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438 -Die Männerfreundschaft

27. Mai 2018

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  • Männer

Liebe Frauen,

Männer haben keine beste Freundin, Männer haben einen besten Freund.

Der Unterschied liegt nicht nur im Geschlecht.

Die beste Freundin

Wenn das alles so stimmt, wie es mir zu Ohren kommt, so hat die beste Freundin der Frau tatsächlich die Funktion, sich alles anhören zu müssen, was frau so plagt. Das ist ihr Mann. Und was Frau so erfreut. Das ist ihr Mann. Natürlich jeweils nicht nur. Aber dann doch. Wir Männer gehen auf jeden Fall sehr schwer davon aus, dass Ihr Frauen mit Euren besten Freundinnen über uns redet. Ja, das heißt auch über Sex mit uns. Ja, das heißt auch über unsere Ausstattungen und Fähigkeiten und Marotten und so weiter. Und je nach Selbstbewusstsein stellen wir uns dann Sätze à la „So einen wie den hatte ich noch nie“ oder „So einen wie den hatte ich noch nie“ vor. Bitte den Satz jeweils einmal mit hocherfreutem Gesicht und glänzenden Augen und in Verzückung quiekender Stimme zu denken, einmal mit verdrehten Augen und tiefem Seufzen und der Sehnsucht nach vergangenen oder zukünftigen männlichen Andersartigkeiten im Tonfall.

438 - die Männerfreundschaft | Adam sprichtUnd vor all dem haben wir Angst. Dass es letzterer Beschreibung entspricht, was Ihr mit Eurer besten Freundin so tratscht.

Aber keine Angst, liebe Frauen, wir Männer tun sowas nicht.

Keine Rede von Gerede

Befreundete Männer reden nicht über den Sex mit ihren Frauen. Mit irgendwelchen Frauen schon, vor allem über imaginierten Sex mit imaginierten Frauen, nicht über den tatsächlich stattfindenden. Eventuell kann bedauert werden, dass es nicht öfter vorkommt, oder gegebenenfalls erfreut, dass es sehr oft vorkommt, aber über ein kurzes angeberisches Grinsen hinaus hält sich die Auskunft über Euch in klaren Grenzen.

Wir Männer reden auch nicht über Probleme anderer Art. Wir beschweren uns, ja, wir ärgern uns auch, über Chefs oder die Politik oder die Gesellschaft oder die Frauen im Allgemeinen. Aber das hat nichts damit zu tun, über Probleme zu sprechen. Haben wir Probleme, sind wir Männer und behalten sie für uns. Höchstens verklausuliert finden sie ihren Weg in Männergespräche. Haben wir zum Beispiel das Gefühl, nicht in unserer Beziehung das äußern zu können, was wir äußern wollen, so könnte sich dies in Form von einem Satz à la „Frauen reden und reden und reden“ ausdrücken. Gefolgt von einem stummen Kopfnicken durch den Freund. Dann wissen wir: „Ich werde verstanden.“ Und das ist es, was wir brauchen: Wir wollen einfach nur wissen, dass wir nicht alleine sind mit dem, was uns beschäftigt, still und heimlich in uns drin. Das ist es, was uns reicht.

Oh, natürlich, ich sage nicht, dass das immer der beste Weg ist, mit Dingen umzugehen. Ich bin sogar zutiefst überzeugt davon, dass es so manchem Mann ganz guttun würde, mal wirklich über das zu sprechen, was ihn so umtreibt. Aber, ob Ihr es glaubt oder nicht, wir tun das am ehesten noch mit Euch. Wenn wir nämlich mal Probleme mit unserem besten Freund haben („Seit der diese neue Tussi hat, hat er ja für sonst überhaupt nichts mehr Zeit.“)

Die vermeintliche Konkurrenz

Aber Männerfreundschaften haben auch noch eine andere Funktion: Das sich aneinander Reiben. Nein, nicht wörtlich gemeint. Wir necken uns. Nur würden wir es niemals „necken“ nennen, denn das wäre uns sicherlich zu unmännlich. Wir ziehen einander auf. Womit? Niemals mit dem, was tatsächlich weh tun könnte. Sofern wir das wissen. Wir würden zu einem Freund niemals im Scherz sagen: „Du kriegst ja eh keinen mehr hoch“ (zum Beispiel nachdem er sich darüber beklagt hat, dass seine Frau ständig Migräne hat), wenn wir wüssten, dass es da schon mal einen Vorfall à la „passiert doch jedem mal“ gegeben hat. Wir rufen durch das Großraumbüro, dass unser Freund einen mickrigen Penis hat, wenn er zumindest durchschnittsbehängt ist. Was wir durch den gemeinsamen Saunabesuch wissen. Wir machen uns über das lustig, was ganz offensichtlich als ein sich lustig Machen erkannt werden kann. Weil es ja nicht stimmt, klar? Denn wie gesagt: Probleme bleiben zuhause. Oder in uns. Wir lachen erst über den nach hinten schwindenden Haaransatz des alten Schulfreunds, wenn er selber darauf aufmerksam macht, dass seine neue Frisur seine Aerodynamik beim Fahrradfahren enorm gesteigert hat.

Dass wir uns aber ständig mit irgendwelchen vermeintlichen Lastern oder Fehlern oder Makeln aufziehen, dient der Stärkung nicht von uns selber (wenn wir das wollen, erwähnen wir das, was tatsächlich der Fall ist, und wissen, dass wir damit weh tun), sondern unseres Freundes. Wir teilen ihm damit mit, dass wir wissen, dass er damit umgehen kann, dass er stark genug ist, solche Anschuldigungen zu tragen, dass uns eh klar ist, dass er vortrefflichst bestückt ist. Wir bringen unsere Anerkennung zum Ausdruck, unsere Bewunderung, indem wir mit ihm in Konkurrenz treten, indem wir es überhaupt für nötig befinden, uns scheinbar über ihn lustig zu machen.

Und dann wissen wir, dass es ok ist, alles ist ok, das Leben ist ok, mit all dem, was wir tief in uns verborgen mit uns herumtragen und niemandem zu sagen trauen. Und schon gar nicht unserem besten Freund.

Euer Adam

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