder an!

    Ich bin Rentner, aber ziehe mich immer normal an. Heißt Hose, Hemd oder Rolli. Ich laufe nie den ganzen Tag in Jogginghosen. Höchstens spät abends nach dem Duschen im Schlafanzug.
    Ich hatte mal Bilder einer Frau gesehen:
    Im Jogginganzug “bei dem Mann, mit dem ich Sex haben will”.
    Im Kleid: “bei dem Mann, mit dem ich keinen Sex haben will”.

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